Im Portrait: Prof. Dr. Erik Vogt
Denker zwischen zwei Kontinenten
Eine gängige Forderung an die Gegenwarts-Philosophie lautet, dass diese in Zeiten der Globalisierung über den eigenen kulturellen und nationalen Tellerrand hinausschauen muss - und vor allem -denken.
Pendeln zwischen europäischer Philosophie in Amerika und amerikanischer Philosophie in Europa
Der Philosophie-Professor Dr. Erik Vogt denkt gleich über zwei Kontinente hinweg: In den USA lehrt er "Continental Philosophy" und in Europa sorgt er dafür, dass die amerikanische Gegenwartsphilosophie bekannter wird. Seit den frühen neunziger Jahren lehrt und forscht der 1964 in Steyr geborene Oberösterreicher an amerikanischen Universitäten und arbeitet seit 1996 als Herausgeber und Übersetzer für die Buchreihe "Neue Amerikanische Philosophie" des in Wien ansässigen Verlags Turia + Kant. Und trotz dieses mehr als ausgefüllten Stundenplans findet er auch noch Zeit, an der Universität Wien zu unterrichten, wo er sich 2003 habilitierte und seither jedes Sommersemester Philosophie-Seminare abhält - natürlich auf Englisch. "Momentan habe ich einfach den Eindruck, dass das Pendeln zwischen den beiden Kontinenten die beste Lösung für mich darstellt", sagt er.
Der Weg zu einem "Full Professorship" in Neuengland
Erik Vogt studierte zunächst in Wien Philosophie und Deutsche Philologie, bevor er 1988 nach seinem Magister mit Hilfe eines Stipendiums für einige Monate in die USA ging. Und auch nach seiner Dissertation über Jean-Paul Sartre an der Universität Wien zog es ihn wieder in die Vereinigten Staaten. „Die USA bietet natürlich schon allein aufgrund ihrer Größe mehr Möglichkeiten. Der „Markt“ ist für PhilosophInnen viel größer und pluraler,“ sagt Erik Vogt: „Aber die Konkurrenz ist auch dementsprechend vielfältig.“ Bis auf einen zweijährigen Aufenthalt im englischen Oxford, wo er Germanistik unterrichtete, blieb er seiner amerikanischen Wahlheimat bis heute treu.
Sein Weg führte ihn zunächst in den US-Bundesstaat New York und dann weiter nach New Orleans. 2002 nahm er schließlich in Neuengland eine Visiting Associate Professur für "Continental Philosophy" an, die heuer in eine „Full Professorship“ umgewandelt wurde – dies ist vergleichbar mit einer "ordentlichen" Professur. "Obgleich das Trinity College zu einer der ältesten amerikanischen Universitäten gehört, war dies das erste Mal, dass eine Stelle für europäische Kontinentalphilosophie ausgeschrieben wurde", erzählt Erik Vogt.
Beschäftigung mit dem Holocaust und dem Philosophen Slavoj Zizek
Neben der französischen, deutschen, italienischen und amerikanischen Gegenwartsphilosophie beschäftigt sich Erik Vogt vor allem mit dem Holocaust und seinen Folgen für das philosophische Denken. Im Jahr 1998 wurde er sogar Vizepräsident der amerikanischen "Society for the Philosophic Study of Genocide and the Holocaust".
So ist es kein Wunder, dass der Österreicher gerade ein Buch über jenen Philosophen schreibt, der als einer der wichtigsten und provokantesten Denker der Gegenwart gilt und bei dem viele dieser Fäden zusammenlaufen: der slowenische Philosoph und Psychoanalytiker Slavoj Zizek, in dessen Schriften es immer wieder um Psychoanalyse, Politik und Identität geht.
"Gegenwärtig arbeite ich an einer Einführung in sein Denken, die versuchen soll, seiner Beschäftigung mit dem deutschen Idealismus, seiner Aneignung der Psychoanalyse wie auch seiner politischen Theorie gerecht zu werden," so Erik Vogt.
"Wunderbares Potenzial" in Österreich
Durch seine Tätigkeit auf beiden Kontinenten hat Erik Vogt viel über die Unterschiede in Bezug auf Lehre und Forschung in den USA und in Österreich erfahren. In den USA schätzt er besonders das unhierarchische Denken an den Universitäten. „Wenn man z.B. als Assistant Professor an einem Institut tätig ist, dann hat man im Prinzip die gleichen Rechte wie die Full Professors; die eigene Forschung kann selbständig und unabhängig durchgeführt werden.“
Eine Beobachtung, die er in all den Jahren als Dozent von österreichischen als auch von amerikanischen StudentInnen gemacht hat, ist ihm besonders wichtig. Seiner Ansicht nach ist die so genannte Allgemeinbildung (also Sprachen, Geschichte, Kunst, Literatur und Philosophie) in Österreich umfassender. Doch die intensivere Betreuung von StudentInnen an amerikanischen Universitäten, die nicht zuletzt auch aus den hohen Studiengebühren resultiert, führt dazu, dass dieser Unterschied oft wieder eingeebnet wird.
"Ich würde mir oft ganz einfach wünschen, dass das wunderbare Potenzial, das so viele österreichische StudentInnen eindeutig aufweisen, hier genauso gefördert würde", sagt Erik Vogt dazu.