Im Portrait: DI Daniel Pressl

Auf einem seiner doch recht regelmäßigen Österreichbesuche schaffte Daniel Pressl es terminlich auch, dem brainpower-austria-Team in der FFG einen Besuch abzustatten und erzählte über seine aktuelle Forschung am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in den USA.
Der persönliche Masterplan
Trotz seines nun schon mehrjährigen Aufenthalts in den USA und des Fremdsprachentalents ist auf eine sehr sympathische Weise nicht zu überhören, dass Daniel Pressl gebürtiger Kärntner ist, genauer gesagt ein „echter Wolfsberger“. Dort besuchte er auch das Stiftsgymnasium St. Paul und entschied sich in der Unterstufe ganz bewusst für den realistischen Zweig mit Schwerpunkt auf Mathematik, Physik und Chemie.
Gut geplant hat er nach der Matura auch den Wechsel über die Pack in die Steiermark. Er nutzte einen Informationstag an der Berufs- und Studieninformationsmesse in Graz und war vom Angebot der Montanuniversität in Leoben überzeugt. Insbesondere die Werkstoffwissenschaften hatten sein Interesse geweckt. Er beschreibt die Universität als sehr familiären Betrieb und hat seinen späteren Diplomarbeitsbetreuer auch schon im ersten Semester kennen gelernt. Seine Diplomarbeit verfasste er am dortigen Physikinstitut über Oberflächencharakteristisierung von Titanlegierung.
Als PhD ans MIT
Nach dem Abschluss in Leoben, den er in Mindestzeit absolvierte und neben anderen Auszeichnungen den selten verliehenen Rektor Platzer Ring erhielt, führte der Weg direkt ans Massachusetts Institute of Technology (MIT), in die USA. Wie es dazu kam, war ebenfalls gut überlegt. Schon während seiner Studienzeit war Daniel Pressl mehrere Male an der amerikanischen Ostküste. Zweimal als Betreuer in einem Kinder-Sommercamp in Poughkeepsie und einmal zu Studienzwecken an der University of Syracuse, beide im Bundesstaat New York. Schon bei der ersten Reise nutzte er die Gelegenheit, besuchte Universitäten und während andere das erste freie Wochenende zum Shoppen in New York nutzten, fuhr er nach Boston und erkundete den MIT Campus und das Science Museum. Im Zuge des Studienaufenthalts an der University of Syracuse wurde aus dem bisher heimlichen Wunschtraum „MIT“ eine konkrete Idee und mit den notwendigen Empfehlungsschreiben bewarb er sich für eine Doktoratsstelle. Die eineinhalbjährige Vorbereitungszeit wurde belohnt, im Herbst 2004 startete das Abenteuer MIT.
Angekommen ist nicht angenommen
Das alles bedeutet aber noch lange nicht, dass man sein Doktorat auch wirklich beginnen darf. Vorerst ist man einmal Graduate Student und durchläuft eine einjährige Vorbereitungszeit („Qualifier“) mit einer Abschlussprüfung, die er als eine der schwersten überhaupt bisher bezeichnet. Danach kommen noch eine Vorlesungsserie und eine mündliche Prüfung vor einer Kommission, die die KandidatInnen bewusst bis an die Grenzen des Wissens abfragt und, was eigentlich fast noch wichtiger erscheint, darüber hinaus. Hat man all das hinter sich, muss man immer noch erst einen/eine BetreuerIn finden. Für Daniel Pressl ist das nun alles Vergangenheit. Er arbeitet an seiner Dissertation zum Thema elektromagnetisches Schweißen in der Automobilindustrie. Fahrzeuge müssen immer leichter werden um weniger Sprit zu verbrauchen, besonders im Zeichen des Klimawandels, auch in Amerika. Und Leichtmetalle lassen sich mittels dieser Technik ideal verbinden. Die Metalle werden dabei nicht geschmolzen, sondern miteinander beim Aufprall, mit Geschwindigkeiten, höher als die des Schalls, verbunden. Das kann sogar sichtbar gemacht werden, mittels spezieller fotografischer Technik.
Von Hochgeschwindigkeitsfotos bis zum Weltraumlift
Hochgeschwindigkeitsfotografie hat Daniel Pressl schon bei seinem ersten Besuch am MIT fasziniert, und auch nicht wieder losgelassen. Die Laborausstattung am MIT macht vieles möglich. Spezialkameras ab 100.000 USD aufwärts fotografieren zum Beispiel einen Ballon beim Zerplatzen oder einen Wassertropfen beim Aufprall, gestochen scharf. Daniel Pressl brachte 2007 auch eine Ausstellung dieser faszinierenden Bilder nach Österreich – „2fast4u“ nannte sich das Projekt, die bisher weltgrößte Ausstellung dieser Art. Neben anderen Projekten ist der Kärntner auch noch im Wettkampf gegen die NASA aktiv. Jedes Jahr schreibt die amerikanische Weltraumbehörde Wettbewerbe aus. Im Falle der Gruppe am MIT ging es um die Herstellung des leichtesten und stärksten Seils der Welt, das als Weltraumlift dienen soll, eines der „Centennial Challenges“ der NASA. Pressls Gruppe gelang es zwar, das weltweit erste Seil zu 100% aus Carbon Nanotube herzustellen, aber das Seil der NASA war diesmal noch stärker. Diesmal noch, wie gesagt.
Das MIT immer mit im Gepäck
Daniel Pressl ist ein Multiplikator, wie ihn sich selbst das MIT wahrscheinlich nur wünschen kann. Nicht nur mit 2fast4u, sondern auch einigen anderen Projekten verbindet er seine Wahluniversität mit Projekten in Österreich, bisher hauptsächlich in Kärnten. Er entwickelte ein neuartiges Medium für Kinder, unterrichtet in Schulen, baut gerade ein Computer Clubhouse in Österreich auf, arbeitet an der Realisierung eines eigenen „MIT-Austria-Program“ und betreut aktuell vier Diplomarbeiten der HTL Wolfsberg. Die Arbeiten werden in Englisch verfasst und teilweise bei ihm am MIT durchgeführt. Für Reise- und Aufenthaltskosten findet Daniel Pressl Wege. Genauso gern ist er auch auf der Montanuniversität Leoben gesehen. Auch von dort waren bereits zwei Studierende einige Monate bei ihm im Labor tätig. Nebenbei betreut er ein eigenes Internetprojekt, tauscht sich mit seinen Programmierern in Indien und Kanada aus und ist natürlich auch der Freizeit gegenüber nicht abgeneigt, die er gern sportlich in der Natur verbringt, oder mit Reisen.
Die nächste Stufe – Plan B
Seine Dissertation wird Daniel Pressl im Mai 2009 abschließen. Für danach gibt es natürlich schon Pläne. Mögliche Optionen sind das MIT selbst oder ein großer Automobilhersteller in Kalifornien, dessen Lockruf schon deutlich zu hören ist. Jedenfalls fühlt er sich in den USA sehr wohl und hat auch vor, längerfristig dort zu bleiben. Dennoch wird er bestimmt mit Österreich in Verbindung bleiben und noch einiges bewegen, auch wenn sogar ein Pressl-Tag nur 24 Stunden hat.