Austrian Science Talk 2008
Zum insgesamt fünften Mal veranstaltete das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (bmvit) im Rahmen von brainpower austria den Austrian Science Talk in Nordamerika und mehr als 100 österreichische ForscherInnen folgten der Einladung nach Chicago.
Eine frische Brise in der „Windy City“
Rap-Musik füllte den Saal als das Licht zum ersten Mal gedämpft wurde und auf der Leinwand erschien ein Video, das Wissenschaft auf eine ganz neue Weise und in neuen Dimensionen erklärt: Der
LHC-Rap von WissenschaftlerInnen des CERN, über Youtube mit mehr als 3,5 Millionen Aufrufen weithin verbreitet und dabei wissenschaftlich inhaltlich völlig korrekt. „Österreich kann da mithalten“ meinte Christian Müller scherzhaft in seiner Einstiegsmoderation und zeigte als Vergleich Josef Penningers Beitrag zu einem internen Wettbewerb am IMBA/IMP
„Dance your PHD“, der mit etwa 350 Aufrufen dagegen aber zumindest quantitativ etwas bescheiden wirkt.
In ihrem Eröffnungsstatement betonte auch Staatssekretärin Christa Kranzl, dass Österreich im internationalen Feld mithalten könne, Nischen besetzt habe und sich nicht zu verstecken brauche. Die drei Prozent Forschungsquote für 2010 sei für Österreich als eines der wenigen Länder Europas tatsächlich erreichbar, für 2020 heißt das große Ziel vier Prozent, wie es zum Beispiel in der Steiermark bereits jetzt erreicht wurde. Forschung und Entwicklung bezeichnete Kranzl als Schlüsselfaktoren für den Wirtschaftsstandort Österreich und als wesentlichen Impuls für Beschäftigung. Natürlich gebe es auch Schwachstellen, wo man ansetzen müsse. In diesem Zusammenhang nannte sie brainpower austria als eine wichtige Initiative, um das Know-How aus dem Ausland zu gewinnen und Top-WissenschaftlerInnen für Österreich zu interessieren.
Ingolf Schädler zog in seinen Begrüßungsworten Resümee und verglich die ersten Austrian Science Talks scherzhaft mit der Ankunft der Argonauten, die gegen Westen gezogen waren. Umso erfreulicher sei es, wie sich die Veranstaltung in den letzten Jahren zu einem der wichtigsten Netzwerktreffen in Nordamerika entwickelt hat. Schädler informierte über den klaren politischen Konsens, weiter in Forschung und Entwicklung zu investieren und bereits früh über die so wichtigen nächsten Schritte nachzudenken. Mit der laufenden Systemevaluierung soll der „Blumenstrauß an Förderprogrammen sortiert werden“ und es müsse klar weiter in Grundlagenforschung investiert werden, so Schädler. Als wegweisend nannte er auch den österreichischen Forschungsdialog und das internationale Peer Review von CREST, das sowohl Stärken als auch Schwächen des österreichischen Innovationssystems aufzeigte. „Man darf wirklich stolz darauf sein, was sich in Österreich tut“, meinte Schädler zusammenfassend, und betonte die steigende Sichtbarkeit Österreichs im internationalen Rampenlicht.
Neues aus dem Innovations- und Bildungssystem
Unter dem Titel „Von der Neugier zum Nutzen – Österreichs Innovations- und Bildungssystem“ eröffnete
Wolfgang Knoll, neuer wissenschaftlicher Geschäftsführer der Austrian Research Centers, den Block der wissenschaftsthematischen Vorträge. Die neue Aufgabe sei eine besondere Herausforderung für ihn, erzählte Knoll eingangs, praktisch gemeinsam „diese letzte Chance zu nutzen und etwas daraus zu machen“. Was er aus dem in Zukunft „Austrian Institute of Technology“ (AIT) betitelten Unternehmen machen wolle, erklärte er anhand einiger Arbeitsgebiete und Forschungsbeispiele. Die Themen liegen auf der Hand und lehnen sich bewusst an jene aus dem siebten EU-Rahmenprogramm an. Das Portfolio der gerade im Umbruch befindlichen AIT setzt sich aus den Themen Safety & Security, Health & Environment, Energy, Mobility und Foresight & Policy Development zusammen. Das AIT brauche sicher etwas Zeit, meinte Knoll realistisch, aber das Potenzial sei da und der enorme Wille und die Exzellenz der WissenschaftlerInnen sollen die Erfolgsbasis bilden. „Man wird von uns hören“, versprach Knoll zum Schluss, und appellierte an die TeilnehmerInnen, sich den neuen Namen und die Abkürzung einzuprägen.
Grundlagenforschung und Universitätskarrieren standen im Mittelpunkt von
Christoph Kratkys Vortrag. Der Präsident des Wissenschaftsfonds (FWF) präsentierte eine Reihe von Zahlen und Statistiken, die zeigten, dass Österreich trotz steigender Forschungsquote beim wissenschaftlichen Output noch lange nicht an der internationalen Spitze ist. Bei den Zitierungen pro 1000 Einwohner liegt Österreich zum Beispiel aktuell an 15. Stelle weltweit. Es sei keine besonders große Leistung Länder wie Simbabwe zu überholen, meinte Kratky dazu selbstironisch. Führend ist in dieser Statistik übrigens die Schweiz, gefolgt von Schweden, Dänemark und Finnland, den „üblichen Streberländern“, wie Kratky sie scherzhaft bezeichnete. Gründe in all diesen Entwicklungen sah er darin, dass es in Österreich generell weniger WissenschaftlerInnen gibt. Es werde weniger publiziert, weniger zitiert und es gebe weniger Leistungsträger. Nur rund 20 Prozent aller österreichischen (wissenschaftlichen) Universitätsbediensteten stellen einen Antrag beim FWF. Gleichzeitig ist auch die Bewilligungsrate von Einzelprojekten gefallen, seit 2004 aber wieder steigend. Dass dieser Umschwung mit dem Beginn seiner eigenen Tätigkeit beim FWF zusammenfällt bezeichnet Kratky aber als angenehme Koinzidenz. Zum Thema Rückkehrmöglichkeiten nach Österreich verwies Kratky darauf, dass zum Beispiel 70 Prozent aller Schrödinger-StipendiatInnen wieder nach Österreich zurück gingen und 50 Prozent nach 15 Jahren eine Professur inne hatten.
Einer, der sich schon sehr lange mit viel Eigeninitiative für eine Internationalisierung der Forschung im Sinne einer Brain-Circulation einsetzt, ist
Bruno Buchberger, Gründer des Softwareparks Hagenberg. Mit seinen Bemühungen und zukünftigen Zielen richtete er in seinem Statement drei Botschaften an die TeilnehmerInnen. Erstens freue es ihn, so viele junge österreichische WissenschaftlerInnen vor sich zu sehen, die in Nordamerika leben und arbeiten. Gleichzeitig hoffe er aber, dass vielleicht doch die eine oder der andere auch wieder einmal nach Österreich zurückkehre. Trotz Email und anderen modernen Kommunikationsmitteln empfahl er allen, doch einmal persönlich zu kommen, auch, wenn es nur für kurze Zeit sei. Vieles habe sich verändert in Österreich, und das könne man nur persönlich spüren. Das war gleichzeitig schon sein zweiter Punkt, nämlich die Atmosphäre, die sich deutlich geändert habe, und das sei nur schwer in Kurven darstellbar. Aus eigener Erfahrung wusste Buchberger zu berichten, dass jene, die wirklich etwas bewegen wollen, in Österreich auf offene Türen treffen werden. Botschaft Nummer drei war, dass nicht nur in Österreich versucht werde, junge Talente ins Land zu holen. Diesen Weg gilt es zu gehen und zu nutzen. Der Abfluss an WissenschaftlerInnen ins Ausland muss kompensiert werden, aber nicht nur mit den österreichischen Expats, sondern viel wichtiger noch mit Menschen aller Nationalitäten, um endlich ein globaleres Denken zu etablieren. Mit seinem neuen
internationalen Master’s Program geht Buchberger diesen Weg ganz gezielt und mit anderen Initiativen auch schon sehr lange und erfolgreich.
Das World Cafe öffnet wieder seine Türen
Nach der Mittagspause begrüßten die ReferentInnen wie schon im Vorjahr „ihre Gäste“ am Nachmittag in einem World Cafe. Zusätzlich zu den ReferentInnen am Vormittag standen noch weitere ExpertInnen als Tischhosts zur Verfügung. Philipp Marxgut, Direktor des Office of Science & Technology (OST), stellte an seinem Tisch die Frage, ob das OST wirklich eine echte Unterstützung für österreichische WissenschaftlerInnen in Nordamerika darstellt. Zum Thema „ERC – EU-Stimulanz für wissenschaftliche Exzellenz“ stand Sabine Herlitschka Rede und Antwort. Als Leiterin der Europäischen und Internationalen Programme (EIP) in der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) war sie gefragte Ansprechperson für Möglichkeiten der Forschungsförderung auf europäischer Ebene. Weiters standen Rene Siegl und Gisbert Mayr von der Austrian Business Agency (ABA) bereit, um das Themenfeld der Unternehmensgründung in Österreich abzudecken. Zuletzt konnten sich die TeilnehmerInnen noch Information zu steuerrechtlichen Fragen von Michael J. Richter holen, einem amerikanischen Steuerberater in Chicago mit österreichischen Wurzeln.
In insgesamt sechs Runden wurde vieles diskutiert und viele Fragen aufgeworfen und teilweise auch beantwortet. Die Themen der TeilnehmerInnen waren vielfältig und drehten sich um Dinge wie Karrieremodelle an Österreichs Universitäten, Möglichkeiten in der Forschungsförderung, Informationsfluss zu Ausschreibungen und Deadlines aber auch sozialrechtliche Fragen und Angelegenheiten der Staatsbürgerschaft und Einwanderung.
Die Redezeit an den Tischen im World Cafe war zeitlich begrenzt. Was im World Cafe nicht mehr Platz hatte, wurde anschließend im Foyer bei dem einen oder anderen Drink weiter diskutiert. Die Zeit bis zur Abendveranstaltung im nahe gelegenen Gleacher Center nutzten viele für einen Spaziergang zum Chicago River oder auch als willkommene Shoppinggelegenheit auf der belebten Michigan Avenue.
Dinner for two - 2 Experten diskutieren zur Wahl in den USA und die Rolle der Wissenschaft
Der letzte Programmpunkt vor dem abschließenden Dinner war eine spannende Diskussion zur bevorstehenden Wahl in den USA und die möglichen Auswirkungen auf Wissenschaft und Forschung. Reinhard Heinisch, Professor für Politikwissenschaft, University of Pittsburgh at Johnstown, und Norman Neureiter, Direktor des Center for Science, Technology and Security Policy, AAAS (und ehem. Wissenschafts- und Technologieberater der Außenminister Albright und Powell) brachten kurze Eingangsstatements zum Thema. Heinisch durchleuchtete die Stellung des amerikanischen Präsidenten und die Rolle der Wissenschaft, die in den Kampagnen beider Spitzenkandidaten nur eine Randerscheinung sei. Das System funktioniere in den USA ganz anders, als in anderen Ländern. Wissenschaft habe in den USA mit einer gewissen Grundskepsis der Menschen zu kämpfen, ebenso spiele religiöser Fundamentalismus eine große Rolle. Die Gelder für Forschung und Entwicklung aus öffentlicher Hand sinken, nur das Militär steigert seine Forschungsausgaben konsequent, denn gerade Angst und Krieg schufen ein gesteigertes Bewusstsein für die Wissenschaft.

Auch Neureiter meinte, dass sich seit 9/11 die US-Regierung auf das Thema Krieg konzentriert und das Image der Nation zusehends sinke, auch für WissenschaftlerInnen aus aller Welt. Strenge Visumsbestimmungen machen es den Leuten zusätzlich schwer, ins Land einzureisen. Deshalb werden viele wichtige Konferenzen zusehends im Ausland abgehalten, weil es in den USA für viele zu kompliziert werde. Neureiter glaube, dass heute auch nicht mehr unbedingt nur die Top-Studierenden in die USA kommen, weil die Standards mittlerweile auch woanders genauso gut seien. Speziell durch die aktuelle Finanzkrise wird diese Wahl aus Neureiters Sicht für das Land besonders wichtig werden. Beide Experten waren sich jedenfalls einig, dass wer immer der nächste Präsident der USA wird, er eine starke Person als Science Advisor an seiner Seite brauchen werde.
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Norman Neureither verfasste zum Thema „Presidential Elections and Their Impact on Science & Technology in the US” einen Beitrag in der aktuellen Ausgabe von “bridges”, Volume 19. |
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Der Austrian Science Talk 2008 war wieder eine einzigartige Chance, viele österreichische WissenschaftlerInnen an einem Ort zusammen zu bringen und das Netzwerk zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Politik enger zu knüpfen. Im Namen des Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie möchten wir uns sehr herzlich bei allen TeilnehmerInnen für Ihre Zeit und Ihr Interesse bedanken und natürlich besonders bei all jenen, die mitgeholfen haben, diese Veranstaltung zu ermöglichen. Wir freuen uns schon darauf, Sie auch im nächsten Jahr wieder begrüßen zu dürfen!
(Oktober 2008)