Im Portrait: Dr. Monika Kriewald
Die Vernetzerin
„Ohne das Internet kann ich nicht mehr leben,“ sagt Dr. Monika Kriewald und lacht.
Und das ist auch kein Wunder, denn die gebürtige Österreicherin kommuniziert nicht nur täglich über das Internet-Telefon Skype mit ihrer Familie in Deutschland, sondern hat die Beschäftigung mit dem weltweiten Netz auch zu ihrem Beruf gemacht: Seit kurzem ist sie Dozentin an der Fachhochschule St. Pölten, wo sie im Department Wirtschaft & Medien unterrichtet.
Medium mit unausgeschöpftem Potenzial
Ihr Forschungsbereich ist das „mobile Customer Relationship Management“, konkret gesagt, die Umwandlung von Daten für ein mobiles Internet. Da die vorhandenen Inhalte meistens nur für das "normale" Internet aufbereitet werden, müssen die Daten für mobile Empfangsgeräte, wie beispielsweise Handys, verändert werden - damit man mit diesen ebenfalls eine Reise buchen oder bei Ebay mit bieten kann. Aber hier ist die Entwicklung, Ihrer Ansicht nach, etwas stehen geblieben:
„Ich sehe das Internet als Gegenwartsmedium mit noch nicht ganz ausgeschöpftem Potenzial. Niemand konnte sich beispielsweise vor 10 Jahren vorstellen, Waren über ein nicht real vorhandenes Geschäft zu kaufen“ erklärt sie ihre Faszination.
Ein langer Weg
Doch der Weg zur Dozentin mit dem Forschungsgebiet Internet war für Monika Kriewald alles andere als vorgezeichnet. In Linz geboren und aufgewachsen, machte sie nach der Schule zunächst eine Ausbildung zur Hotelkauffrau und arbeitete danach in verschiedenen österreichischen Hotels. Doch zwischendurch plagte sie das Fernweh:
„Schon während meiner Ausbildung hatte ich immer den Traum, nach Amerika zu gehen und sei es nur als Au pair.“
Durch Bekannte ergab sich die Möglichkeit für ein halbes Jahr in die Vereinigten Staaten von Amerika, in die Nähe von Boston, zu gehen und dort ein Trainee im Bereich Hotelmanagement zu absolvieren.
Sprachtest für Deutsch
Nach ihrem USA-Aufenthalt zog sie nach Deutschland, in die Nähe von Frankfurt - der Liebe wegen. Doch schnell begriff sie, dass sie ohne Abitur niemals in das höhere Hotel-Management aufsteigen kann. Also meldete sie sich an einem Abendgymnasium an.„Das Kuriose dabei war, dass ich als Österreicherin einen schriftlichen Aufnahmetest in Deutsch machen musste“ erinnert sie sich.
Nach dem Abitur studierte sie dann in Kassel Wirtschaftswissenschaften und wurde kurz vor ihrem Abschluss von ihrem späteren Doktorvater gefragt, ob sie sich nicht vorstellen könnte, bei ihm zu promovieren. Sie konnte. Doch als sie nach fünf Jahren endlich die Promotionsurkunde in den Händen hielt, war ihr alles andere als nach Feiern zumute. Denn ihr Mann, mit dem sie insgesamt acht Jahre verheiratet war, war schwer erkrankt und starb bald darauf.
Durch Zufall nach St. Pölten
Nach diesem Schicksalsschlag bekam Monika Kriewald ein Angebot der Otto Beisheim School of Management, einer privaten Elite-Hochschule in Deutschland. Eineinhalb Jahre arbeitete sie dort als Assistentin des Rektors bis sie durch Zufall auf die Anzeige der Fachhochschule St. Pölten stieß, die sie sofort interessierte. Mit der Hilfe von brainpower austria stellte sie sich Anfang 2008 in Österreich vor und bekam den Job. Jetzt arbeitet sie als Dozentin für Strategisches Management, Wertorientierte Unternehmensführung, Corporate Finance, Controlling und Unternehmensführung. Und obwohl an Fachhochschulen die praxisorientierte Lehre groß geschrieben wird, betont sie: „Auch an FH's ist die Forschung, und damit die Reputation, möglich. Und meine Studenten haben mich jedenfalls mit "Sehnsucht" erwartet.“
Pendeln mit der Patchwork-Familie
Und obwohl sie eigentlich gar nicht unbedingt nach Österreich zurück wollte und ihr erster Eindruck von St. Pölten eher der einer verschlafenen Provinzstadt vor den Toren Wiens war, fühlt sie sich mittlerweile ganz wohl in ihrer neuen Lebens- und Arbeitssituation: „Heute kenne ich mich etwas aus in St. Pölten und weiß, dass die guten Heurigen außerhalb liegen und die Bürgersteige ab 18:30 bzw. 17:30 Uhr am Wochenende hochgeklappt werden. Dafür liegen Wien und eine herrliche Natur vor der Tür. Und ich genieße es, zu Fuß zur Arbeit zu gehen.“
Mit ihrem neuen Lebensgefährten, ein niedergelassener Gynäkologe, und seinen drei Kindern, bildet sie eine bunte Patchwork-Familie, die alle zwei Wochen zwischen Deutschland und Österreich hin- und herpendelt. Die endgültige Entscheidung über einen gemeinsamen Wohnsitz steht dabei noch aus: „In drei bis fünf Jahren werden wir über unser gemeinsames Lebenskonzept diskutieren und dann die Weichen dafür stellen“ ist sie sich sicher.
Bis dahin freut sich eben ihre österreichische Familie, also Eltern, Großmutter, Geschwister, Cousins und Cousinnen darüber, dass Monika Kriewald wieder in der Nähe und in ihrer Heimat lebt.