Podiumsdiskussion
Nach 2007 veranstaltete MISTI (MIT International Science and Technology Initiatives) zusammen mit der europäischen Kommission auch als erweitertes Rahmenprogramm der ECF 2008 eine Podiumsdiskussion am Vortag der European Career Fair. Das Thema lautete „The Global Knowledge Economy - Challenges and opportunities for EU and US research-intensive universities and their relation with industry".
Die TeilnehmerInnen am Podium waren:
- Susan B. Butts, Sr. Director, External Science & Technology Programs, The Dow Chemical Company
- Patrick Cunningham, Trinity College Dublin
- Andrew Dearing, Secretary General, European Industrial Research Management Association (EIRMA)
- Subra Suresh, Dean of Engineering at the Massachusetts Institute of Technology (MIT)
- Georg Winckler, Rector of the University of Vienna and President of the European University Association (EUA)
Moderiert wurde der Abend von Dr. Isi Saragossi, Head European Commission Research & Innovation Unit
Die Veranstaltung wurde in 3 Sessions aufgeteilt. Nach jeder Session waren die PodiumsteilnehmerInnen und das Publikum aufgefordert zu kommentieren und Fragen zu stellen.
Session 1 – Patrick Cunningham

In der ersten Session beschäftigte sich Patrick Cunningham mit der Frage, ob die USA und Europa auf demselben Weg sind, bzw. am richtigen. Mittels verschiedenster Statistiken (großteils aus OECD-Quellen) verglich er die beiden Systeme. Verschiedene Rankings (z.B. World University Ranking, Shanghai University Ranking, European Scoreboard) zeigten auch unterschiedliche Ergebnisse, teilweise sehr überraschende. Statistiken haben letztlich immer eine wichtige Komponente: Die damit verbundene Interpretation. Cunninghams Vortrag war jedenfalls ein guter Überblick zum „Big Picture“ und sorgte für eine interessante Diskussion. Kommentare gingen in die Richtung, dass sich Zahlen stark ändern würden, wenn man die USA in ihre Bundesstaaten aufteilen würde oder man nicht nach Universitäten, sondern nach wissenschaftlichen Disziplinen werten würde. Ein anderer Input ging auch Richtung Gelder für F&E. Würde man nämlich die Militärausgaben für F&E nicht inkludieren, würde sich das Verhältnis auf Seiten der USA drastisch verändern.
Session 2 – Georg Winckler

Teil 2 stand unter dem Titel „Cross border research co-operations and partnerships“. Georg Winckler skizzierte die Entwicklung europäischer Universitäten von national geprägten Institutionen unter starkem ministeriellen Einfluss hin zu offenen, autonomen Einrichtungen im internationalen Wettbewerb. Ein zentrales Thema für Winckler ist es, eine gute Balance zwischen Kooperation und Wettbewerb zu finden. Als Diskussionspunkte führte er die Forschungsintensität an, das Verhältnis zwischen Forschung und Lehre und die Zahl an Start-Ups bzw. die Gründeraktivität rund um europäische und amerikanische Universitäten. Gleichzeitig müsse man die Mobilität von ForscherInnen fördern und neue Karrieremodelle aufbauen. Breite Zustimmung fand das abschließende Kommentar von Susan Butts, die den Menschen, das Individuum, in den Mittelpunkt rückte und die spürbare Begeisterung als zentralen Faktor für Zusammenarbeit. Gleichzeitig müsse man die Hindernisse aus dem Weg zu räumen, nämlich die Bürokratien an europäischen Universitäten.
Session 3 – Susan Butts, Subra Suresh
Susan Butts brachte ihre Sichtweise und Erfahrung aus der Industrie ein und referierte zum Thema „Industry-Academia collaboration“. Als Trend könne man klar erkennen, dass die Zusammenarbeit zwischen den beiden Segmenten im Steigen begriffen ist. Forschung ist für die Industrie leistbar geworden, die Geschwindigkeit in der Entwicklung hat zugenommen und generell gibt es für Unternehmen heute einen deutlich erweiterten Zugang zu Forschung und Entwicklung. Die staatlichen Förderungen entwickeln sich nicht rasch genug für die Forschungsinfrastruktur in den USA, die Industrie aber sehr wohl. Ein wesentlicher Faktor im Spiel zwischen Investition und Gewinn ist für Butts die Zeit. In den USA wird geistiges Eigentum unterschiedlich geregelt und verschiedene Sektoren verfolgen dabei auch verschiedene Strategien. Als Beispiele führte sie die Pharmaindustrie und die IT-Branche an. Erstere produziert vergleichsweise wenig Erfindungen und Patente, die sehr lange brauchen, um Marktreife zu erlangen. Dafür kann ein einziges Produkt enorme Gewinne einbringen. Die IT-Branche bringt dagegen enorm viele Erfindungen hervor, die kurzlebig sind und nur wenig Gewinn ausschütten bzw. nicht selten lizenzfrei vergeben werden. Es gehöre auch zur Kultur von F&E in den USA, dass Erfindungen und Ideen aus der Industrie, die für ein Unternehmen strategisch nicht verwertbar , aber wissenschaftlich wertvoll scheinen, an Universitäten als Geschenk weiter gegeben werden. Subra Suresh präsentierte einige Programme am MIT, deren Erfolg auf der Verbindung zwischen Industrie und Universität basiert.
All die Diskussionen rund um die 3 Sessions haben gezeigt, dass es sehr schwierig ist, die beiden Systeme in den USA und Europa auf eine Waagschale zu legen. Was in den knapp 3 Stunden nicht Platz fand, wurde anschließend am kalten Buffet weiter diskutiert.