Im Portrait: Dipl.- Ing. Ruth Tinnacher

Vom Mädchengymnasium in die Welt der Naturwissenschaften

In einem Mädchengymnasium aufgewachsen, beschloss DI Ruth Tinnacher nach der Matura, in die Welt der Naturwissenschaften einzutauchen. Physik, Chemie, Mathematik und Informatik interessierten sie schon während der Schulzeit. Zwei Gründe waren für Ruth Tinnacher schließlich ausschlaggebend dafür, an der Montanuniversität Leoben das Studium des Industriellen Umweltschutzes zu beginnen. Auf der einen Seite interessierte sie die Möglichkeit, mehrere Disziplinen miteinander zu verbinden, was die Arbeit sehr spannend gestaltet; auf der anderen, richtungsweisende Lösungen für Umweltprobleme zu finden.

Während eines Auslandaufenthaltes an der Colorado School of Mines (CSM) stieß sie durch Zufall auf das Spezialgebiet der Umweltradiochemie. Heute arbeitet sie im Laboratory for Applied and Environmental Radiochemistry mit, das sich mit der Ausbreitung von radioaktiven Schadstoffen wie Uran und Plutonium in Böden und gesättigten Gewässern auseinandersetzt. Auch hier kann sie Interessensgebiete aus Geochemie, Hydrogeologie und computertechnische Modellierung miteinander verbinden.

Wissenschaftliche Neugier, Hartnäckigkeit und Ausdauer

Trotz der Tatsache, dass sie während des Studiums in Österreich das Gefühl hatte, sich vor ihren männlichen Kollegen erst beweisen zu müssen, bevor sie fachlich anerkannt wurde, hat Ruth Tinnacher keine Angst, große Fragen zu stellen: „Ich versuche immer, den Dingen auf den Grund zu gehen, und gebe ungern auf, bevor ich eine Lösung gefunden habe. Diese Hartnäckigkeit ist leider im heutigen Forschungszeitalter, das oft schnelle und vorhersehbare Ergebnisse fordert, nicht immer von Vorteil.“ Eine 50- bis 60-Stunden-Woche ist bei ihr keine Seltenheit.

Ausgleich sucht sie im Sport und in der Natur, aber auch im Freundeskreis, den sie sich außerhalb der Forschungswelt aufgebaut hat. „Der Erfolg oder Misserfolg von Forschungsarbeit kann sehr schnell persönlich werden, und da bin ich dann froh, wenn mich meine Freunde wieder auf den Boden der Realität zurückholen.“

Der Mix, der eine(n) gute(n) ForscherIn ausmacht

Ein ganz faszinierendes Gefühl wird in Ruth Tinnacher wach, wenn sie sich bewusst macht, dass „das, was ich hier untersuche, neu ist und noch nie gemacht wurde.“ Ihr Ziel ist es, die Welt besser verstehen zu lernen, neue Dinge zu entwickeln oder alte Probleme zu lösen.

Ursprünglich wollte sie nach einem Auslandssemester in Colorado wieder nach Österreich zurückkehren. Aber die Möglichkeit, ihre Diplomarbeit und auch noch die Dissertation an der CSM zu schreiben, waren die Hauptgründe, in den USA zu bleiben. Auch das unkonventionelle, wenig hierarchische Arbeitsumfeld und die Internationalität der KollegInnen gefielen ihr.

Forschungskontakte zu Österreich durch brainpower austria

Private Kontakte nach Österreich ergeben sich durch Familie und Freunde. Über die Österreichische Akademie der Wissenschaften hat Ruth Tinnacher von brainpower austria erfahren. Ihr Wunsch ist es, über diese Institution kontinuierlich Forschungskontakte in Österreich aufzubauen, und so einen regen Austausch mit anderen Wissenschaftern zu bekommen. Eine Rückkehr nach Europa in ein paar Jahren ist für sie durchaus denkbar, und brainpower austria unterstützt Vorhaben dieser Art sehr gerne.


Ein Programm desbmvitBundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie        Durchgeführt von derFFG