Arzneimittel-Expertin mit Blick fürs Ganze
Als Ilona Reischl 1985 mit dem Pharmazie-Studium begann, wollte sie vor allem wissen, wie sie einen Beitrag zur Gesundheit der Menschen leisten kann. Ihre Begeisterung für die Forschung und die Komplexität des Immunsystems weckte ihr Dissertationsbetreuer, Dr. Geert Mudde. Im Studium lernte sie ihren Blick für die globalen Zusammenhänge von Systemen zu schärfen. Es ist „the big picture“, dessen Verständnis ohne Detailwissen nicht möglich ist, das die international erfahrene Expertin fasziniert.
Von der Forscherin zur „Mediatorin“
Ilona Reischls internationale Forschungstätigkeit begann mit einem Stipendium der Europäischen Union, das ihr patienten-orientierte Grundlagenforschung im Bereich Allergologie am University Hospital Southampton ermöglichte. Auf der Suche nach neuen Aufgaben führte sie ihr Weg von England weiter nach Amerika an die renommierten National Institutes of Health (NIH). Als ihr Mentor in Pension ging, ergab sich für die junge Forscherin ein Wechsel in eine Arbeitsgruppe der US Food und Drug Administration (FDA), welche die Zulassungsbehörde für Arzneimittel ist. Erstmals kam sie mit der Doppelfunktion Forschung — Arzneimittelzulassung in Kontakt und es eröffnete sich ein neues spannendes Arbeitsfeld. In der Doppelfunktion kam ihr nun auch das umfangreiche Wissen, das sie in den verschiedenen Bereichen ihrer bisherigen Forschungstätigkeit gesammelt hatte, zugute. Damit schloss sich der Kreis zur ihrem Studium: Diese „Schnittstellen“-Tätigkeit verlangte den Blick aufs Ganze, der ohne Detailwissen nicht möglich ist. Obwohl ihr Herz an der Forschung hängt, fühlt sie sich sehr wohl als „Mediatorin“ zwischen Forschung und Arzneimittelzulassung.
Alle Wege führen nach Österreich
Je drei Jahre hat Ilona Reischl am NIH und FDI (FDA) verbracht. Besonders fasziniert war sie von der Wissensballung, die die Institute boten: „10.000 Forscher aus aller Welt an einem Ort vereint — eine internationale Enklave, die Wissenschaft lebt und atmet“. Wovon sie am meisten profitiert hat? „Menschlichkeit und die Schulung der geistigen Flexibilität.“ Im Jahr 2005 erhielt sie dann ein Angebot von der AGES/PharmMed, der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit und ist seit März 2006 wieder in Österreich tätig.
Von überall das Beste mitnehmen
Ilona Reischl kann sich nicht festlegen, in welchem Land es sich als Forscherin besser leben und forschen lässt. Für sie ergeben sich vor allem durch die Mentalität viele Unterschiede. In Amerika sieht sie Vorteile darin, dass mehr Wert auf Berufserfahrung gelegt wird und es die in Österreich gelebte „Titel-Verliebtheit“ nicht gibt. Auch hat sie die Erfahrung gemacht, dass es in den USA einfacher ist, Anschluss zu finden. An Österreich schätzt sie besonders die Absicherung durch den Sozialstaat und die Tatsache, dass man durch die kurzen Distanzen rasch überall hinkommt. Auch die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben ist hier einfacher.
Jungen Menschen, die in die Forschung gehen wollen rät sie, dies im Rahmen einer Dissertation herauszufinden. Angehende österreichische Forscher seien beneidenswert: Als sie das erste Mal den Sprung ins kalte Wasser wagte und Österreich verließ, konnte sie auf keine Organisation zurückgreifen, die sie bei ihren Aktivitäten begleitete; heute stehen brainpower austria in Österreich und der ASCINA-Verein in Nordamerika jungen Forschern hilfreich zur Seite.