Initiative verbessert Life-Science-Berufschancen

DI Gisela Zechner

„Was nützt die beste Erfindung, wenn sie niemanden erreicht?“

DI Gisela Zechner ist der Kopf hinter life-science.at, den Karriere-Services für Unternehmen, Universitäten und AkademikerInnen der Naturwissenschaften. In der Branche hat sie sich durch die Kurse und Seminare der „life-science-academy“ und durch die jährliche Spezialmesse für Forschung, Karriere und Innovation, die „life-science-success“ im Wiener Museumsquartier, einen Namen gemacht.

„Im Vergleich zu früher verlangen die Firmen im Life-Science-Bereich mittlerweile mehr Zusatzqualifikationen, Fremdsprachen- oder EDV-Kenntnisse etwa werden vielfach vorausgesetzt. Immer wieder höre ich den Wunsch nach der Fähigkeit, wirtschaftliches Denkvermögen zu besitzen, für wirtschaftliche Prozesse Interesse zu haben.“ Zechner zufolge greifen universitäre Ausbildung und ökonomische Nutzbarmachung dieser Ausbildung in Österreich immer mehr Hand in Hand. „Wissenschaftliche Ergebnisse brauchen die Wirtschaft, damit sie verwertet und den Menschen zugeführt werden können. Denn was nützt die beste Erfindung, wenn sie niemanden erreicht?“

Goldene Regel: aufs Kerngeschäft konzentrieren

Die Universitäten bieten in Österreich laut Zechner eine gute Ausbildung in den Umwelt- und Lebenswissenschaften. Das inzwischen oft für eine erfolgreiche Karriere eingeforderte Spezialwissen müsse man sich kontinuierlich berufsbegleitend aneignen. Darin liegt auch eine Chance für die Universitäten: nämlich ihre AbsolventInnen in postuniversitären Seminaren und Lehrgängen fachlich up-to-date zu halten, mit ihnen dadurch in Kontakt zu bleiben und gleichzeitig ihre praktische Erfahrungen ins eigene Haus zu holen. Ein weiterer Faktor für einen erfolgreichen Berufsweg stellt auch die bei den ArbeitgeberInnen gerne gesehene internationale Erfahrung dar.

Zechner sieht die Versuche mancher Lehranstalt skeptisch, wirtschaftliche Grundlagen zu vermitteln, um die AbsolventInnen auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten. „Die Universitäten sollten sich auf ihre fachlichen Kernkompetenzen konzentrieren, diese stärken, darauf ihre USP aufbauen und sich über diese als Partner der Wirtschaft profilieren. Universitäten verfügen über stabile, jahrhundertealte Strukturen, sie erfüllen einen ganz anderen gesellschaftlichen Auftrag als die Privatwirtschaft. Viel effektiver und erfolgversprechender als zum Beispiel Wirtschaftskurse an naturwissenschaftlichen Universitäten sind doch Vernetzungen zwischen Lehrstätte und Unternehmen, um in einer klassischen Win-Win-Situation voneinander zu profitieren.“

Selber etwas riskieren, selber davon profitieren

Zechners life-science.at-Initiative bietet auch einen Link für den Schritt in die Selbständigkeit. „In Österreich gibt es zahlreiche Anlaufstellen und Impulse, wenn man sich in den Umwelt- und Lebenswissenschaften selbständig machen will. Im Vergleich zu Deutschland beobachte ich bei uns aber, dass vor einer möglichen Förderung eine stärkere Auslese der Geschäftsideen und —modelle stattfindet. Es wird nicht nach dem Gießkannenprinzip alles unterstützt, sondern nur ein Konzept, das die Beurteiler wirklich überzeugt und wirtschaftlichen Erfolg verspricht. Auch Unternehmen, die in der Startphase sind, können auf das Wissen von kompetenten Zentren zugreifen, die selber ständig neue Kompetenzen entwickeln. Der Life-Science-Bereich steht hier zweifellos besser da als manch andere Branche.“

Generell ortet Zechner bei den heimischen NaturwissenschaftlerInnen allerdings eine noch zu geringe Fähigkeit, positiv und flexibel auf das System Wirtschaft zuzugehen und darin rasch Wurzeln zu schlagen. „Diese Gruppe kann in puncto Selbstmarketing sicher noch viel aufholen, würde ich sagen. Es gibt einige, die aus Eigeninitiative bereits während des Studiums Netzwerke aufbauen, wie etwa den beeindruckenden Club Biotech. Diese Leute werden ihren Weg finden und gehen, denn sie haben schon früh bewiesen, dass sie quasi aus dem Nichts heraus etwas schaffen können. Aber: Nicht alle sind bei solchen Netzwerken dabei, ganz im Gegenteil.“

Wer an einem Rad dreht, dreht an vielen

Diese Beobachtung bildet auch den Kernpunkt für Zechners persönliche Motivation an ihrer Arbeit. Sie erlebt den beruflichen Werdegang jedes Betreuten als einen „spannenden Prozess“. „Das motivierendste Element ist für mich bei life-science.at, dass es als ein Win-Win-System funktioniert. Je mehr Menschen sich daran beteiligen, umso größer der Gewinn für den Einzelnen. Wenn die Naturwissenschaftler — diese hoch qualifizierte Gruppe an Arbeitskräften — selbstbewusst ihre eigene Identität und Individualität entwickeln und ihre Fähigkeiten voll und ganz, in allem was sie tun, entfalten, dann profitieren alle davon.“ Die StudentInnen und AbsolventInnen, die Universitäten, die Firmen, die Volkswirtschaft: Sie alle haben dabei etwas zu gewinnen und nichts zu verlieren.

Im Jahr 2002 ist life-science.at das erste Mal online gegangen — jetzt steht ein umfassender Relaunch der Webseite bevor. „life-science.at soll zu der Drehscheibe für Unternehmen, Universitäten und Akademiker der Naturwissenschaften werden, wenn es um Fragen der beruflichen Entwicklung geht“, fasst Zechner ihre Pläne für die Zukunft zusammen. Und auch die Spezialmesse für Forschung, Karriere und Innovation, die „life-science-success, die bereits fest im Bewusstsein der Unternehmen verankert ist, soll zu einer nicht mehr wegzudenkenden Veranstaltung der Life-Science-Szene werden. Sie findet am 21. Juni 2006 das nächste Mal statt.

(Mai 2006.)


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