Vom Tatoo bis zur Datenbank

Ein Plädoyer für die Internationalisierung der Forschung für KMU

Gastkommentar von Dr. Johann Jäger
Geschäftsführer der ACR (Austrian Cooperative Research)
 
Am Ball der österreichischen Unternehmen heißt es „Alles KMU.“ Mehr als 99 Prozent der Unternehmen hierzulande fallen unter diese Kategorie, und die meisten haben weniger als zehn Mitarbeiter. Da bleibt wenig Platz für F&E. Gerade einmal ein paar KMU aus dem High-tech-Bereich sind in diesem Bereich mit eigenen Mitarbeitern tätig. Bei den meisten Betrieben ist es der Chef selber, der in Personalunion alle Rollen spielen muss: Verkäufer, Innovator, Kalkulierer, Controller etc. Entwicklungs- und Innovationstätigkeiten müssen daher großteils von außen kommen. Als Partner bedienen sich die KMU neben den Universitäten und Fachhochschulen vor allem auch der Kooperativen Forschungsinstitute, die im Verband ACR zusammengeschlossen sind. Damit ist zumindest auf nationaler Ebene, die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Forschungsdienstleistern sichergestellt, wenn auch diese noch verbessert werden könnte.
 
Nun, wie sieht diese Situation im internationalen Kontext aus? Hier fallen einem sofort, die CRAFT-Projekte aus dem EU-Rahmenprogramm ein. Von den rund 270.000 österreichischen KMU haben sich circa 80 am 6. Rahmenprogramm beteiligt. Aus österreichscher Sicht hält sich der Erfolg dieses Programms eher in Grenzen. Erfolgversprechender sind hingegen die Collective Research-Vorhaben. Sie werden durch Verbände initiiert, so dass die Ergebnisse der gesamten Branche zugänglich werden. Damit steigt die Anzahl der Nutznießer um ein Vielfaches.
 
Aber wo liegt jetzt der Vorteil der Internationalisierung genau? Ganz einfach, diese transnational durchgeführten Collective Research-Projekte bieten an, die Ergebnisse der ganzen Branche grenzüberschreitend zur Verfügung zu stellen und somit Ideen und Lösungskapazitäten zu bündeln ohne die Wettbewerbssituation zu sehr zu strapazieren. Mehr noch, durch solche Projekte können auch länderübergreifende Standards entwickelt werden.
 
Beispiele dafür liegen bereits vor. Im ERA-Net CORNET (Collective Research Networking) wurde ein Projekt für die gesamte Tattoo-Branche initiiert: Health Safety in Connection with the Use of Tattoo and Permanent Make-up. Kein einziges Tattoo-Studio könnte sich diese Entwicklung selbst leisten. Aber durch das Bündeln der Ressourcen gibt es international erhebliche Fortschritte.
 
Ein anderes Beispiel ist das Projekt High Performance Manufacturing – eine Informationsdatenbank für kleine Automobilzulieferer. Wenn neue Materialien zu verwenden sind, kann sich jedes Mitglied über diese Datenbank darüber informieren, wie die Werkzeuge für NC-Maschinen gewartet werden müssen. Kein KMU könnte sich allein das notwendige Know-how leisten, über das Forschungsinstitute verfügen. Hier geht es um gemeinsame und internationale Bündelung von Wissen, Ressourcen und Erfahrungen. Europäischen KMU soll gegenüber den Billiglohnländern ein Wettbewerbsvorteil verschafft werden.
 
So gesehen macht die Internationalisierung der Forschung für KMU mehr als Sinn. Sie stärkt die KMU ganzer Branchen in den verschiedenen Regionen Europas. Die Gefahr, durch mangelnde Innovationsbereitschaft einerseits und/oder durch mangelndes Geld für F&E andererseits, vom Markt zu verschwinden, kann durch Collective Research gebannt werden. Ganz wichtig dabei ist, dass KMU diese einmalige Chance der Bündelung (früh) erkennen. Viele haben aber Angst vor dem Verlust von Autonomie oder vor der Preisgabe von Betriebsgeheimnissen und wollen daher ihre Erfahrungen nicht austauschen. So wird das Rad immer wieder neu erfunden, selten jedoch entscheidend weiter entwickelt. Es muss klar gemacht werden, dass Ressourcen verschwendet werden, wenn für Tischler in Baden Württemberg, in Niederösterreich und in Flandern ein und dasselbe Projekt mit genau demselben Inhalt separat entwickelt und finanziert wird. Nicht nur für KMU, sondern auch für die ihnen zuarbeitende Forschungseinrichtung selbst, ist die internationale Vernetzung von Vorteil: Erfahrungen austauschen, voneinander Lernen und Partnerschaften etablieren. Kurz, Networking über Grenzen hinweg ist angesagt!

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