Standortfaktor Lebensqualität

Wasser

Österreich und Wien in Studien weit vorne

Die Kaufkraft oder die Arbeitslosigkeit, die Qualität der Luft oder die Anzahl von Kindergartenplätzen: All dies sind Werte, die sich eindeutig messen und bestimmen lassen. Die Lebensqualität setzt sich aus vielen dieser konkret messbaren Werte zusammen — und ist selber doch schwer bestimmbar. Das liegt daran, dass die Bewohner eines Ortes oder eines Landes die einzelnen Faktoren, die Lebensqualität ausmachen, unterschiedlich einschätzen und gewichten. Und doch lohnt sich der Versuch, das Gesamt-Gefühl von Lebensqualität unter der Bevölkerung irgendwie einzufangen — denn dieses wird immer mehr zum Standortfaktor.

In einer Zeit, in der Länder, Bundesländer und Städte verstärkt miteinander um die Ansiedelung von international agierenden Spitzenunternehmen und -institutionen in Konkurrenz treten, spielen Kinderbetreuung, die Qualität des Trinkwassers oder der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs keine Nebenrollen mehr. Im Niedriglohnsektor mag es so sein, dass sich die Kostenfrage allein im Blickpunkt befindet. Doch bei der Rekrutierung von hochqualifiziertem Fachpersonal, etwa aus dem F&E-Bereich, stellen Sicherheit, Umweltbewusstsein, Bildungsstandards wesentliche Entscheidungsmerkmale für oder gegen einen Standort dar.

Das Schweizer Management-Institut IMD (International Institute for Management Development, angesiedelt in Lausanne) hat Österreich in seinem World Competitiveness Yearbook 2003 in den Bereichen Lebensqualität und Gesundheitsinfrastruktur den ersten Platz gegeben. Das IMD bezieht alle wichtigen Volkswirtschaften weltweit in seine Untersuchung mit ein.

Auch die Hauptstadt der Alpenrepublik kann ähnlich stark punkten. Bei der Untersuchung des Beratungsunternehmens Mercer Human Resources Consulting für 2006 belegt sie den vierthöchsten Platz weltweit in puncto Lebensqualität – hinter Zürich, Genf und Vancouver. Damit liegt Wien an erster Stelle in der gesamten EU.

Bei der Mercer-Studie werden mehr als 350 Städte aus der Sicht von ins Ausland entsandten Mitarbeitern in Augenschein genommen. Die Beurteilung erfolgt nach 39 Kriterien, wobei politische, soziale, wirtschaftliche und umweltbezogene Faktoren, aber auch die Sicherheit, die Gesundheitsversorgung, Erziehungs- und Verkehrsangebote und andere öffentlichen Dienstleistungen herangezogen werden.

Lebensqualität zu messen, bedeutet den Mut zum Vergleich, der nicht möglich ist. Kulturelle Vielfalt eines ‚Melting Pot’ oder Ruhe und intakte Natur vor der Haustür, hoher finanzieller Anreiz oder solide soziale Absicherung, die verstärkte Förderung von allen oder die von Eliten: Staaten, Länder und Städte setzen unterschiedliche Akzente und haben Verschiedenes zu bieten. Und doch wird es wenig Menschen geben, die keinen Wert auf Sicherheit vor Kriminalität, auf eine Versorgung mit qualitativ hochwertigen Nahrungsmitteln oder auf ein leistungsstarkes Gesundheitssystem legen. Deshalb ist es so wichtig, dass Österreich auch in diesem nur schwer messbaren Bereich überzeugt. 

(Mai 2006.)


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