Viel Schall und wenig Rauch
„Am meisten fasziniert mich die Vielfalt. Die Anwendungen reichen von der Medizin bis zur physikalischen Messtechnik“, sagt Dr. Mario Kupnik über seinen naturwissenschaftlichen Forschungsgegenstand, der mit menschlichen Sinnen nicht wahrgenommen werden kann. Die Rede ist von einer besonderen Form des Schalls. Wenn dieser sich oberhalb der menschlichen Hörschwelle befindet, wird er Ultraschall genannt - und kann beispielsweise im Bereich der Diagnostik zum Einsatz kommen.
Forschung an der Stanford Universität
Dass man eine Faszination hegen kann für etwas, das man weder sehen, riechen oder hören kann, sieht man an dem Lebens- und Karriereweg von Kupnik, der ihn bis nach Stanford geführt hat. Der 1974 in Leoben geborene Wissenschaftler, der nach der Matura in Graz Telematik mit Schwerpunkt Elektronik und Nachrichtentechnik studierte, beschäftigte sich schon während seiner Doktorarbeit mit dem Ultraschall. Zusammen mit Physikern der TU Wien entwickelte er eine erste Generation von Ultraschallwandlern, die es möglich machten, Messungen mit Ultraschall an Orten durchzuführen, die für andere Messinstrumente unwirtliche Bedingungen aufwiesen - beispielsweise an Orten mit einer sehr hohen Temperatur. Kupnik gelang es, nachzuweisen, dass man mit Hilfe dieser Ultraschallwandler die Abgasmenge direkt im Abgasstrang eines automobilen Verbrennungsmotors messen kann.
Neue Zukunftstechnologie in Zeiten des Klimawandels
Für seine Dissertation an der Montanuniversität in seinem Geburtsort erhielt Mario Kupnik dann auch gleich vier Forschungspreise. Denn mit seinen Ergebnissen kann nun ein Messsystem entwickelt werden, das zur Kontrolle und damit auch langfristig zur Reduktion von Schadstoffemissionen dient - in Zeiten des Klimawandels eine wichtige Zukunftstechnologie. Seit Jänner 2005 arbeitet und forscht er an der Stanford University in den Vereinigten Staaten zusammen mit Prof. B. T. Khuri-Yakub, der schon 1994 die ersten mikromaschinell gefertigten kapazitiven Wandler - so genannte CMUTs- entwickelte.
Von der Physik zur Medizin und wieder zurück
In Stanford beschäftigte sich Kupnik deswegen zunächst auch mit den Anwendungsmöglichkeiten von Ultraschallwandlern für die Medizin, kehrte aber bald zu seinem ursprünglichen Forschungsgegenstand zurück: zu der physikalischen Messtechnik, wie zum Beispiel Durchflussmessung und den biochemischen Gassensoren. „Die Arbeit, die ich hier mache, könnte ich in Österreich in der Form nicht durchführen, weil mir die technischen Einrichtungen fehlen würden“, so der Wissenschaftler. „Wir haben hier zum Beispiel Zugang zu einem kompletten Reinraum mit allen nur erdenklichen Gerätschaften und Messgeräten.“ Obwohl er sich sehr wohl in Stanford fühlt und den Kontakt mit Wissenschaftlern und Studenten verschiedenster Herkunft genießt, möchte er langfristig nicht in den USA bleiben und versucht, den Kontakt mit der Heimat nicht abreißen zu lassen.
Kontakt zur TU Wien gestärkt mit Hilfe von brainpower austria
Im April diesen Jahres hielt er einen Vortrag auf dem Ultraschall-Weltkongress "ICU 2007“ an der TU Wien. Dort stellte er das Potential dieser Wandlertechnologie für Anwendungen der physikalischen Messtechnik vor. Für die Reise nach Wien erhielt Kupnik eine finanzielle Unterstützung von brainpower austria. Während seines Aufenthaltes hielt er auch einen Seminarvortrag an der Technischen Universität, der vom Zweitbetreuer seiner Dissertation, Prof. Martin Gröschl, zusammen mit Prof. Ewald Benes organisiert wurde. „Ich möchte längerfristig auch wieder in der Lehre arbeiten und sehe die TU Wien als einen möglichen zukünftigen Arbeitgeber in Österreich für mich. Daher ist ein Service, wie es brainpower austria bietet, mehr als begrüßenswert,“ sagt er. Denn auf keinen Fall möchte er, dass Österreich für ihn nur noch zum reinen Urlaubsland wird.