Ein Fünftel aller StipendiatInnen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) forscht im Ausland. „Wir stehen am Anfang einer Entwicklung, die eine Flexibilität der Positionen im wissenschaftlichen Leben fördert und fordert“, sagt Prof. Peter Schuster, Präsident der ÖAW.
Seiner Auffassung nach ist Mobilität etwas, dem sich junge ForscherInnen möglichst früh öffnen sollten, um auf dem internationalen F&E-Markt konkurrenzfähig zu sein. Die ÖAW hat ihre Stipendienprogramme diesen Erfordernissen angepasst. Schon bei der Vergabe der Doktoratsstipendien wird darauf geachtet, dass die BewerberInnen ihr Forschungsprojekt sowohl im In- als auch im Ausland durchführen.
Einmal im Ausland immer im Ausland?
„Früher war unser Karrieresystem in Österreich eher mobilitätsfeindlich“, so Schuster. „Wer am Ort blieb, hatte die besseren Chancen. Leider galt dies auch für die Berufungspolitik an den Universitäten. Doch mittlerweile wird bei Bewerbern auf internationale Erfahrung geachtet.“
Unterm Strich geht die Rechnung nicht auf
Es ist im Sinne der Akademie, dass ÖsterreicherInnen im Ausland Karriere machen, und dass qualifizierte WissenschaftlerInnen aus den verschiedensten Regionen der Welt „zu uns“ kommen. Aber: „Die Bilanz muss stimmen.“ Und das tut sie nicht. Zu viele gehen weg, und zu wenige kommen. Hierfür sieht der ÖAW-Präsident zwei Gründe:
„Da ist die frühe Selbstständigkeit, über die man als junger Forscher etwa in den USA verfügt. Nach Abschluss des Postdoc-Projekts ist man unabhängig und hat keinen übergeordneten Chef vor sich, hinter dem man nicht sichtbar wird. Und zum anderen fehlen in Österreich – anders als in den USA – Stellen als Programmleiter für die Periode zwischen Postdoc-Abschluss und der Berufung zum Professor. In Deutschland hat sich da in den letzten Jahren mehr getan – das kann ich besonders für mein Spezialgebiet, die Bioinformatik mit Fokus auf klinische Anwendungen, sagen. Wir benötigen mehr Stellen vor der Professur, bei denen zwei Fähigkeiten gefordert sind: erfolgreiche Forschungsarbeit und die Fähigkeit zum Leiten von Gruppen.“
In Netzwerke hineinwachsen...
Um den Anschluss an die Heimat nicht zu verlieren, während man in der Ferne reüssiert, rät Schuster den NachwuchsforscherInnen, sich in bestehende Netzwerke „hineinzuintegrieren“. „Es ist wichtig, sich Kontakte in beide Richtungen aufzubauen, also Brücken zu schlagen, zwischen der Heimatinstitution und den Instituten im Ausland, mit denen Kooperationen bestehen.“ In diese dynamischen Netzwerke hineinzuwachsen erfordere ein hohes Maß an Mobilität. Deswegen wünscht sich die Akademie auch von den MentorInnen, dass sie die jungen Talente darin bestärkt, flexibel zu sein.
Ein Netzwerk dieser Art baut die ÖAW nun selbst auf. Vor kurzem hat sich ein Alumni-Club von ehemaligen StipendiatInnen gebildet, zu dem – nach einem ersten Call – bereits 200 Ehemalige gehören. Die ExpertInnen, die in den verschiedensten Bereichen in den verschiedensten Ländern Karriere gemacht haben, verfügen durch ihren Zusammenschluss über professionelle Verbindungen quer über die Welt – und wissen, welche Institute für welche Forschungsvorhaben aktuell die besten sind.
...um für die Zukunft gerüstet zu sein
Mobilität und Flexibilität stehen erst am Beginn eines Prozesses, in dem sie ihre volle Bedeutung entfalten, ist Schuster überzeugt. Dabei denkt er an die Konkurrenz, die den etablierten wirtschaftlich erfolgreichen Ländern aus Asien und Südamerika erwächst. Dies gilt nicht nur für ForscherInnen, sondern auch für Einrichtungen wie die Akademie der Wissenschaften selbst.
„Andere Forschungsträger haben da rascher reagiert als wir. Die Max-Planck-Gesellschaft hat zum Beispiel in Shanghai zusammen mit der Chinesischen Akademie der Wissenschaften bereits ein Partnerinstitut gegründet. Wir sind in dieser Richtung auch aktiv, aber noch nicht auf diesem vollintegrierten Niveau.“
Den Herausforderer nicht bekämpfen, sondern einbinden
Auch durch Südamerika – Länder wie Brasilien, Argentinien, Chile und Mexiko – sieht Schuster die Länder Europas herausgefordert. „Österreich war in den vergangenen Jahren sehr erfolgreich dabei, sich auf die unmittelbaren Nachbarländer zu konzentrieren. Hierbei wurde viel erreicht – doch sind diese Länder kleine Länder, wenn man die ganze Welt als Maßstab nimmt. Wir müssen darauf achten, dass wir nicht den Anschluss an die USA verlieren, die sich sehr geschickt verhalten. Als in Russland nach dem Zusammenbruch des Kommunismus eine große Auswanderungswelle einsetzte, hat man sofort reagiert und Spitzenkräften Doppelpositionen in ihrer Heimat und in den USA angeboten. Und auch jetzt hat man sofort damit angefangen, auf die erfolgreichen Leute in China zuzugehen.“
Mit sechs Stipendienprogrammen fördert die ÖAW hochqualifizierte österreichische NachwuchsforscherInnen im In- und Ausland
APART [Austrian Programme for Advanced Research and Technology]: Fortgeschrittenes PostDoc-Programm
MAX KADE [Programm der Max Kade-Foundation]: PostDoc-Programm für Forschungsaufenthalte in den USA
DOC [Doktorand(inn)enprogramm der Österreichischen Akademie der Wissenschaften] und
DOC-FFORTE [Frauen in Forschung und Technologie]: zur Erarbeitung der Dissertation
DOC-team [Doktorand(inn)engruppen für disziplinenübergreifende Arbeiten in den Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften]: zur Erarbeitung der Dissertation
ROM [Stipendien des bm:bwk am Historischen Institut beim Österreichischen Kulturforum]:Förderung von Forschungsaufenthalten in Rom
Informationen zu den Stipendienprogrammen und Bewerbungsunterlagen erhalten Sie hier.
Kontakt
Dr. Lottelis Moser
Österreichische Akademie der Wissenschaften
Abteilung für Stipendien & Preise
Dr. Ignaz Seipel-Platz 2
1010 Wien
T +43 1 51581-1207
(Dezember 2006.)