Zwischen Neurologie und Schriftstellerei
Als John Menkes als 11-jähriger 1939 mit seiner Familie vor dem Holocaust nach Amerika floh, hatte er einen großen Traum: Er wollte Journalist werden. Die Familie sah jedoch einen anderen Weg für den talentierten jungen Mann vor. Menkes Vater war Mediziner, sein Großvater Dorfarzt im Waldviertel und studierte unter Karl Freiherr von Rokitansky, einer der Sezierer von Beethovens Leiche. Der Familientradition folgend inskribierte auch Menkes schließlich Medizin an der Johns Hopkins University. In Harvard spezialisierte er sich auf Pediatrie und belegte nebenbei Literaturfächer.
Medizinisches Standardwerk und Literaturpreis
Menkes ist inzwischen ein weltweit anerkannter Neurologe, emeritierter Professor und Leiter der Pediatrischen Neurologie am Cedars-Sinai Medical Center. Eine seltene Kinderkrankheit, das „Menkes Syndrom“ ist nach ihm benannt. Neben zahlreichen Publikationen ist vor allem sein Textbuch über Kinder-Neurologie zum Standardwerk geworden – die siebente Auflage wurde vor kurzem verlegt. Erfolgreich verläuft auch seine Karriere in der Belletristik. Er hat Theaterstücke und Romane veröffentlicht und sogar Literatur-Preise gewonnen. Derzeit arbeitet er an einem Roman über Puccini´s Turandot.
Fernsehen ist Zeitverschwendung
Für Privatleben bleibt allerdings nur mehr wenig Zeit: „Man braucht eine verständnisvolle Familie, die es erlaubt, dass man Stunde um Stunde im Labor verbringt und danach über Ergebnisse reflektiert.“ 60 Stunden sind es derzeit, die der 78-jährige mit Wissenschaft und Literatur verbringt. „Aber eines ist fix: Zum Frühstück und Abendessen sitzen meine Frau und ich zusammen, außerdem reisen wir und sehen uns Kinofilme an. Drei- bis fünf Mal pro Woche spiele ich außerdem Tennis.“ Ein ausgefülltes Leben also, wo ein Fernseher keinen Platz hat: „Das ist für mich absolute Zeitverschwendung.“
Auf die Frage, ob er jungen Menschen raten würde, Wissenschafter zu werden, hat Menkes eine klare Antwort: „In den USA ist es derzeit nicht anzuraten. Junge Leute werden mit Bürokratie, unnötigem Regelwerk und elendslangen Fragebögen gequält. In anderen Ländern, darunter auch Österreich, kann Wissenschaft hingegen noch Spaß machen. Wichtig ist, möglichst viele Fragen zu stellen.“
Über brainpower austria will Prof. John Menkes jetzt junge Mediziner unterrichten: „Mit Glück kann ich ihnen die amerikanische Sichtweise gepaart mit österreichischer Sensibilität vermitteln.“