Im Portrait: DI Peter Enderle

Der Nachhaltigkeitsfaktor
 
„Lebt man eine Zeitlang im Ausland, lernt man erst zu schätzen, was man eigentlich aufgibt und zurücklässt – ich habe in meiner Zeit in Dresden zum ersten Mal verstanden, was Heimat, Wurzeln und Herkunft bedeuten“, sagt Diplom-Ingenieur Peter Enderle.
 
Heute lebt und arbeitet der gebürtige Steirer wieder in Graz. Und in gewisser Weise trägt der Umwelttechniker dazu bei, dass die einzigartige Natur seiner Heimat erhalten bleibt, denn Peter Enderle arbeitet am Institut für Nachhaltige Techniken und Systeme am JOANNEUM Research. Die Forschungsgesellschaft unterstützt Industrie-Betriebe darin, ökonomische und ökologische Unternehmensziele in Einklang zu bringen. „Der effiziente Umgang mit der Ressource Wasser in Unternehmen ist ein Leitgedanke in meiner täglichen Arbeit“, sagt er.   
 
Die Liebe zum Wasser
 
Geboren und aufgewachsen ist Peter Enderle in Leibnitz, einer südsteirischen Kleinstadt mit rund 6.000 Einwohnern. Nach der Schule studierte er an der FH Joanneum in Kapfenberg und spezialisierte sich dabei auf Umwelttechnik. Besonders das Wasser, bzw. der wirtschaftliche Umgang mit dieser Ressource, lag ihm schon damals am Herzen: „Es geht mir um eine ganzheitliche Betrachtung von Energie-, Wasser- und Stoffkreisläufen in industriellen Prozessen. Und Wasser stellt das wichtigste Transportmedium für Energie und Wertstoffe dar“, erklärt er sein Forschungsinteresse.
 
Von der Steiermark an die Elbe – und zurück
 
Nach seiner Diplomarbeit zog es Peter Enderle dann an ein fremdes Wasser, nach Dresden an die Elbe. Der Fluss war in der DDR stark verschmutzt, da viele Industriebetriebe und Gemeinden ihre Abwässer teilweise völlig ungeklärt einleiteten. Doch nach der Wende fand ein Umdenken statt. Zwar gibt es heute noch keine Badeanstalten entlang der Elbe, wie es noch in den fünfziger Jahren der Fall war, aber durch neue technische Systeme ist die Wasserqualität stark verbessert worden.
Von diesen Erfahrungen der Ostdeutschen konnte Peter Enderle profitieren: An der Technischen Universität Dresden war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich der Industriewasserwirtschaft tätig. Nebenbei lernte er die Gegend um Dresden kennen und lieben. „Der Osten Deutschlands hat viele kulturelle Angebote. Und Landschaften wie das Elbsandsteingebirge bieten einmalige Kulissen für jegliche Art der Freizeitbeschäftigung“, sagt er noch heute begeistert. Schwierigkeiten hatte er anfangs nur mit dem sächsischen Dialekt, erinnert er sich lachend: „Man hat zwar die gleiche Muttersprache, dennoch spricht man oft eine andere Sprache – und vielfach habe ich zu Beginn gewisse Gesten als unfreundlich aufgefasst, obwohl diese nicht so gemeint waren. Kommunikation passiert eben auch auf nonverbaler Ebene. Und die muss man genauso lernen, um sie zu verstehen.“
 
Nachhaltigkeit im Job und im Privatleben
 
Aber irgendwann wollte er wieder zurück nach Österreich. Mit Hilfe von brainpower austria kam er im Juli 2007 nach Graz zu einem Bewerbungsgespräch. Peter Enderle bekam den Job und beschäftigt sich heute am JOANNEUM Research unter anderem mit biologischer Abwasserreinigung. Für ihn ein Glücksfall: „Die Entscheidung, nach Graz zurückzukehren, ist mir sehr leicht gefallen, denn irgendwann muss man die Wahl treffen, wo man seine Zukunft und seinen Lebensmittelpunkt sieht. Dazu kam, dass mir eine Stelle angeboten wurde, die genau meinen beruflichen Vorstellungen entspricht.“
Aber neben der Nachhaltigkeit in Sachen Umwelt ist dem begeisterten Hobby-Bergsteiger noch eine andere Sache sehr wichtig: „Arbeit und Privatleben müssen eine Symbiose darstellen, nur wenn man in beiden Bereichen glücklich ist, kann man erfolgreich sein“, sagt er überzeugt.
 
Schritt für Schritt zur Doktorarbeit
 
Dieser Überzeugung bleibt Peter Enderle auch in seiner weiteren Lebensplanung treu. Denn neben seiner Arbeit am Joanneum ist er auch noch als Doktoratsstudent an der TU Graz eingeschrieben. Ein spezielles Thema hat er für die Dissertation noch nicht gefunden, nur mit Wasser wird sie wohl wieder zu tun haben. „Ich sehe die Arbeit aber eher als langfristiges Ziel“, betont er.
Vielleicht zweifelt man gerade deswegen keinen Augenblick daran, dass der Bergsteiger Peter Enderle auch dieses Ziel nachhaltig und Schritt für Schritt erreichen wird.

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