Im Portrait: Attila Iliás, Ph.D.
Zwei Länder rücken wieder näher zusammen
Während der K.u.K.-Zeit war es nichts Besonderes, wenn ein junger Ungar nach Österreich kam, um hier eine neue Arbeitsstelle anzutreten. Und heute – dank dem Fall der Mauer vor über 18 Jahren und dem EU-Beitritt der Ungarn vor fast vier Jahren – ist der bevorstehende Umzug von Dr. Attila Iliás fast schon wieder Normalität im wiedervereinigten Europa.
Von der ungarischen Tiefebene in die Berge Tirols
Am 1. März zieht der ungarische Biologe und Genetiker mit seiner Familie gen Westen – von Budapest nach Innsbruck. Dort wird er eine Post-Doc-Stelle am renommierten Institut für Biomedizinische Alternsforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) erhalten. „Innsbruck mit seinen Bergen ist eine wundervolle Stadt und als ich hörte, dass ich den Job dort haben könnte, habe ich nicht lange gezögert und sofort zugesagt“, sagt er begeistert.
Eine Kindheit an der Grenze
Erinnern kann sich Attila Iliás noch sehr genau an die Zeit, als ein Eiserner Vorhang den einstigen Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn trennte. Denn 1974 wurde er im ungarischen Sopron, eine Stadt südwestlich des Neusiedler Sees, geboren und verbrachte so seine Kindheit nur sieben Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt. Und da Wien von Sopron aus in nur etwa 60 Kilometern zu erreichen ist, Budapest dagegen über 200 Kilometer entfernt liegt, verbrachte Attila Iliás nach der Öffnung der Grenzen in den Ferien mehr Zeit in Österreich als in Ungarn. „Wien und die Region des Burgenlands kenne ich wirklich sehr gut“, betont er.
Zwischen Biologie und Geschichte
Nach der Matura, 1993, ging er dann nach Budapest und studierte dort Biologie. „Obwohl bisher keiner aus meiner Familie mit Biologie etwas am Hut hatte“, lacht Attila Iliás. „Als ich ein Kind war, interessierte ich mich eigentlich für Biologie und Geschichte gleichermaßen. Doch später, als ich mich dann entscheiden musste, habe ich die Biologie gewählt. Und es nie bereut.“ Und obwohl er immer noch von Geschichte fasziniert ist, kommt der Familienvater leider immer weniger dazu, sich damit zu beschäftigen.
Forschen, um das Altern zu verstehen
2005 schloss der Biologe mit den Fachschwerpunkten Molekularbiologie, Biochemie und Genetik sein Studium mit einem Ph.D. ab. In Innsbruck wird Attila Iliás nun untersuchen und genau zu bestimmen versuchen, wie die Arteriosklerose entsteht. Bei dieser Erkrankung kommt es über Jahre und Jahrzehnte hinweg zu Ablagerungen von Blutfetten, Thromben und Bindegewebe an den Gefäßen. An den Folgen – also durch Schlaganfall, Thrombose, Angina Pectoris oder Herzinfarkt – sterben die meisten älteren Menschen in den westlichen Industrienationen.
Erfahrungen im Westen machen
Auf diese Arbeit am Institut für Biomedizinische Alternsforschung in Innsbruck, das europaweit als ein wichtiges Zentrum für die Alternsforschung (Gerontologie) gilt, freut sich Attila Iliás. Denn für ihn bietet die Forschungslandschaft in Österreich gute Perspektiven: „In Osteuropa, also auch in Ungarn, gibt es noch immer weniger Geld für die Wissenschaft als in westlichen Ländern, besonders in der Grundlagenforschung. Viele Forscher gehen erstmal aus Ungarn weg und machen ihre Erfahrungen im Westen – und wenn sie wiederkommen, versuchen sie, die erlernten Techniken den ungarischen Bedingungen anzupassen.“
Die Liebe zum Schnee
Und noch aus einem anderen Grund wird dem Ungarn der Wechsel vom Institute of Enzymology in Budapest, wo er seinen Doktor machte, zu der Innsbrucker Forschungsstelle der ÖAW wohl nicht sehr schwer fallen. Denn neben Frau und Kind und seiner Arbeit im Labor liebt Attila Iliás den Sport über alles: „Ich mag im Prinzip jeden Sport, besonders alles, was mit einem Ball zu tun hat, also Basketball, Fußball oder Volleyball. Und ich fahre gerne mit dem Rad. Aber was ich wirklich liebe, ist das Skifahren.“
Sicherlich keine schlechte Voraussetzung, um nach Innsbruck zu übersiedeln.