
Die öffentliche Diskussion um eine Exzellenz-Einrichtung in Österreich rankte sich von allem Anfang an um den Namen des Instituts. Kaum hatte die Gruppe um den Physiker Anton Zeilinger das Projekt einer „Elite-Universität“ vorgestellt, blies ihr wegen dieser Bezeichnung der Gegenwind entgegen. Wenn die neu konzipierte Universität sich mit dem Begriff Elite schmückte, so musste das doch heißen, dass den anderen Universitäten die Qualität abgesprochen würde. Auch wenn die Erfinder das so gar nicht beabsichtigt hatten und die Bedeutung der Kooperation mit den Universitäten beteuerten, blieb ihnen diese Kritik lange erhalten. Auch Exzellenz in den Titel zu nehmen, war da keine gute Alternative. Später kam es zum bekannten Politstreit um den Standort des neuen Instituts. Und schon gab es wieder einen Namen, der dem Projekt Spott und Hohn einbrachte. Der gewählte Standort Gugging hat bisher als Nervenheilstätte gedient und gilt den Wienern als Synonym für geistige Verwirrtheit. Gugging, Gugelhupf (nach der runden Form des Narrenturms im Campus) oder Steinhof, wo sich eine andere Klinik für psychisch Kranke befindet, sind jene Orte, wo der „echte Wiener“ seine Streitgegner schnell einmal hin wünscht. Und mit Wissenschaft hat er da gar nichts im Sinn.
Haim Harari, der ehemalige Präsident des weltberühmten Weizman Instituts, der in den letzten Monaten gemeinsam mit Olav Kübler von der ETH Zürich und Hubert Markl von der Max-Planck-Gesellschaft den Aufbau des neuen Instituts übernommen hat, ließ jetzt in einem Gespräch mit der Zeitung NU (www.nunu.at) eine Namensvariante fallen, die dem Projekt neuerlich spöttische Aufmerksamkeit gesichert hätte. Er habe das Institut mit der Bezeichnung SNOW versehen wollen, so der Wissenschaftler aus Israel, weil das gut zum alpinen Österreich passe und eine Abkürzung für „Science Niederösterreich Wien“ gewesen wäre, erzählt Harari augenzwinkernd, aber niemand habe ihn mit diesem Vorschlag ernst genommen, und so sei letztendlich das IST (Institute for Science and Technology) entstanden.
Nach den heftigen Diskussionen rund um den Sinn der neuen Einrichtung und später dann um die Standortwahl ist die Aufregung jetzt abgeflaut. Haim Harari und seine Mitstreiter gelten als Garanten dafür, dass die Entscheidungen allein nach Kriterien gefällt werden, die der Wissenschaft dienen.Der Physiker selbst glaubt fest an den Erfolg des Projekts. Die beiden ersten Angestellten des IST haben ihre Tätigkeit aufgenommen. Beide sind erfahrene Manager aus dem Forschungsbereich. Gerald Murauer, zuletzt als selbstständiger Berater und davor beim WWTF (Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds) für Finanzen, Personal und Organisation tätig, und Laurenz Niel, bisher Geschäftsführer der Christian Doppler Gesellschaft und davor beim FWF (Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung) engagiert, treiben das Projekt ab sofort mit großer Energie voran.Harari berichtet davon, dass er bereits jetzt ständig E-Mails von renommierten Forschern bekommt, die er gar nicht kennt und mit deren Forschungsgebiet er auch nichts zu tun hatte. Sie alle fragen nach den Möglichkeiten von IST Austria, was nicht heißt, dass sie sich bewerben, aber dass sie jedenfalls hohes Interesse zeigen. Jetzt ginge es, so Harari, um das Rekrutieren einer kritischen Masse an Forschern. Im Gespräch erläutert er die Strategie dazu: „Wir versuchen Cluster zu schaffen. Ein Beispiel: Es gibt viele verschiedene Fächer, die sich mit der Erforschung des menschlichen Gehirns befassen. Biologen, Chemiker, Mediziner, Psychologen, Computer-Wissenschaftler etc. Wir wollen nicht entscheiden, welche Kompetenz der Wissenschaftler, der nach Gugging kommt, exakt haben muss. Wir wollen aber, dass der neue ISTR-Austria-Forscher etwas in einen solchen Cluster einbringt.“ Die Gehirnforschung will er an dieser Stelle aber nur als Beispiel verstanden wissen, die Cluster sind jetzt noch nicht festgelegt.
Harari misst den Erfolg des IST Austria an dem, was in zehn Jahren sein wird: 2017 sollen 500 Menschen in Gugging arbeiten. Dann wäre die kritische Masse erreicht, um internationale Spitzenforschung betreiben zu können. Und dann wäre auch immer noch Zeit, das Wort „Elite“ in den Mund zu nehmen.
Die Leidensgeschichte mit den Instituts-Namen wird in zehn Jahren bei einem erfolgreichen IST-Zustand dann wohl auch längst der SNOW vom vergangenen Jahr sein. Nur die alten Wiener werden unter Gugging immer noch was anderes als eine Universität verstehen. Aber das müssen die IST-Forscher einfach aushalten.