Brain drain in entwickelten Ländern: Neue britische Studie

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Brain drain in developed countries: Can governments do anything to bring expatriates back?” nennt sich eine internationale Studie, die 2010 publiziert wird. Sie geht der Frage nach, was Regierungen eigentlich tun können um Expatriates, die nicht von einer Institution/einem Unternehmen entsendet wurden, sondern „auf eigene Faust“ ins Ausland gingen, bei ihrer Rückkehr zu unterstützen. Autor der Studie ist der österreichische Wissenschaftler Dr. Ingo Forstenlechner, Assistant Professor am College of Business and Economics an der United Arab Emirates University in Al Ain (Vereinigte Arabische Emirate). Neben dem Expatriate-Thema beschäftigt er sich auch mit der Nationalisierung des Arbeitsmarkts in den VAE. Das Paper zur Studie erscheint Anfang 2010 im Journal “Public Policy and Administration”. brainpower austria sprach vorab mit Ingo Forstenlechner zum Stand der Studie, ersten Ergebnissen und absehbaren Trends.
Die Brain-Drain/Brain-Gain-Diskussion gibt es ja schon seit längerem. In den letzten Jahren wurden auch einige Studien zu Migrationserscheinungen Hochqualifizierter durchgeführt. Was ist nun das Neue an dieser Studie bzw. was ist die Motivation dahinter?
Selbst initiierte Expatriation wird dann zu einem Problem für Herkunftsländer, wenn die Expatriates zu permanenten Emigranten werden und deren Arbeit in Lehre, Forschung und Wirtschaft zum Wachstum und zur Wettbewerbsfähigkeit anderer Staaten als dem eigenen beiträgt. Mit dieser Thematik beschäftigen sich verschiedene Programme, wie z.B. brainpower austria, der Wolfson Foundation Research Award (GB), Rientro dei cervelli (Italien) oder Ramon y Cajal (Spanien). Die Relevanz des Themas beschränkt sich jedoch keineswegs nur auf den Bereich Forschung. Neu an dieser Entwicklung ist, dass sich auch entwickelte Länder damit auseinandersetzen müssen, da oft auch Netto-Migrationsgewinner einen nicht unerheblichen Anteil an gut ausgebildeten Staatsbürgern verlieren.
Worauf basieren Ihre Ergebnisse? Was sind die Instrumentarien der Studie?
In der von einer britischen, regierungsnahen Institution finanzierten Studie, wurden qualitative Interviews mit insgesamt 42 “RückkehrerInnen” in deren Heimatländern (Österreich, Deutschland, Frankreich und Großbritannien) geführt, um deren Motivation zur Rückkehr und eine eventuelle Inanspruchnahme von Hilfe durch die Regierung des Heimatlandes zu hinterfragen. Weiters wurde in persönlichen Gesprächen erfragt, was denn die Regierung hätte tun können, um deren Rückkehr zu unterstützen. Die Antwort auf die letzte Frage ist „relativ wenig, aber doch etwas“.
Wenig überraschend steht der am häufigsten genannte Grund für die Rückkehr in irgendeinem Zusammenhang zur Familie. An zweiter Stelle stehen finanzielle Gründe, positiv (genug verdient) wie negativ (Jobverlust). Knapp über ein Viertel der Befragten wurde jedoch in irgendeiner Form durch öffentliche Stellen im Heimatland motiviert oder zumindest unterstützt, einige durch Jobangebote im öffentlichen Sektor, andere durch Hilfe von Repatrierungsprogrammen und wieder andere durch Einbürgerungsanforderungen oder Steuerauflagen.
Can governments do anything to bring expatriates back? – Gibt es bereits Antworten auf diese Frage?
Eine Möglichkeit, Expatriates zurückzubringen ist abzuwarten und zu hoffen, dass viele familienbedingt zurückkehren, weil z.B. der Partner im Ausland unzufrieden ist (ein Klassiker der Expatriate Literatur) oder die Familie zuhause (z.B. Pflege, Kontakt zu den Enkelkindern oder ähnliches) benötigt. Die andere Möglichkeit, um aktiv einzugreifen, sind Programme wie eben brainpower austria, die auf verschiedene Art und Weise entweder den Kontakt zum Heimatland aufrechzuerhalten oder auch konkret die Rückkehr unterstützen.
Der Großteil der Rückkehre ist jedoch zurück gekehrt, ohne eine Unterstützung zu suchen oder in Betracht zu ziehen. Die Ergebnisse lassen begrenzte Rückschlüsse darauf zu, dass solche Programme derzeit für potentielle Rückkehrer nicht sichtbar genug sind. Als Wünsche nennen Expatriates beispielsweise mehr Hilfestellung seitens der Botschaften hinsichtlich der Zertifizierung von Schulzeugnissen der Kinder.
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Zur Person: Dr. Ingo Forstenlechner erhielt sein Doktorat von der Universität Cranfield (UK) und ist derzeit Assistant Professor an der United Arab Emirates University (UAE). Er lehrt und publiziert im Themenbereich Human Resource Management mit Schwerpunkt auf Humankapitalentwicklung und professionelle Dienstleister. Seine Forschung ist stark praxisorientiert und eng verbunden mit Consultingprojekten v.a. für Regierungen im arabischen Raum. Vor seiner Zeit im universitären Bereich war Ingo Forstenlechner 5 Jahre in der Kanzlei Freshfields in der Humankapitalentwicklung in London tätig.
>> Ein ausführliches Protrait von Ingo Forstenlechner finden Sie hier.
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