Im Portrait: Dr. Thomas Berger

Forschung im Land der Sonne
 
Obwohl Dr. Thomas Berger fast zwei Jahre dort forschen konnte, wo andere ihren Sommerurlaub verbringen, ist er nun nach Österreich zurückgekehrt. Von dem sonnenverwöhnten Alicante, der Hauptstadt der gleichnamigen Provinz im Süden der autonomen spanischen Region Valencia, zog er in die Steiermark, nach Leoben, nur 60 Km von Graz entfernt.
 
Untersuchung lichtinduzierter Prozesse in der Stadt des Lichtes
 
In der am Mittelmeer gelegenen Stadt Alicante (das römische Lucentum – „Die Stadt des Lichtes“) hat Thomas Berger im vergangenen Herbst einen knapp zweijährigen Forschungsaufenthalt abgeschlossen. Ziel war die Untersuchung lichtinduzierter Prozesse an nanostrukturierten Halbleiter-Elektroden. Das Forschungsprojekt wurde im Rahmen eines Erwin-Schrödinger-Stipendiums des Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) am Instituto de Electroquímica der Universidad de Alicante durchgeführt, welches europaweit zu den renommiertesten Arbeitsgruppen in diesem Bereich zählt. „Nanokristalline Halbleiter stellen eine vielversprechende Materialklasse dar, da sie unter Ausnützung des Sonnenlichtes sowohl zur Reinigung von Abwässern und Abgasen als auch zur direkten Umwandlung von Lichtenergie in Elektrizität eingesetzt werden können“, erklärt Thomas Berger sein Forschungsgebiet.
 
Unterstützung in der Heimat und in der Fremde
 
Die Leitung eines Forschungsprojektes an der ausländischen Institution war für Thomas Berger eine große Herausforderung. Aber durch die enge Zusammenarbeit mit den Kooperationspartnern vor Ort konnte der Wissenschaftler seine Forschungen erfolgreich durchführen. „Ich bin daher meinen spanischen Kollegen, von denen ich nicht nur im wissenschaftlichen Bereich viel gelernt habe, sehr dankbar.“
 
Aber auch sein Heimatinstitut in Österreich, das Institut für Materialchemie der Technischen Universität Wien, förderte Berger schon zu Studienzeiten. Hier fertigte er unter der Betreuung von Prof. Erich Knözinger und Dr. Oliver Diwald sowohl seine Diplomarbeit als auch seine Dissertation an. „Die wissenschaftliche Kompetenz und der Enthusiasmus meiner Lehrer weckten schon während des Studiums mein Interesse an der Physikalischen Chemie und waren wesentliche Beweggründe, diesen Zweig weiterzuverfolgen.“ Und tatsächlich stellte sich die Entscheidung, seine ForscherInnenlaufbahn am Institut für Materialchemie zu beginnen, bald als wahrer Glücksfall heraus: „Die Arbeit in einem internationalen Umfeld bereits während Diplomarbeit und Dissertation waren für den späteren Schritt an eine ausländische Forschungseinrichtung eine unbezahlbare Erfahrung.“
 
Aus dem Vakuum ins Wasser
 
Während Thomas Berger im Zuge seiner Dissertation Experimente ausschließlich unter definierten Modellbedingungen (Hochvakuum, tiefe Temperatur) durchführte, weitete er seine Untersuchungen im spanischen Alicante auch auf Realbedingungen (d.h. Kristallite in Kontakt mit einer wässrigen Lösung bei Raumtemperatur) aus. Diese Untersuchungen sind für die industrielle Praxis von größter Bedeutung, da technologisch relevante Prozesse meist bei hohen Temperaturen und Drucken bzw. in Gegenwart einer wässrigen Phase ablaufen. „Angesichts der im Zusammenhang mit dem Einsatz fossiler Brennstoffe auftretenden ökologischen Probleme wird der Erschließung erneuerbarer Energiequellen gegenwärtig enorme Bedeutung beigemessen. Nanostrukturierte Halbleiter stellen in diesem Zusammenhang eine vielversprechende Materialklasse dar, und deren Untersuchung wird in den nächsten Jahren wohl noch weiter intensiviert werden“, ist Thomas Berger überzeugt. Die in Spanien erzielten Resultate haben neue Einblicke in die Funktionsweise nanostrukturierter Halbleiter geliefert und werden als Grundlage für weitere Untersuchungen dienen.
 
Zurück in die Heimat mit brainpower austria
 
Nach zwei lehrreichen Jahren in Alicante beschloss Thomas Berger, wieder nach Österreich zurückzukehren. Mit der Unterstützung von brainpower austria übersiedelte er Ende des Jahres wieder in seine Heimat. Seit Anfang November 2007 ist er bei der Austria Technologie & Systemtechnik AG in Leoben im Bereich Forschung und Entwicklung tätig. Und auch hier, im grünen Herz Österreichs, kann er nun wieder dort forschen, wo andere Urlaub machen.
 
 

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