Im Portrait: Dr. Petra Verdino

Chemikerin aus Leidenschaft

Ein Jahr bevor Petra Verdino ihr Chemie-Studium mit einem Doktorat „Sub Auspiciis“ abschloss, erzielte die damals 27-jährige Grazerin bereits Forschungsergebnisse im Olymp der Molekularbiologie. Sie löste im Rahmen ihrer Allergen-Forschungen die Struktur eines therapeutisch wichtigen kreuzreaktiven Heuschnupfen-Erregers und entwickelte mehrere Vorschläge für Impfstoffe, die das Allergen wirkungslos machen. Im November 2002 erhielten Petra Verdino und ihre Kooperationspartner dann das europaweite Patent auf alle Medikamente, die auf Basis deren Forschungen entwickelt werden. Selbst wenn man weiß, dass ihr die Begeisterung für ihr Fach schon beinahe in die Wiege gelegt wurde, versetzt diese Bravourleistung in Erstaunen.

Puppenspiel mit Forschergeist

Verdinos Verwandtschaft väterlicherseits besteht zum Großteil aus ChemikerInnen und PharmazeutInnen. „Als ich acht Jahre alt war, hat mein Vater uns Kindern schon Lust auf Chemie gemacht. Wir haben Salzkristalle gezüchtet und weitere spannende kristallographische Experimente gemacht – ich war fasziniert.“ Statt Puppen anzuziehen, sie zu kämmen und mit ihnen spazieren zu gehen, hatte die kleine Petra ganz andere Interessen. So beschäftigte sie etwa die Frage: „Wie könnte sich Anti-Falten-Creme auf Puppenhaut auswirken?“ In der Küche testete sie den Einsatz von Lebensmitteln als Farbstoff. Eine beispiellose Karriere als Chemikerin war also vorher zu sehen.

Auf das Thema Allergene kam sie im Laufe ihres Studiums an der Karl-Franzens-Universität durch einen Zufall: Als Betroffene hörte sie einen populärwissenschaftlichen Vortrag über Heuschnupfen, den der Wiener Professor Rudolf Valenta am Grazer LKH hielt. Sie trat daraufhin kurzerhand mit ihm in Kontakt und begann selbst den Kampf gegen Allergien aufzunehmen. Nicht lange darauf hatte sie die Struktur eines therapeutisch wichtigen Allergens entschlüsselt.

Work-Life-Balance im 60 Stunden-Alltag

Derzeit forscht die junge Frau am „Scripps Research Institute“ in der Abteilung Molekularbiologie in La Jolla, USA – und das mit großer Begeisterung: „Ich bin einfach so neugierig. Wenn sich ein Problem auftut, bin ich unglaublich motiviert, dafür eine Lösung zu finden. Wenn man dann so wie hier mit einem Team von ebenso motivierten Menschen zusammenarbeiten kann, erfüllt sich der Traum jedes Forscherherzens.“

In ihrem Privatleben fällt es der Chemikerin mit Leidenschaft oft schwer, sich mit neuesten Erkenntnissen zurückzuhalten: „Meine Freunde bekommen sicher mehr über mein Gebiet zu hören, als ihnen manchmal lieb ist.“ Für Petra Verdino stimmt ihre Work-Life-Balance – trotz 60 Stunden-Woche im Labor. In der Freizeit kommt auch eher wissenschaftliche Literatur als ein Roman zum Zug. Sie lebt „Faszination Forschung“ und weiß für sich persönlich auch, warum: „Wir arbeiten daran, die Menschen gesünder zu machen, neue Medikamente zu entwickeln und existierende Therapien zu verbessern.“

Der Kontakt nach Österreich, der vor allem jetzt durch brainpower austria forciert wird, ist der Grazerin enorm wichtig: „Wenn sich ein entsprechendes Angebot ergibt, will ich auch wieder in meine Heimat zurückkehren.“


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