Im Portrait: Dr. Werner Olipitz
Den Gendefekten auf der Spur

„Die Hämatologie verbindet die zwei für mich faszinierendsten Bereiche der Medizin: den engen Kontakt mit Patienten und die topaktuelle Forschung“, das ist so etwas wie das berufliche Mission Statement von Dr. Werner Olipitz, der derzeit am Massachusetts Institute of Technology in den USA arbeitet. Man könnte auch sagen, dass der 33-jährige Mediziner seine Neugierde zum Lebensmotto gemacht hat - Neugierde auf andere Menschen und auf neue Forschungswege.
Geboren und aufgewachsen ist Werner Olipitz in Kärnten. Nach dem Medizinstudium in Graz und der Promotion wurde ihm eine Stelle an der Klinischen Abteilung für Hämatologie an der Grazer Universität angeboten. Im Oktober 2005 unterbrach er dann seine Facharztausbildung, um an einer der angesehendsten Universitäten der Welt zu forschen, dem MIT in Cambridge.
Per Aspera ad Astra - und ASciNA
Hier kann er als Postdoctoral Researcher am Department of Biological Engineering seiner wissenschaftlichen Neugier über die allgemeinen Prinzipien der Krebsentstehung - „von Leukämie bis Lymphdrüsenkrebs“ - freien Lauf lassen. Auch wenn das ein großes Arbeitspensum und einen vollgepackten Tagesablauf bedeutet. Doch der Lohn für so viel Einsatz besteht für Werner Olipitz darin, dass er in einem Gebiet arbeitet, in dem die Forschung „in sehr kurzer Zeit zu neuen Diagnoseverfahren und Therapieansätzen führen kann“.
Nebenbei engagiert sich der Wissenschaftler noch bei ASciNA, einem österreichischen Forschungsnetzwerk in Nordamerika mit über 600 Mitgliedern. Die „Austrian Scientists and Scholars in North America“ treffen sich regelmäßig zum wissenschaftlichen und privaten Austausch und beraten heimische AkademikerInnen, die einen Auslandsaufenthalt planen. Gerade hat er in Wien das „ "ASCINA-brainpower Mentoring Program “ vorgestellt, das in Kooperation von ASciNA und brainpower austria durchgeführt wird. Die Idee dahinter: NachwuchswissenschaftlerInnen, die in Nordamerika forschen möchten, soll ein(e) bereits länger dort arbeitende(r), erfahrene(r) ForscherIn zur Seite gestellt werden.
Therapie für Reparaturdefekt?
Derzeit untersucht Werner Olipitz den Einfluss von verschiedenen DNA-Reparaturmechanismen auf die Entstehung von Krebs. Mutationen der Erbsubstanz (DNA) gelten als eine der Hauptursachen für die Entstehung dieser lebensbedrohlichen Krankheit. Die Zellen des Körpers besitzen eigentlich ein natürliches Reparaturprogramm, das solchen Veränderungen entgegenwirkt. Doch manchmal versagt es. Am Mausmodell erforscht der Mediziner deswegen, ob Defekte in einem bestimmten Reparaturmechanismus die Entstehung von Krebs im Rahmen chronischer Entzündungen begünstigen. „Wenn ja, gäbe es die Möglichkeit, die Krebszellen mit dem Reparaturdefekt ganz gezielt mittels einer Therapie zu bekämpfen.“
Die kindliche Neugier ausleben
Zum Ausgleich der intensiven Forschungsarbeit treibt Werner Olipitz Sport, kocht oder besucht mit seinen Freunden in Boston klassische Konzerte. Aber auch der Kontakt zu Freunden und Verwandten in Österreich ist ihm wichtig: den hält er über Emails und Skype.
Derzeit kann sich Werner Olipitz beides vorstellen: sowohl in Nordamerika zu bleiben als auch wieder nach Europa zurückzukehren. Festlegen will er sich noch nicht, denn „diese Entscheidung beeinflussen letztlich ganz viele Faktoren“, wie er sagt. An den USA beeindrucken ihn die flachen Hierarchien und der Enthusiasmus im Arbeitsleben: „Leistung zählt und wird beachtet.“ Der Preis dafür ist allerdings ein intensiveres Wettbewerbsdenken, das dem/r einzelnen ForscherIn viel abverlangt - „einfach mehr competition“, wie Werner Olipitz es knapp auf den Punkt bringt.
Doch wohin es ihn in Zukunft auch verschlagen wird, für ihn zählt, dass er in der Forschung - und mit anderen ForscherInnen zusammen - seine „kindliche Neugier ausleben kann“. Sicher nicht die schlechteste Voraussetzung, um einen Beitrag zum besseren Verständnis von Krebserkrankungen zu leisten.