Das Potential von Hunderttausenden nutzen

Logo Oesterreichische Gesellschaft fuer ExilforschungDie Österreichische Gesellschaft für Exilforschung (öge) stellt Kontakte zwischen Österreich und jenen Menschen her, die ihre Heimat im 20. Jahrhundert verlassen mussten – und ihren Kindern und Kindeskindern

Niemand weiß wirklich, welchen intellektuellen Verlust Österreich im 20. Jahrhundert infolge politischer und rassistischer Verfolgung erlitten hat. „Man schätzt, dass circa jede/r Vierzigste vertrieben wurde“, sagt Dr. Sandra Wiesinger-Stock, Geschäftsführerin der seit 2002 bestehenden Österreichischen Gesellschaft für Exilforschung.

Viele Tausende Menschen mussten aufgrund der nationalsozialistischen Verfolgung das Land verlassen, mit der zweiten und dritten Generation umfasst das Exil aus Österreich Hunderttausende. Die Kinder und Kindeskinder derjenigen, die in fremden Ländern vollkommen neu anfangen mussten und dort oft Beachtliches aufbauten, sind zwar keine Österreicherinnen und Österreicher mehr. Aber sie sind durch ihre Herkunft mit Österreich verbunden, an dem sie Anteil haben, obwohl es ihnen mitunter heute doch fremd ist.

Die Gesellschaft für Exilforschung bemerkt zunehmend ein großes Bedürfnis bei den ExilantInnen und deren Nachkommen, mit Österreich wieder in Kontakt zu treten. Sie baut ihnen mit ihrer Arbeit Brücken zur ehemaligen Heimat. „Exilant sein bedeutet, zu Österreich in einem Spannungsverhältnis zu stehen, das nicht immer auflösbar, aber produktiv ist“, sagt Dr. Konstantin Kaiser, Präsident der unabhängigen Initiative.

Neben der Aufarbeitung und Präsentation einzelner Biografien ist für Wiesinger-Stock und Kaiser wichtig, mit Konferenzen, Symposien, Kolloquien, Lesungen und Ausstellungen – sowie großen öffentlichen Veranstaltungsreihen wie der Wiener Akademie des Exils im Arnold Schönberg Center – zu zeigen, welches Potential an Wissen und Kultur aus Österreich sich jenseits der Landesgrenzen befindet. Zu all diesen Veranstaltungen lädt die öge internationale ExpertInnen und ZeitzeugInnen ein.

Nicht nur so bedeutende Forschungszweige wie die Psychoanalyse verloren während des Zweiten Weltkriegs ihre besten Köpfe, auch die erkenntniskritische Philosophie, die Radiologie, die Endokrinologie und andere Bereiche der Hormonforschung wanderten damals beispielsweise als nahezu komplette Institute aus. Deshalb ist es auch im Sinne des Forschungs- und Innovationsstandorts Österreich, mit den ExilantInnen – und auch ihren Kindern und Enkeln, die z.B. teilweise wieder sehr erfolgreiche WissenschaftlerInnen wurden – in Kontakt und Austausch zu treten.

Für die Zukunft hat sich die Österreichische Gesellschaft für Exilforschung neben der Generierung einer eigenen Online-Datenbank vorgenommen, die vielen weltweit bestehenden wissenschaftlichen Forschungseinrichtungen und Archive sowie Organisationen von Exil-ÖsterreicherInnen und ihre Datenbanken miteinander zu vernetzen, um die Suche nach einzelnen Vertriebenen und ihren Biografien zu erleichtern. User- und Dialogforen sollen zusätzlich bei Anfragen und der Wiederherstellung von Kontakten nach Österreich helfen.

Weitere Informationen zur Österreichischen Gesellschaft für Exilforschung finden Sie unter www.exilforschung.ac.at.

Wenn Sie weitere Informationen wünschen, dann kontaktieren Sie bitte Dr. Sandra Wiesinger-Stock.

(April 2006.)


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