Im Portrait: Dr. Dieter Fink

Grundlagenforschung am anderen Ende der Welt

 „Ich war immer schon vom Unbekannten fasziniert.“ Seine Faszination für das Unbekannte hat ihn gleich im doppelten Sinn Neuland betreten lassen: Obwohl Dr. Dieter Fink nicht Medizin studiert hat, arbeitet er heute in der Krebsforschung. Und wenn er nicht im Labor sitzt, erkundet er seine neue Wahlheimat am anderen Ende der Welt: Vancouver und die kanadische Westküste. „Was mich wirklich an Kanada fasziniert ist die unendliche Weite. Wann immer es möglich ist, gehe ich mit Freunden auf Exkursion, um die Regenwälder und die Berge der Küstenkette zu erkunden.“ Aufgewachsen ist Dieter Fink in einer Gegend, die gegensätzlicher nicht sein könnte: auf einem Bauernhof im burgenländischen Seewinkel.
 
Experimente statt Krimis

Schon als Kind faszinierte ihn die Naturwissenschaft. Er las schon damals lieber Sachbücher über Experimente mit Licht und Wasser als Romane oder Krimis. Und so entschied er sich nach der Matura zunächst für das Studium der Lebensmittel- und Biotechnologie an der Universität für Bodenkultur (BOKU) in Wien.
Da er aber schon immer auch an medizinischer Forschung interessiert war, schrieb er seine Diplomarbeit am Allgemeinen Krankenhaus Wien (AKH) in der Abteilung für Klinische Pharmakologie. Dort lernte er seinen Doktorvater aus Vancouver kennen, der sein Interesse für Kanada weckte.
 
Was macht ein Krebsforscher?

Gleich nach dem Ende seines Studiums bekam Dieter Fink dann das Angebot, seine Dissertation am Prostate Centre im Vancouver General Hospital zu machen. „Anfangs habe ich mir unter Krebsforschung nicht viel vorgestellt. Ich fand es einfach spannend, weil man etwas tut, um diese Krankheit besser zu verstehen und schließlich Menschen zu helfen“, erzählt er. Und auch von Vancouver hatte er zunächst keine rechte Vorstellung. Doch das änderte sich schnell, als er nach ein paar Wochen die Gegend um die Stadt erkundete. „Vancouver ist das Paradies für Menschen, die die unberührte Natur lieben, aber auf eine größere Stadt nicht verzichten wollen,“ sagt er noch immer begeistert.
 
Den Krebs verstehen, um ihn zu besiegen

Mit seiner derzeitigen Arbeit in der Krebsforschung am Cancer Research Centre der British Columbia Cancer Agency versucht er jeden Tag aufs Neue, bislang unbekannte Wege in der Heilung von Krebs zu finden. Dazu muss Dieter Fink zunächst die Grundlagen der Krankheit genau verstehen lernen – wie eine Krebszelle funktioniert und, vor allem, welche Gene sie beeinflussen können. Er nutzt hierfür eine neue Technologiezur Herstellung von transgenen Mäusen, denn viele Gene, die im Menschen vorkommen, existieren auch im Körper einer Maus. Durch gezielte Veränderungen an den Genen der Mäuse kann man Rückschlüsse über deren Funktion ableiten – auch im Hinblick auf den Menschen.
 
Lichtschalter in der Maus

 „Derzeit verwende ich eine Technologie, die virale Vektoren benutzt, um Gene in das Mausgenom einzuschleusen und sie bei Bedarf ein- und/oder auszuschalten, im Ergebnis sogenannte induzierbare transgene oder Knockdown-Mäuse“, erklärt Dieter Fink seine Arbeit. Daneben verwendet er neuartige fluoreszierende und lichtaussendende Proteine, die z.B. die Prostata markieren und mittels einer hochempfindlichen Kamera in der Maus sichtbar gemacht werden können. „Damit kann man Tumore und Metastasen im Mausmodell ausfindig machen.“
 
Erfolge auf dem steinigen Weg

Doch die Nutzbarmachung der Forschungsarbeit gelingt nicht immer, betont Dieter Fink, da man nicht alle Ergebnisse aus den Untersuchungen der transgenen Mäuse eins zu eins auf den Menschen übertragen kann. „Schließlich spielen nicht nur die Gene an sich, sondern auch deren Zusammenspiel und Regulation im jeweiligen Organismus eine sehr wichtige Rolle.“ Trotzdem kann dieses Modell in Zukunft vielleicht für Tests von neuen Krebstherapien angewendet werden. Doch bis dahin ist es noch ein weiter und steiniger Weg. „Bei meiner Arbeit ist so gut wie nichts Routine. Manchmal kann das sehr frustrierend sein. Zum Beispiel, wenn man lange an einer Sache gearbeitet hat, aber zu keinem Ergebnis kommt. Doch dann gibt es auch immer wieder die Erfolge: Man blickt zurück und sieht plötzlich, dass man weiter als zuvor ist.“
 
Schnee oder Regen?

2005 erhielt Dieter Fink seinen Doktortitel und arbeitet seit Jänner 2006 als PostDoc im Cancer Research Centre in Vancouver. Und obwohl er sich sehr gut vorstellen kann, wieder nach Österreich zurückzukehren, macht er sich derzeit über die nahe Zukunft noch keine Gedanken. „Im Moment ist das Wichtigste, dass ich meine Arbeiten in wissenschaftlichen Journalen publiziere. Erst dann werde ich mir Gedanken über eine Rückkehr machen.“
Bis Dieter Fink wieder unbekanntes Terrain in Österreich erforscht, kann also noch einige Zeit vergehen. Inzwischen genießt er die Natur um Vancouver herum, die nur einen kleinen „Schönheitsfehler“ besitzt und so gar nichts mit dem Klischee von Kanada als Land des Schnees und der Kälte zu tun hat: Vancouver liegt eingeschlossen zwischen den Bergen, dem Pazifik und der Grenze zu den USA. Wegen dieser geographischen Lage schneit es selten. Dafür regnet es viel und oft, manchmal sogar monatelang. „Es kann vorkommen, dass es von November bis April fast nur Regen gibt,“ schmunzelt Dieter Fink. Vielleicht gibt das ja eines Tages noch den Ausschlag für eine Rückkehr in die Heimat. Denn immerhin fällt in Österreich mehr Schnee als in Vancouver.

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