Im Portrait: Brian Godsey, MAS

Ein Mathematiker aus der Neuen Welt
Häufig zieht es viele WissenschaftlerInnen in den Westen, Richtung Großbritannien oder in die Vereinigten Staaten. Doch ein junger Mathematiker wählte Anfang des heurigen Jahres die entgegensetzte Richtung: Brian Godsey aus Ohio, USA, tauschte die Weiten des Mittleren Westens mit der Stadt Wien in „Old Europe“.
Seit März arbeitet und forscht der Amerikaner im Bioinformatik-Team von Dr. David P. Kreil an der Universität für Bodenkultur (BOKU). Die Übersiedelung wurde durch einen Relocation Grant von brainpower austria möglich. „Am Anfang fiel es mir natürlich sehr schwer, meine Familie und Freunde in den USA zurückzulassen“, sagt Brian Godsey, fügt aber gleich hinzu: „Aber mittlerweile kann ich mir nur noch schwer vorstellen, Wien irgendwann wieder Richtung Westen zu verlassen.“
Wenn die Mathematik die Biologie genauer macht
Brian Godsey wurde 1981 in Cincinnati, Ohio geboren und studierte in der kleinen amerikanischen Universitätsstadt Oxford, die im selben Bundesstaat liegt. 2005 schloss er sein Studium mit einem Master of Science in Mathematik und Statistik ab.
Im Team von David P. Kreil, dessen Tätigkeit an der Schnittstelle zwischen Mathematik und Biologie angesiedelt ist, schreibt er nun seine Doktorarbeit in Computerorientierter Biologie. Vereinfacht gesagt wird Brian Godsey mit seinem mathematischen Fachwissen dazu beitragen, dass Fehlerquellen bei biologischen Experimenten genau analysiert und damit Ungenauigkeiten möglichst ausgeschlossen werden können.
„Die Mathematik habe ich schon immer interessant gefunden“, erzählt er. „Natürlich gibt es auch genügend andere Wissenschaften, mit deren Hilfe man Probleme lösen kann, aber die Mathematik ist die einzige, die wirklich exakte Lösungen liefert, die gänzlich frei sind von Mutmaßungen und Voreingenommenheiten.“
Mehr akademische Freiheiten in Österreich als in den USA
Brian Godsey meint, dass er in den USA mit seinem Abschluss nur in PhD-Programmen hätte weiterforschen können, die im Bereich Mathematik oder Statistik angesiedelt sind. „Hier in Österreich gibt es hingegen Forscher-Teams, die interdisziplinär arbeiten, wie etwa die Bioinformatiker. Dadurch findet mehr Ideenaustausch statt. Zu Hause hätte ich nicht so einfach zu einer Gruppe von Nicht-Mathematikern stoßen können.“
Erfolge auch rückwärts
Nicht nur beruflich hat der junge Mathematiker Erfahrung darin, dass es wichtig ist, die Dinge auch aus einer anderen Perspektive betrachten zu können. Als passionierter Läufer, der schon zahlreiche sportliche Auszeichnungen erhalten hat (persönliche Bestzeit: 5.000 Meter in 14:02.5 Minuten), probierte er nach einer längeren Trainingspause 2004 das Rückwärtslaufen aus – ursprünglich nur, um auf witzige Weise wieder in Form zu kommen. In dieser Disziplin, die als Sportart anerkannt ist, brach er aber dann noch im selben Jahr den damaligen Weltrekord.
Europäische Wissenslücken
Und noch bei einer anderen Sache wird er leidenschaftlich: Wie es für einen amerikanischen Studenten typisch ist, hegt Brian Godsey ein tiefes Zugehörigkeitsgefühl zu seiner Heimatuniversität, der Miami University in Oxford. Es stört ihn schon, wenn jemand in Europa nicht weiß, dass ‚sein’ Oxford in Ohio und nicht in England liegt - nur vier Fahrtstunden entfernt von Chicago. Aber am meisten ärgert ihn, dass viele EuropäerInnen noch nie von den Miami-IndianerInnen aus Ohio gehört haben, die die Namensgeber seiner Alma Mater waren – und nicht die große Stadt in Florida.