Training für die Rückkehr nach Hause

Dr. Karin Schreiner, MA

Viele, die nach einigen Jahren im Ausland wieder in die Heimat zurückkommen, haben mit Problemen und Frustrationen zu kämpfen – Vorbereitende Workshops helfen beim kulturellen Wiederanpassungs-Prozess

Alles sollte bestens sein, und doch ist es nicht so. Man hat sein Studium in Österreich abgeschlossen und danach einige Jahre im Ausland Arbeitserfahrung gesammelt, ganz wie es die Karriere-Ratgeber vorschreiben. Jetzt hat man in der Heimat einen Job gefunden und ist endlich wieder zu Hause. Die Erfüllung eines Traums – doch der Traum verdüstert sich, nachdem die erste Anfangseuphorie des Wieder-zu-Hause-Seins verflogen ist.

Hohe Verluste bei Gleichgültigkeit

„Es gibt Untersuchungen, die belegen, dass 23 Prozent der Angestellten, die ein Unternehmen für ein paar Jahre ins Ausland geschickt hat, und die nach diesem Auslandsaufenthalt wieder an ihrem Ursprungsort weiterarbeiten, ihr Unternehmen binnen eines Jahres verlassen“, erzählt Dr. Karin Schreiner. Sie arbeitet seit 2004 als Intercultural Consultant.

Fragen, mit denen Schreiner sich beschäftigt, kreisen um „cultural awareness“, „interkulturelle Kompetenzen“ und „kulturelle Identität“. Wer meint, dass diese Bereiche wie der Feuilleton-Teil einer Zeitung sind, den man lesen kann, aber nicht unbedingt muss, irrt sich. Denn von der eigenen, ehrlichen Beschäftigung damit hängt ab, ob der Wechsel von einem Land in ein anderes positiv verläuft — oder eben nicht. Und hierzu gehört auch die Rückkehr in die Heimat, wenn man ihr länger fern war.

Wenn man vom hohen Ross der idealisierten Heimat stürzt

Zu Schwierigkeiten kommt es, erklärt Schreiner, weil die Betroffenen sich zu wenig vorbereiten. „Schon innerhalb von zwei oder drei Jahren der Abwesenheit hat sich zu Hause meistens sehr viel verändert, im privaten wie im gesellschaftlichen Bereich. Und vor allem hat man sich selber verändert, hat neue Kompetenzen erworben, besondere Erfahrungen gemacht, aber auch neue Verhaltensweisen angenommen. Die Situation ist nicht mehr dieselbe wie vor dem Weggang. Man selber neigt dazu, die Heimat zu idealisieren, wenn man ihr länger fern ist, und ist dann oft enttäuscht, wenn sie diesen überhohen Erwartungen nicht entspricht. Umgekehrt wünschen sich diejenigen, die einen wieder aufnehmen, dass man ‚der Alte’ geblieben ist.“

Das Problem bei der Rückkehr nach einem längeren Auslandsaufenthalt besteht darin, dass die Ursachen für häufig auftretende Frustrationen im Unbewussten liegen. Gerade WissenschaftlerInnen, meint Schreiner, neigen dazu, ihre wissenschaftlich-positivistische Herangehensweise auf das gesamte Leben zu übertragen. Dem von ihr so genannten „umgekehrten Kulturschock“ oder Rückkehr-Schock kann man aber nur durch gezielte Vorbereitung, sich Einstimmen auf die Heimat und durch Reflexion der Erwartungen sowie der eigenen Veränderungen begegnen.

Veränderungen zurückverändern? 

„Die anderen haben sich verändert, und man selbst hat sich verändert. Diese Veränderungen kann man nicht schmälern. Aber man kann sie bewusst machen“, sagt Schreiner und benennt so den Bereich, an dem ihre Arbeit ansetzt. Ein Workshop von einem Tag, durchgeführt ein halbes oder ein Jahr vor der Rückkehr in die Heimat, kann ausreichen, um diesen Prozess der Bewusstwerdung rechtzeitig zu starten. „Teil davon ist, dass ich mir darüber klar werde, dass ich viel kommunizieren muss.“

Gespräche mit dem zukünftigen Arbeitgeber etwa helfen dabei, sicherzustellen, dass man die im Ausland erworbenen Kompetenzen auch im Job einsetzen kann — was Frustrationen vorbeugt. Im Privaten hilft es, klare Vorstellungen und konkrete Zielsetzungen für den neuen Lebensabschnitt zu formulieren, der mit der Rückkehr beginnt, und zusammen mit anderen Pläne zu machen.

„Man leidet“

Schreiner arbeitet nicht zufällig in diesem Bereich. „Ich war selber 16 Jahre im Ausland, in Prag, Neu-Delhi, Brüssel und Helsinki. Nach meiner Rückkehr nach Wien, wo ich geboren bin, habe ich mich sehr fremd gefühlt. Und das ist ein Gefühl, an dem man wirklich leidet. Ich habe mich dann beruflich neu orientiert, was viel von diesen Schwierigkeiten abgefangen hat. Trotzdem hat es ein halbes Jahr gedauert, bis ich wieder richtig integriert war.“

Sie absolvierte einen Master-Lehrgang in „Interkulturelle Kompetenzen“ an der Donau-Universität Krems und verlagerte sich auf die Betreuung von MitarbeiterInnen von Unternehmen, die für eine Zeit lang ins Ausland – nach Österreich – versetzt werden, und deren mit ausreisende PartnerInnen. Inzwischen hat Schreiner auch die Rückkehr von ÖsterreicherInnen in die Heimat nach einigen Jahren im Ausland in ihr Consulting-Portfolio mit aufgenommen.

Der Code, mit dem Österreich unbewusst kommuniziert

Was aber ist es nun eigentlich, was Österreich ausmacht – woran Neuankömmlinge sich gewöhnen und Rückkehrende wieder gewöhnen müssen? „Kulturelle Identität ist etwas, das sich über Kommunikationsstile und Verhaltenscodes definiert“, antwortet Schreiner. „Diese werden von der jeweiligen Gruppe – etwa den Österreichern – unbewusst angenommen. In Österreich ist ein bestimmtes Gefühl für Geschichte und Tradition wichtig, oder auch die besondere Art, Dinge anzusprechen – diese wird anderswo oft als umständlich und indirekt wahrgenommen. Dazu gehört auch ein bestimmtes Gefühl oder Verständnis von Gemütlichkeit, etwa das Bild vom Wiener Kaffeehaus, in dem man stundenlang sitzen kann, das vermissen viele Auslandsösterreicher besonders stark. Auf gesellschaftspolitischer Ebene ist zum Beispiel wesentlich, dass in Österreich die ökologische Bewegung eine große Rolle spielt, dass den Leuten alles sehr am Herzen liegt, was mit Natur und Umwelt zusammenhängt.“

Bindeglied brainpower

Als entscheidend für das geglückte Wechseln in ein anderes Land oder für die frustrationsfreie Rückkehr nach längerer Abwesenheit sieht Schreiner an, ob es dem Individuum gelingt, eine Bindung zu den anderen Individuen aufzubauen, mit denen es zusammenlebt — bei der Arbeit und im Privaten. „Deshalb sind Initiativen wie brainpower austria auch so wichtig, denn diese bemühen sich, Bindungen aufzubauen und zu erhalten. Und das ist etwas, das viele Unternehmen, die ihre Mitarbeiter ins Ausland schicken, immer noch viel zu stark verabsäumen.“

Weitere Informationen erhalten Sie unter www.interculturalknowhow.at oder direkt von Dr. Karin Schreiner, MA unter:mailto:karin.schreiner@interculturalknowhow.at
(Mai 2006.)


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