Bioinformatik an der Boku Wien
Interdisziplinäre Methoden in der biomedizinischen Erforschung komplexer Systeme – eine Herausforderung

Von ersten Analysen einzelner Proteine, über die systematische Vorhersage von Genfunktion, bis zur Korrelation klinischen Therapieerfolgs mit subtilen Mustern in Aktivitätsprofilen von Genen: Die Bioinformatik hat in der modernen biomedizinischen Forschung inzwischen eine zentrale Rolle eingenommen. Dabei hat sich in den letzten Jahren der Fokus des Gebiets von der informatischen Erfassung und Datenbank-Verknüpfung von Proteinsequenzen verschoben: Die Redundanzen und kombinatorischen Effekte, die zur Robustheit und Komplexität von Organismen beitragen, bedürfen neuer Ansätze, die komplementär zur klassischen Gen-für-Gen Sicht das Gesamtsystem betrachten. Moderne experimentelle Methoden erlauben inzwischen die Analyse der gesamten DNA und die genomweite Untersuchung von Aktivitätsprofilen der Gene und Proteine eines Organismus. Zur Extraktion von Verständnis aus der resultierenden Datenflut werden einerseits mathematische Methoden von stets zunehmender Bedeutung, andererseits bewegt sich die Bioinformatik auch immer näher ans Labor-Experiment. Es ist nämlich wesentlich, daß das experimentelle Design sowie die mathematischen Modelle der Struktur der untersuchten biologischen Mechanismen entsprechen. Damit ergibt sich eine besondere Gelegenheit und zugleich auch Herausforderung für Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, die eine Brücke zwischen angewandter mathematischer und biomedizinischer Forschung zu schlagen vermögen.
Der WWTF Vienna Science Chair of Bioinformatics an der Boku Wien
In diesem Sinne verfolgen wir am Chair of Bioinformatics der Boku parallel die Entwicklung moderner computergestützter Methoden sowie die Verbesserung quantitativer experimenteller Meßmethoden, unter dem Fokus ausgewählter biomedizinischer Anwendungen. Intern werden unter anderem nicht-genetische Ursachen von Individualität erforscht (Warum sind identische Zwillinge doch unterschiedlich? Wieso reagieren von identischen Lebewesen nur manche positiv auf dieselbe klinische Therapie?). Gemeinsam mit dem IMP werden beispielsweise molekulare Mechanismen des Alterns am Modell der Fruchtfliege untersucht, und im methodischen Bereich gibt es mehrere Kooperationen an der Universität in Cambridge.
Gelegenheit für unkonventionelle Spezialisten – Junge Talente gesucht!
Die Rekrutierung neuer Kollegen und Kolleginnen ist stets eine besondere Herausforderung, denn die internationale Nachfrage übersteigt bei weitem das Angebot von talentierten Spezialisten, die auch Enthusiasmus und Verständnis für die jeweils „andere Seite“ mitbringen. In den letzten Jahren konnte an der Boku ein kompaktes jedoch gleichzeitig ungewöhnlich buntes interdisziplinäres Team von Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen aufgebaut werden, in dem sowohl Mathematiker und Biologen, als auch Leute aus der Elektrotechnik, der Physik, oder der Biotechnologie gemeinsam experimentelle und methodische Forschung vorantreiben. Dabei legt die Gruppe einen Schwerpunkt auf
probabilistische Methoden in der integrierten Analyse genomweiter Meßdaten, welche an das gebietsübergreifende Verständnis besondere Ansprüche stellt. Außergewöhnliche Studierende, Jungwissenschaftler und Jungwissenschaftlerinnen sind daher stets gefragt und finden im Chair of Bioinformatics an der Boku ein besonders anregendes Umfeld zur Entwicklung, Vertiefung und Anwendung interdisziplinärer Methoden in der biomedizinischen Forschung. Interessierte Forscherinnen und Forscher sollten sich auf alle Fälle bei uns melden!
Kontakt:
D. Kreil, Chair of Bioinformatics, Boku University Vienna,
http://bioinf.boku.ac.at
(Februar 2009)