Im Portrait: Michael Edlinger, MSc
Die Liebe zu den Zahlen
Er wurde in Nijmegen geboren und trägt doch einen Namen, der in Österreich gebräuchlich ist. „Mein Vater stammt aus Linz, meine Mutter aus Graz“, erklärt Michael Edlinger, MSc. Die beiden haben sich in Wien kennen gelernt und sind später in die Niederlande gezogen, wo Edlinger 1959 geboren wurde. Seine Kindheit verbrachte er jedoch in Southampton, „der Stadt mit den vielen Mathematikern“. Andere würden die Stadt an der Südküste Englands mit dem bedeutenden Hafen
in Verbindung bringen. Aber Michael Edlinger empfindet „eine Liebe für Zahlen“, die sein ganzes bisheriges Berufsleben beeinflusst hat.
Vom Rechenzentrum ins Zentrum für Gesundheitswissenschaften
Im niederländischen Groningen absolvierte er zunächst einen BA in Humangeografie - der Wissenschaft, die sich mit der Beziehung von Mensch und Raum befasst. 1984 schloss Michael Edlinger mit einem MSc im Fach Demografie ab und
arbeitete danach im Zentrum für Demografie in Groningen. „Dort habe ich eine Studie zu Infektionen und Unterernährung vorbereitet, die für Indonesien geplant war“, erzählt er. „Leider ist der Leiter des Projekts frühzeitig verstorben.“
Nach diesem Schicksalsschlag ging Michael Edlinger nach Amsterdam, wo er in dem Rechenzentrum, das damals beiden Universitäten der Stadt gehörte, WissenschaftlerInnen bei ihren quantitativen Forschungsprojekten und Analysen
begleitete. Seit dem Ende der 80er Jahre änderten sich aber die Aufgaben im Rechenzentrum, man beschäftigte sich zusehends mit Hardware und Netzwerken. „Das hat nicht gut zu mir gepasst“, sagt Michael Edlinger offen, „und ich habe mich
umgesehen, ob ich meine Kenntnisse nicht weiter ausbauen kann. Und ich kam zur Epidemiologie.“
1997 schloss Michael Edlinger in Amsterdam seinen zweiten MSc ab - in diesem Fach, das Fragen des Heilens und der Zahlen zusammenbringt, etwa bei der statistischen Erfassung von Krankheiten und deren Auslösern. Bis Mitte 2007 war er
dann am Zentrum für Gesundheitswissenschaften der Universitätsklinik Utrecht als statistischer Analytiker tätig. Michael Edlinger betreute eine umfangreiche Studie über Herz- und Gefäßkrankheiten, die mehr als 7.000 Patienten untersuchte - und zu einer „Riesenmenge“ an Daten führte. „Ich war zuständig für die Datenverarbeitung, die Qualitätssicherung, statistische Analysen und die Beratung von Studenten und Ärzten bei ihrer Forschungsarbeit.“
Das wissenschaftliche Niveau weiter steigern - andernorts
Michael Edlinger hat sich nun beruflich für das Land entschieden, aus dem seine Eltern einst weggegangen sind. Unterstützt durch einen Relocation Grant von brainpower austria übersiedelte er zusammen mit seiner Frau und seinen Kindern nach Innsbruck, wo er seit August 2007 als "Staff Scientist" arbeitet. An der Universitätsklinik für Chirurgie ist er mit der Durchführung und statistischen Auswertung von klinischen Studien betraut und unterstützt DissertantInnen und DiplomandInnen.
„In unserer Abteilung sind wir dabei, die Forschungsarbeiten weiter auszubauen “, berichtet Michael Edlinger, der für die Anreise nach Innsbruck zum Vorstellungsgespräch auch einen Interview Grant von brainpower austria nutzte. „Ich
soll dabei mithelfen, das wissenschaftliche Niveau zu steigern. Das betrifft die Lehre und die Betreuung der Studien, vor allem im methodischen und statistischen Sinne.“
Unterschiede zwischen Deichen und Bergen
„Die Freundlichkeit der Menschen fällt mir hier auf“, sagt der Statistiker, nicht ohne anzufügen: „Bezüglich Bürokratie gibt es leider viele Ähnlichkeiten zwischen den Niederlanden und Österreich.“ An der Tiroler Landeshauptstadt findet er faszinierend, „wie verschiedene urbane Funktionen auf engem Raum nebeneinander angeordnet worden sind.“
In beiden Ländern beobachtet Michael Edlinger, dass die Welt der Medizin sein Empfinden für den „Zauber“, der von den Zahlen ausgeht, noch nicht so sehr teilt - obwohl in diesen, wie er überzeugt ist, ein großes Potential steckt. Die quantitative Forschung und die Evidence-Based Medicine könne auch in Österreich dabei mithelfen, die medizinische Versorgung zu verbessern.