Im Portrait: Dr. Eduard Stefan
Von Tirol nach Tirol

Geboren ist er in Tirol und seit August 2008 arbeitet er auch hier - doch für Dr. Eduard Stefan ist sein neuer Job ein echter Neuanfang: „Ich bin zwar in Lienz, also in Osttirol, geboren, aber aufgewachsen bin ich in den Kärntner Bergen“, erklärt der 32-jährige Molekularbiologe, der
jetzt am Institut für Biochemie in Innsbruck arbeitet. Die Übersiedlung in das Nachbarbundesland sollte nicht der letzte Ortswechsel in seinem bisherigen Lebens- und Karriereweg sein. Der führte ihn nämlich an so unterschiedliche Orte wie Wien, Berlin und schließlich in das kanadische Montréal.
Die unbekannten Welten der Molekularbiologie
Eduard Stefan wuchs in Kärnten auf einem kleinen Bauernhof auf, „die Schipiste immer vor der Nase und den Gipfel des Kalkmassivs Reißkofel im Rücken“, erzählt er. Die Landschaft seiner Kindheit tauschte er nach der Matura zunächst mit der österreichischen Hauptstadt ein, um Biologie zu studieren. Doch schon bald zog es ihn in eine andere Hauptstadt, nämlich in die deutsche. „Meine Freundin Marion und ich hatten uns Berlin ausgesucht, um tiefer in die unbekannten Welten der Pharmakologie - und auch der Kulturmetropole - abzutauchen.“
In Berlin erstellte er von 2002-2005 am Institut für Molekulare Pharmakologie der Freien Universität seine Doktorarbeit. Dabei forschte er an den Mechanismen fehlgeschalteter hormoneller Signalwege, die unter anderem auch bei Erbkrankheiten auftreten. „Was mich an der Biologie interessiert hat, ist die Unmenge offener Fragen, besonders im Bereich Life Science, die es einem ermöglichen, der wissenschaftlichen Kreativität freien Lauf zu lassen.“ Nur eine Sache vermisste er in Berlin: die Berge. „Ich habe zwar das Leben in Kreuzberg und Prenzlauer Berg genossen, aber für Schipisten reicht es eben doch nicht.“
Luna und Samuel
Doch schon bald sollte sich sein Wunsch nach richtigen Wintersportmöglichkeiten erfüllen - wenn auch etwas anders, als er es aus der Landschaft seiner Kindheit gewohnt war: Ab 2005 konnte Eduard Stefan mit einem PostDoc-Stipendium an der Université de Montréal am Department of Biochemistry arbeiten. Hier erlernte er neue molekularbiologische Technologien, um dadurch Signalnetzwerke in pathologischen Zellen aufzuklären.
„In Montréal hatte ich alle Freiheiten, meine Projekte voranzutreiben. Mit der Zeit habe ich versucht, mit meinen dortigen Kollegen gemeinsame Projekte auf die Beine zu stellen. Im Team, glaube ich, ist man doch erfolgreicher als nur als Einzelforscher - und man verrennt sich auch nicht so schnell“, ist Eduard Stefan überzeugt.
Auch im Privaten war Kanada für den Wissenschaftler und seine Partnerin eine wichtige Station: Hier kamen ihre beiden Kinder Luna und Samuel auf die Welt. Die junge Familie genoss besonders den Indian Summer und die winterlichen Ausflüge zum Eisfischen und Langlaufen. „Wir erlebten aber auch eisige Winter, die nicht enden wollten.“
Entstehungsprozesse von Krebszellen erklären
In etwas mildere Gefilde ging es dann im Sommer 2008: Im Jänner hatte sich Eduard Stefan - unterstützt durch einen Interview Grant von brainpower austria - in Tirol beworben. Mit Erfolg. Er erhielt eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Biochemie in Innsbruck. Seinen Forschungsbereich erklärt er so: „Es geht darum, die Signalweiterleitung in gesunden und malignen Zellen zu vergleichen und dann auch zu verstehen. Durch die Analyse neuer Feedbackmechanismen und posttranslationaler Modifikationen will ich versuchen, Entstehungsprozesse von fehlgeschalteten Signalwegen in Krebszellen zu erklären und auch zu modifizieren.“
Eduard Stefan plant, in Innsbruck eine Arbeitsgruppe aufzubauen und diese in ein internationales wissenschaftliches Netzwerk einzubetten. „Ich freue mich schon, im Team zu forschen und auf die Möglichkeit, motivierte und wissbegierige Studenten mitauszubilden.“ Natürlich steht in der nächsten Zeit auch noch eine andere wichtige Aufgabe an: mit seinen Kindern und seiner Frau die Tiroler Bergwelt zu erkunden. „Ich bin mir aber sicher, dass es uns auch immer wieder kurz in ‚unsere’ Metropolen ziehen wird - sei es zum Jazzfestival in Montréal, ins Pergamonmuseum in Berlin oder auch in den Schönbrunner Tiergarten.“