Gespräch mit Prof. Mary Walshok von Connect

Bild Mary Walshok

Die Gründerin von Connect über Asien und Österreich

„Was Indien und China betrifft, bin ich nicht besonders nervös“, sagt Prof. Mary Walshok, die in der Region San Diego eine der weltweit erfolgreichsten Initiativen zur Untersützung von Gründungen innovativer Firmen verantwortet. „Der Aufstieg Asiens bedeutet eine Chance, keine Bedrohung.“

In den 1980ern war das Wirtschaftswachstum Kaliforniens – wie das der ganzen USA – im Schrumpfen begriffen. San Diego hing als Region stark von der Verteidigungsindustrie ab, die sich zu diesem Zeitpunkt in einer Krise befand. Geschäftsleute – hauptsächlich VertreterInnen aus der Industrie – berieten sich mit der University of California, was gegen die steigende Arbeitslosigkeit zu tun sei. Dies war die Geburtsstunde von Connect.

„Die Lösung bestand darin, die Gründung von Technologie- und Biotech-Firmen zu fördern, indem wir regional economy clusters bildeten. Die Community der traditionellen Geschäftsleute musste mit der Community der Wissenschaftler zusammengebracht werden, die unternehmerisch denken können. Jetzt, 25 Jahre später, haben wir Hunderte von Life-Science-, Telekommunikations- und Software-Firmen“, erzählt Walshok. 

Think globally, act regionally

Vor vier Jahren gründete sie Global Connect, ein weltweites Netzwerk der Regionen. Dies hat die Globalisierung erforderlich gemacht. Um innovative Firmen bei sich ‚heranzuzüchten’, braucht jede Region mittlerweile strategische Partner, die über die ganze Welt verteilt sind. Die neue Initiative (bislang sind 42 Regionen etwa aus den USA, Kanada, Schweden, Großbritannien, Taiwan, Neuseeland oder Mexiko im Boot) hilft dabei, ein Gegenüber zu finden, mit dem man zusammen zu einem schnelleren Erfolg kommt.

Walshok setzt nicht darauf, große Player zur Ansiedlung zu bewegen. „Innovation kommt von kleinen Unternehmen. Etablierte Riesen wie Merck, Nokia oder Motorola gehen dahin, wo es viele kleine Firmen gibt, die innovativ sind. Deshalb ist es für jede Region so wichtig, solche innovative Unternehmen hervorzubringen.“

Der Drache an der Kette

Aus diesem Grund sieht die Connect-Gründerin den Aufstieg Asiens gelassen. „Gerade China wird es schwer haben“, meint sie, denn das gesellschaftspolitische Klima im Land der Mitte sei dem Hervorbringen und Heranwachsen kleiner, innovativer Unternehmen nicht förderlich. WissenschaftlerInnen, die unternehmerisch denken können, sind ihrer Auffassung nach etwas Seltenes, und auf diese kommt es hierbei an. „Man muss diesen besonderen Persönlichkeiten und der Freiheit ihres Denkens vertrauen, man muss Anreize dafür schaffen, dass sie ein Risiko eingehen“ – etwa eine Unternehmensgründung.

China ist für Walshok stark in der Herstellung von Gütern. Aber für das Wirken ihrer schlichten Formel „invention leads to innovation“ sieht sie die Voraussetzungen nur unzureichend gegeben. „Unternehmerisches Denken kann man nicht von oben anleiten oder steuern. Es wird von Individuen hervorgebracht. Der Staat kann hierfür nur möglichst gute Voraussetzungen schaffen, indem er Produktionsstätten und Labore finanziert oder auf Steuern verzichtet.“

Die Kleinen sind die Schönen

Einen Gegensatz zwischen Freiheit und Bürokratie sieht die Professorin aus Kalifornien – wenn auch stark abgemildert – ebenfalls für Europa gegeben. In der EU ortet sie ein Zuviel an staatlicher Intervention – an Versuchen, Innovation zu steuern anstatt Geld einzelnen Leuten anzuvertrauen. Auf die Chancen Österreichs angesprochen, stellt sie einen Vergleich zu ihrer Heimat an.

„In Kalifornien haben wir damals mit Connect geschafft, was in den USA nicht möglich war. Kalifornien ist eine bedeutende Wirtschaftsmacht, im Vergleich zum Rest des Landes jedoch klein. Und in der neuen Zeit, in die wir nun mit der Globalisierung eingetreten sind, ist ‚small’ gleichzusetzen mit ‚beautiful’. Denn die Kleinen können flexibel sein. Ich bin überzeugt davon, dass Österreich im Bereich Innovation extrem erfolgreich sein kann, wenn es schafft, in der EU das zu werden, was Kalifornien in den USA war.“

Österreichischen UnternehmerInnen im Innovationsbereich empfiehlt sie ganz im Sinn der Global-Connect-Philosophie, möglichst früh internationale strategische Allianzen aufzubauen. „Ein Catering- oder ein Bauunternehmen arbeitet lokal, aber kein IT- oder Pharma- oder Biotech-Unternehmen mehr. Früher war das möglich, da hat man ein Produkt auf den Markt gebracht, und wenn es sich regional bewährt hatte, ging man damit nach draußen. Heutzutage muss man schon während der Entwicklungsphase eines Produkts international denken – am besten schon dann, wenn man sich noch in der allerersten Konzeptphase befindet.“ 

(November 2006.)


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