Von Nabelschnüren und Abwehrreaktionen
Die Pharmazeutin und Medizinerin Dr. Edda Fiebiger ist eine Spezialistin für Abwehrreaktionen: In ihrem Labor erforscht sie die Mechanismen im menschlichen Körper, die während einer Lebensmittelallergie entstehen. Aber auf ihrem Karriereweg, der sie zu ihrem momentanen Job als Assistant Professor in Pediatrics an die renommierte Harvard Medical School in Boston geführt hat, ist sie auch schon anderen Abwehrreaktionen begegnet:
„Auch in den USA ist die Wissenschaft sehr männlich dominiert. Am Anfang dachte ich, dass das System in Amerika viel offener und weniger hierarchisch ist als in Europa, aber mittlerweile revidiere ich da vieles,“ sagt die gebürtige Steyrerin, aber es klingt alles andere als larmoyant.
Preis für die beste medizinische Habilitation in Österreich
Dazu hat die zweifache Mutter, die sich 2005 an der Universität Wien habilitierte, auch gar keine Zeit und erst recht keinen Grund. 2006 erhielt sie für ihre wissenschaftliche Arbeit gleich zwei wichtige Preise: den Children's Hospital Boston Faculty Career Development Award und den Otto-Kraupp-Preis für die beste medizinische Habilitation in Österreich.
Nicht zuletzt deswegen wurde Edda Fiebiger im April des heurigen Jahres dann auch im Rahmen von FEMtech (eines Programms zur Förderung von Frauen in Forschung und Technologie des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie) zur „Expertin des Monats“ gewählt.
Forschung zu Nahrungsmittelallergien bei Kindern
Mit ihrer Arbeitsgruppe am Children’s Hospital in Boston forscht sie derzeit im Bereich der Nahrungsmittelallergien bei Kindern, die in den reichen Industrieländern, allen voran die Vereinigten Staaten, ständig zunehmen. Der Grund dafür ist allerdings immer noch nicht hinreichend erforscht.
Edda Fiebiger und ihre KollegInnen verwenden für ihre Arbeit im Labor hauptsächlich zellbiologische Modelle, da sich das menschliche Immunsystem stark von demjenigen von Labortieren unterscheidet, etwa von dem einer Maus. Dabei werden die zellulären Mechanismen der menschlichen Immunantwort präzise studiert.
Von der Forschung in die Praxis und zurück
„Ursprünglich wollte ich Medizin studieren, doch mir war sehr bald klar, dass ich eher in die biomedizinische Forschung gehen will, und dann habe ich mit Pharmazie angefangen,“ erzählt Edda Fiebiger.
Doch nach ihrer Doktorarbeit, die sie im Bereich Immundermatologie an der Universität Wien schrieb, ging sie zunächst für eineinhalb Jahre in die Praxis und arbeitete als Apothekerin in Wien, bevor wie sie sich wieder der Forschung zuwandte. Ein Schritt, den sie bis heute nicht bereut: „Ich habe gelernt, was für einen limitierten Blick auf die Welt man in einem Labor auf der Universität bekommt im Vergleich zur täglichen Arbeit im 16. Bezirk. Da sieht man doch viele wirklich kranke Leute.“
1999 erhielt sie ein PostDoc-Stipendium an der medizinischen Fakultät in Wien und schaffte im Jahr 2000 den Sprung nach Übersee zur Harvard Medical School.
Gelassenheit auf dem Spielplatz
Mittlerweile ist Edda Fiebiger mit einem Amerikaner verheiratet und hat eine Familie gegründet. Der Nachwuchs sorgt dafür, dass sich die Perspektive nicht allzu sehr auf das Labor verengt: „Während man eine Schaukel auf dem Spielplatz anschiebt, sehen die misslungen Experimente oft weniger tragisch aus. Das war eine eigenwillige Erkenntnis für mich,“ lacht sie.
Und obwohl sie in Amerika zurzeit ihre berufliche Heimat gefunden hat, würde sie ein attraktives Stellenangebot aus Österreich auf jeden Fall reizen, denn: „Ich bin zu spät ausgewandert, um mich in die amerikanische Gesellschaft völlig ohne Heimweh zu integrieren.“
Die Nabelschnur zur Heimat nicht reißen lassen
Deswegen ist ihr auch die Verbindung zu Ihrer Heimat-Universität in Wien, die sie selbst als „Nabelschnur“ bezeichnet, sehr wichtig. Sie hält dort Vorlesungen oder besucht Veranstaltungen, um im Austausch mit ihren ehemaligen BetreuerInnen zu bleiben.
Dabei hilft auch das Programm brainpower austria, das Edda Fiebiger im Dezember letzten Jahres mit einem Travel Grant unterstützte, um ihre Teilnahme an einem Informations- und Networkingevent in Wien zu ermöglichen - damit die Nabelschnur zur Heimat nicht reißt.