Im Portrait: Dr. Veronika Schöpf

Der Duft der großen weiten Mathematik
 
„Für mich war immer schon klar, dass ich Mathematik studieren muss“, erinnert sich Dr. Veronika Schöpf. Vielleicht, weil sie damit aufgewachsen ist, denn ihre Mutter war Mathematiklehrerin. Doch die Tochter hat sich dafür entschieden, ihr Wissen zur Unterstützung einer anderen Wissenschaft einzusetzen – der Medizin. Die gebürtige Tirolerin studierte an der Universität Innsbruck ein Fach, das sich „in den verschiedensten Bereichen anwenden lässt“: Technische Mathematik. „Trotz komplexer Theorie liefert diese Wissenschaft immer ein Ergebnis, mit dem interdisziplinär gearbeitet werden kann“, erklärt Veronika Schöpf. Dies stellte sie bereits mit ihrer Diplomarbeit unter Beweis.
 
Fehlersuche in der Gerichtsmedizin
 
Für ihre Abschlussarbeit hatte Veronika Schöpf die Möglichkeit, mit dem Institut für Gerichtliche Medizin an der Medizinischen Universität Innsbruck zusammenzuarbeiten. Sie suchte nach Fehlern in DNA-Datenbanken. „Hierdurch wurde mein Interesse geweckt, im medizinisch-biologischen Bereich weiterzuarbeiten“, erzählt sie. Veronika Schöpf suchte nun nach einer Möglichkeit, in diesem Gebiet ihre Dissertation zu schreiben. In Deutschland konnte sie sich diesen Wunsch erfüllen: „Es war ein Glücksfall, dass das dort möglich war – als Mathematikerin im Fach Humanbiologie.“
 
Dem Geruchssinn auf der Spur
 
Als Mitglied der Arbeitsgruppe für funktionelle Bildgebung erstellte Veronika Schöpf ihre Doktorarbeit am Institut für Neuroradiologie des Klinikums der Universität München. Ihre Gruppe hatte sich vorgenommen, das olfaktorische System des Menschen zu erforschen. Doch warum arbeitete die Mathematikerin in München daran mit, das Riechsystem zu untersuchen? Bei vielen neuro-degenerativen Erkrankungen – wie Alzheimer oder Parkinson – kündigt sich lange vor den ersten Symptomen, wie z.B. Gedächtnisverlust, eine Einschränkung des Gersuchssinns an. Aber auch bei Erkrankungen wie Anorexie (Magersucht) oder bei der medikamentösen Behandlung von Depressionen wird der Geruchssinn beeinflusst.
„Die direkte Arbeit mit den Patienten war eine besonders interessant Erfahrung, die ich unbedingt machen wollte“, sagt Veronika Schöpf rückblickend über ihre Zeit in München, „wir sind beispielsweise in Selbsthilfegruppen gegangen, um Daten zu erheben“.
 
In Wien: Auswertungsmethoden verbessern
 
Im Juni schloss sie ihre Dissertation ab – seit August 2008 ist Veronika Schöpf wissenschaftliche Mitarbeiterin am „MR-Center of Excellence“ des Instituts für Biomedizinische Technik und Physik der Medizinischen Universität Wien (MR steht für High-field Magnetic Resonance). Unterstützt wurde der Schritt in die Bundeshauptstadt durch einen Interview Grant sowie einen Relocation Grant von brainpower austria. „Auch in Wien bin ich Teil der Arbeitsgruppe für funktionelle Bildgebung und beschäftige mich mit der Verbesserung und Entwicklung von neuen Auswertungsmethoden.“ Als Mathematikerin wird ihre Hauptaufgabe in der Verbesserung der Auswertungsmethoden von Studien bestehen. Eine solche ist für die nächste Zeit mit HNO-Patienten geplant. „Auf die Arbeit mit den Patienten freue ich mich schon“, sagt sie.  
 
Abwechslungsreiches Auswerten
 
Veronika Schöpf kennt keinen gleichförmigen Alltag, denn ihre Arbeit mit Daten hat nichts mit dröhen Zahlen oder Buchhaltung zu tun. „Man versucht, eigene Daten zu erheben und auszuwerten, diese aufzubereiten, sich auf Konferenzen vorzubereiten und neue Ideen zu entwickeln. Derzeit arbeite ich an einer neuen Auswertungsmethode für einen ganz speziellen Bereich der funktionellen Bildgebung – und nebenbei versuche ich, meinen ‚olfaktorischen Hintergund‘ nicht aus den Augen zu verlieren“, versucht sie ihre tägliche Arbeit näher zu beschreiben. 
Nicht nur der menschliche Geruchssinn – und dessen rätselhaftes Aussetzen als Vorbote von Krankheiten – ist ein Bereich, der Veronika Schöpf fasziniert. „In meiner Freizeit bin ich ein totaler Museumsfan, Wien bietet da natürlich tolle Möglichkeiten. Als richtige Tirolerin sehne ich mich aber auch regelmäßig nach den Bergen – schifahren, snowboarden, tourengehen, wandern.“
Für die nächsten Jahre möchte die Mathematikerin und Humanbiologin auf jeden Fall in Wien bleiben, „aber ich könnte mir gut vorstellen, noch einmal für einen Forschungsaufenthalt ins Ausland zu gehen – für einen angeregten Wissensaustausch halte ich es sogar für notwendig“. Vielleicht wird sie also in ein paar Jahren an einem Ort und in einem Bereich forschen, von dem sie jetzt noch gar nichts weiß. Denn die interdisziplinären Möglichkeiten der Mathematik sind schließlich groß.

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