Im Portrait: DI Eva-Maria Rumpfhuber
Die Vermessung der Welt
Wie kommt eine junge Österreicherin in Amerika dazu, ausgerechnet über
Erdbeben und Erdöl zu forschen?
DI Eva-Maria Rumpfhuber, die über ihre Auslandserfahrung bereits bei der brainpower-austria-Vortragsreihe „ForscherInnen machen Karriere“ im Juni diesen Jahres berichtete, hatte schon als Kind eine Schwäche für Mathematik und Physik. Nach der Matura studierte sie Geodäsie und Geophysik an der Technischen Universität Wien. Was dann folgte, liest sich wie ein Bilderbuch-Lebenslauf, obwohl sie betont, dass sie ihren Weg in die USA nie geplant hat: „Ich war einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort,“ sagt sie.
One Way Ticket in die USA?
Nach ihrer Diplomarbeit blieb die 1977 in Wels geborene Oberösterreicherin noch für ein gutes weiteres Jahr an der Universität, wo sie in einem internationalen geophysikalischen Projekt beschäftigt war. Dort lernte sie ihren jetzigen Doktorvater Prof. Dr. Randy Keller kennen. Eine Bekanntschaft, die sehr wichtig für ihre spätere Karriere wurde, denn der Geowissenschaftler schlug ihr vor, ihre Dissertation bei ihm zu schreiben. Sie nahm das Angebot an und ging im August 2003 in die Vereinigten Staaten von Amerika. „Ich hatte damals das Gefühl, ein ‚One-Way Ticket' zu buchen, ohne zu wissen, was auf mich zukommt“, sagt sie heute und ergänzt: „Aber für mich war einfach klar, dass ich diesen Weg einschlagen musste.“
Lehren in der Wüste
Sie landete an der University of Texas at El Paso. Ihre neue Heimat unterschied sich vollkommen von ihrem bisherigen Leben in Wien, denn El Paso ist eine Grenzstadt zu Mexiko am Rio Grande. Hier verschmilzt die amerikanische mit der hispanischen Kultur. Doch der ‚Cultural Clash' blieb aus, die Eingewöhnung fiel ihr nicht schwer. „Die Amerikaner sind ausgesprochen hilfsbereit und es ist wesentlich einfacher, hier Kontakte zu knüpfen,“ erzählt sie. Der größte Vorteil - neben der Horizonterweiterung und dem Plus im Lebenslauf - war für Eva-Maria Rumpfhuber die AssistentInnenstelle, die es ihr erlaubte, finanziell abgesichert für ihre Doktorarbeit zu forschen. Ihrer Meinung nach sind diese Stellen in Österreich leider immer noch viel zu rar gesät.
American Way of Life
Und wie es sich für die sprichwörtliche amerikanische Mobilität gehört, hat sie auch schon einige Ortswechsel hinter sich: Um neben der Uniluft auch ein wenig Praxis zu schnuppern, zog sie für einige Monate ins 1.200 km entfernte Houston, um Praktika in der Erdölindustrie zu absolvieren, und folgte dann im Sommer 2006 mit vier anderen StudentInnen ihrem Doktorvater, der eine neue Position an der University of Oklahoma annahm. „In den Staaten ist das eine übliche Vorgangsweise, die sehr unkompliziert von statten geht“, berichtet sie. „In Österreich sieht man diese Lebensweise, die mit oftmaligen und unkomplizierten Umzügen verbunden wird, immer noch als typisch ‚amerikanischen Lebensstil'.“
Forschung in den Rocky Mountains und in den Ostalpen
Eva-Maria Rumpfhuber fühlt sich im grünen und hügeligen Oklahoma sehr wohl. Hier frönt sie ihrer Sportbegeisterung und bereitet sich gerade auf ihren zweiten Triathlon vor, indem sie ihre meiste Freizeit beim Laufen, Schwimmen oder Radfahren verbringt. "Bei ihrer Doktorarbeit, die sie im nächsten Jahr abschließen wird, verknüpft sie Daten der Erdbebenseismologie und der Explorationsseismologie, die auch der Erkundung von Erdöl-Bodenschätzen dienen können. Momentan arbeitet sie an den Datensätzen zweier Projekte, eines davon ist in den Rocky Mountains und eines ist in den Ostalpen Österreichs angesiedelt.
„Geodäsie beschäftigt sich mit der Vermessung der Erde und Geophysik beschäftigt sich mit der Erkundung des Erdinneren. Das ist sehr spannend, da es dort noch so viele offene Fragen zu beantworten gibt,“ erklärt sie ihre Faszination für ihre wissenschaftliche Arbeit. Und vielleicht ergibt sich ja aus dem Forschungsprojekt in den Ostalpen noch einmal eine gute Gelegenheit für ihre Zukunft. Denn obwohl Eva-Maria Rumpfhuber auch nach der Doktorarbeit erst einmal in den Staaten bleiben möchte, kann sie sich sehr gut vorstellen, irgendwann wieder nach Österreich zurückzukehren.
„Vielleicht fühle ich mich hier in Oklahoma auch so wohl, weil es mich ein bisschen an meine Heimat in Wels, Oberösterreich erinnert,“ sagt sie noch zum Schluss.