Austrian Science Talk 2006, 23. September, New York

Im Fokus: "Defining excellence in industry, research and science in a globalized world"

Rund 100 in Nordamerika forschende WissenschafterInnen folgten der Einladung von brainpower zum Austrian Science Talk am 23. September in New York City.

Eine hochrangige Delegation aus Österreich informierte die TeilnehmerInnen aus erster Hand über die aktuellsten Entwicklungen am heimischen Innovationsstandort zum Thema Exzellenzförderung.

Zusammen aktiv für WissenschaftlerInnen im Ausland

Mag. Ingolf Schädler vom Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie begrüßte als Delegationsleiter und Auftraggeber des Programms brainpower austria die große TeilnehmerInnenrunde, den in Vertretung der österreichischen Botschafterin (Dr. Eva Nowotny) anwesenden Wissenschaftsattache Dr. Philipp Steger und die österreichische Generalkonsulin in New York, Dr. Brigitta Blaha. Sehr erfreut zeigte er sich über das große Interesse der österreichischen ForscherInnen in den USA an der Veranstaltung.

Die notwendigen Schritte sind gesetzt...

Die Vormittagsgespräche standen ganz im Zeichen der universitären Landschaft. Prof. Christoph Badelt, Präsident der österreichischen Rektorenkonferenz und Prof. Günter Bonn, stellvertretender Vorsitzender des Rats für FTE, legten dar, welche Schritte aktuell unternommen wurden, um im heimischen Universitäts-System Exzellenz zu fördern.

...doch die Karrierewege sind noch "verstopft"

Die beiden Vortragenden beschönigten dabei nicht die noch existierenden Probleme. Bonn sprach von einem nach wie vor nicht leistungsorientierten System an den Unis und Badelt von "verstopften Karrierewegen". Er fügte an: "Im Augenblick gibt es eine Wissenschaftlergeneration, der aufgrund von Fehlern in der Vergangenheit die Chancen genommen werden."

Von der Generation Praktikum zur Generation Exodus?

"Mich stört dieses Abfinden mit Gegebenem", sagte Eva Schernhammer, Krebsforscherin in Harvard und Präsidentin des Netzwerks ASCINA (Austrian Scientists & Scholars in North America). Sie gab zu Bedenken, dass exzellente ForscherInnen, die in die USA gegangen sind, derzeit oft noch vergeblich auf gute Chancen zu Hause warten - insbesondere Frauen. "Wir hören immer wieder, wir seien die Generation, die Pech gehabt hat", sagte Schernhammer. "Viele würden gerne zurück, aber es fehlen die Möglichkeiten."

Nach wie vor Unterschiede spürbar: USA - Österreich

Diese Einschätzung wurde auch in vielen Diskussionsbeiträgen aus dem Publikum geteilt, wenn die TeilnehmerInnen die Bemühungen, Exzellenz stärker zu fördern, auch sehr begrüßten. "An US-Hochschulen gibt man den jungen Wissenschaftlern das Gefühl, ihr seid die Zukunft dieser Universität. Diesen Eindruck habe ich in Österreich nicht", sagte Dr. Philipp Schnabl, Ökonom an der Harvard University. Andere Wortmeldungen erzählten von "der hervorragenden Ausbildung in Österreich, die genau beim Doktorat endet".

Lösungswege aus der Wirtschaft?

Dr. Gerhard Riemer, Bereichsleiter für Bildung und Forschung in der Industriellenvereinigung, griff die geäußerten Bedenken auf und hob das Bestreben und die Notwendigkeit der Wirtschaft hervor, exzellenten Nachwuchs zu fördern: "Dies ist uns ein zentrales Anliegen, denn die Anspannung am österreichischen Arbeitsmarkt in F&E hat seit 2003 weiter zugenommen, es bestehen zum Teil dramatische Engpässe an Technikern in bestimmten Disziplinen." Riemer bezog sich hierbei auf eine neue, noch unveröffentlichte Studie, der zu folge es in der Wirtschaft an hochqualifizierten jungen FoscherInnen mangelt.

DI Anton Plimon von arsenal research zeigte in seiner Präsentation, wie die Bemühungen, Exzellenz zum Leitthema zu machen, konkret umgesetzt werden können. Stellen mit "Pragmatisierungscharakter" wurden in eigenverantwortliche Positionen umgewandelt.

Back to Austria?

Die Nachmittagsdiskussionen kreisten um das Thema Exzellenz in der Industrie. DI Helmut Wieser, bei Aluminiumhersteller Alcoa für 30.000 MitarbeiterInnen verantwortlich, konnte von einem beeindruckenden Unternehmerweg von Steyr über Madrid und Russland in die USA berichten. DI Franz Viehböck, erster österreichischer Astronaut, erzählte von seiner Rückkehr nach Berndorf. "Die Gründe hierfür sind vor allem familiärer Natur. Aber ich kann Ihnen sagen, dass es in Österreich interessante Unternehmen gibt, in denen man viel bewegen kann", sagte er. 

Exzellenz als Überlebensstrategie

DI Helmut Leopold von der Telekom Austria berichtete, wie innovativ ein - für österreichische Verhältnisse - sehr großes Unternehmen sein muss, das weiß, dass in wenigen Jahren seine Lebensgrundlage verschwinden wird: die bezahlte Minute pro Telefongespräch. "Für mich beschäftigt sich Innovation mit dem Erzeugen von neuem Nutzen für den Kunden und dem Finden von Wegen, um Nutzen zu generieren." Und Dr. Christian Kesberg, neuer österreichischer Handelsdelegierter in New York, stellte vor, was seine Organisation für im Ausland tätige ÖsterreicherInnen mit spannenden Geschäftsideen tun kann.

Ausbau der Angebote für ForscherInnen im Ausland

Die Programmverantwortliche für brainpower austria, Gertraud Oberzaucher, berichtete zum Abschluss des Events über neue Services der Initiative. Die seit 2004 regelmäßig in den USA stattfindenden Austrian Science Talks dienen auch dazu, sich vor Ort intensiv mit den Bedürfnissen der ForscherInnen im Ausland auseinanderzusetzen, als ihr Sprachrohr in die Heimat zu fungieren und für sie maßgeschneiderte Leistungspakete zu schnüren.

Neben dem 80-Prozent-Reisekostenzuschuss (Interview Grant) für Vorstellungsgespräche in Österreich soll es ab 2007 auch eine Erstattung von Reise- und Aufenthaltskosten (Travel Grants) für ForscherInnen aus dem brainpower-austria-Netzwerk für Vorträge und die Teilnahme an Podiumsdiskussionen in Österreich geben.

Das bisher auf die Austrian Research Centers (ARC) beschränkte Stipendienprogramm wird auf die Forschung Austria (Dachverband von ARC, Joanneum Research, Austrian Cooperative Research u.a.) ausgeweitet. Und InteressentInnen, die bei ihrer Jobsuche von brainpower austria betreut wurden, können einen Zuschuss in Höhe von bis zu 1.000 Euro für Ihren Umzug nach Österreich (Relocation Grant) erhalten. 

     
   
  >> RednerInnen  
     


(September 2006.)


Ein Programm desbmvitBundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie        Durchgeführt von derFFG