Im Portrait: Dr. Stefan Rotter

Über den Tellerrand
 
„Am Anfang des Studiums wollte ich noch, wie so viele andere theoretische Physiker auch, die große Weltformel entdecken“, sagt Dr. Stefan Rotter gut gelaunt. „Aber im Laufe des Studiums habe ich erkannt, dass es in der Physik auch andere Herausforderungen gibt, die nicht weniger interessant und näher dran sind an einer experimentellen Realisierung.“
 
Der Weg nach Yale
 
Der Satz passt zu dem eindrucksvollen Lebenslauf des 33-jährigen Österreichers. Denn Stefan Rotters Neugier beschränkt sich nicht auf die Herausforderungen seiner Profession, der theoretischen Physik, sondern berührt auch andere gesellschaftliche und kulturelle Bereiche. Und seine Neugier war es auch, die ihn bis nach Yale führte, an die amerikanische Eliteuniversität an der Ostküste, an der er bis vor kurzem für zwei Jahre forschte.
 
Zivildienst bei der Anne Frank Stiftung
 
Aber der Reihe nach: Geboren in Wien, aufgewachsen im niederösterreichischen Yspertal, studierte Stefan Rotter zunächst Physik in Wien und Lausanne. Nach dem Physik-Diplom war er auf der Suche nach einer möglichst sinnvollen Aufgabe für seinen Zivildienst und stieß auf den in Wien ansässigen Verein Gedenkdienst. Diese Einrichtung ermöglicht einen so genannten „Zivilersatzdienst“ bei Holocaust-Gedenkstätten im Ausland. Er bewarb sich und wurde nach Amsterdam an die Anne Frank-Stiftung vermittelt, wo er hauptsächlich Ausstellungs- und Theaterprojekte betreute. „Dass ich damals derartig interessante Erfahrungen sammeln und Menschen kennen lernen durfte, betrachte ich als ein riesiges Glück“, sagt er heute über diese Zeit.
 
Den wissenschaftlichen Horizont erweitern
 
Nach diesem Blick über den physikalischen und universitären Tellerrand ging Stefan Rotter im Jahr 2000 wieder zurück an die Uni, nach Wien, um seine Doktorarbeit zu schreiben. Gleich im Anschluss daran bekam er eine Stelle als Universitätsassistent am Institut für Theoretische Physik der TU Wien, wo er sich seitdem unter anderem mit der Quantenmechanik, der Mikro-Optik und der Festkörperphysik beschäftigt. Doch dann zog es ihn abermals in die Ferne: Mit einem Max-Kade-Stipendium der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und mit einer Reisekostenunterstützung durch brainpower austria ging er 2006 in die USA - an die Eliteuniversität Yale. „Ich wollte zum damaligen Zeitpunkt meinen wissenschaftlichen Horizont erweitern. Die Entscheidung für Yale war dafür genau richtig“, sagt er über seine damalige Intention, ins Ausland zu gehen.
 
Erforschung der Mikrolaser
 
In Yale begann er am Department of Applied Physics an neuen Themen zu forschen. Besonders die physikalischen Grundlagen der Mikrolaser hatten es ihm dabei angetan, mit deren Hilfe es beispielsweise in Zukunft möglich sein wird, Tumorgewebe im Körper zu kennzeichnen. Nach zwei Jahren kehrte Rotter dann nach Österreich zurück: „Yale ist eine tolle wissenschaftliche Institution mit viel Tradition und einem herrlichen Campus. Ich war sehr gerne in den USA und habe viel dazugelernt. Trotzdem bin ich auch gerne wieder nach Österreich gekommen“, betont er.
 
Musik als Ergänzung zur Physik
 
In seinem Wiener Instituts-Büro forscht der Physiker derzeit weiter über die Mikrolaser - meistens am Computer, an dem er versucht, physikalische Sachverhalte zu simulieren, und meistens bis spät in den Abend hinein: „Mein Tag am Institut dauert oft bis nach 22 Uhr - und meistens bin ich auch am Wochenende zumindest teilweise im Büro“, sagt er über seine Forschungsarbeit, die irgendwann in eine Habilitation münden soll. Zur Entspannung hört er dabei oft klassische Musik - neben der theoretischen Physik eine weitere Leidenschaft von Stefan Rotter, der für einige Jahre sogar Obmann des TU-Orchesters war und auch schon im ORF-Radio als Gastmoderator eine Sendung moderierte. „Glücklicherweise hört mein Bürokollege aus Japan gerne mit“, sagt er und ergänzt: „Durch die Harmonie und die Struktur ist Musik für mich die ideale Ergänzung zum Nachdenken über Physik.“
 
Und wer weiß, vielleicht entdeckt Stefan Rotter mit diesem horizonterweiternden Hilfsmittel und seiner Neugier sie eines Tages ja doch noch - die große Weltformel.

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