Im Portrait: Kartik Pondicherry, MSc

Die indische Leidenschaft zum Metall
 
Denkt man in Europa an Indien, ist Bergbau und Metallkunde sicher nicht das Erste, was einem zu diesem schillernden, farbenfrohen und in manchen Gegenden noch so bitterarmen Land einfällt. Doch Indien hat viele Bodenschätze wie Eisen, Steinkohle oder Chrom. Und natürlich muss auch hier die globalisierte Wirtschaft - müssen Auto-, Computer- und Verpackungsindustrie - mit immer mehr Rohstoffen und Metallen versorgt werden.
„Ich wollte schon immer gerne mit etwas arbeiten, dass greifbar ist, dass ich fühlen kann. Und ich habe eine Leidenschaft für Metall“, erklärt Kartik Pondicherry sein persönliches Interesse an Bergbau und Metallurgie. Der 27-jährige Inder forscht seit Februar 2009 an Österreichs einziger Hochschule für Berg- und Hüttenwesen, der Montanuniversität Leoben in der Steiermark, wo er seine Doktorarbeit schreibt.
 
Von „Cyberabad“ nach Europa
 
Geboren und aufgewachsen ist Kartik Pondicherry in Hyderabad, einer Großstadt, die ziemlich genau in der Mitte von Indien liegt. Hier studierte er zunächst Metallurgie und Materialkunde und schloss seine Ausbildung 2005 zunächst mit einem Bachelor ab. Und obwohl seine Heimatstadt mehrere Millionen Einwohner hat und oft „Cyberabad“ genannt wird, weil sich hier in den letzten Jahren viele Biotechnologie-, Pharma- und Softwarefirmen angesiedelt haben, wurde ihm die Stadt irgendwann zu langweilig. Also ging er nach Deutschland, ins schwäbische Ulm, um hier seinen Master zu machen. „Ich wollte unbedingt andere Menschen und andere Kulturen kennen lernen“, erklärt Kartik Pondicherry seinen damaligen Weggang und fügt gut gelaunt an: „Und natürlich wollte ich in Europa herumreisen und all die tollen Orte und Städte sehen!“
 
Besser gleitende Oberflächen im Maschinenbau
 
Während seines Master-Studiengangs arbeitete er als Forschungsassistent an der Universität Ulm. Dann schaute er sich in ganz Europa nach einer Möglichkeit für sein geplantes PhD-Projekt um und stieß auf die Montanuniversität in der Steiermark. Unterstützt von brainpower austria fuhr der junge Inder für ein Vorstellungsgespräch nach Leoben: „Als ich die Stadt das erste Mal gesehen habe, war mir gleich klar, dass ich hier gerne bleiben würde. Alles ist nur einen Steinwurf voneinander entfernt. Das ist ideal für meine Arbeit. Ganz abgesehen davon, dass mich natürlich hier die Forschung auch sehr interessiert und ich weiter mein Deutsch verbessern kann.“
Kartik Pondicherry arbeitet in Leoben an einem Projekt, das sich damit beschäftigt, wie sich im Maschinenbau bestimmte Zusatzstoffe in Schmiermitteln und Tribowerkstoffe gegenseitig beeinflussen. Zusätze, die Schmiermitteln beigemischt werden, können dabei helfen, die Abnutzung von Einzelteilen zu reduzieren, die sich aneinander reiben. „Mein Hauptinteresse besteht darin, zu verstehen, warum ein bestimmtes Material sich gerade so verhält, wie es sich verhält. Es ist wirklich sehr faszinierend“, fasst er sein neues Forschungsprojekt in Österreich zusammen.
 
Keine Rush-Hour in Leoben
 
Kartik Pondicherrys Tage an der Universität fangen normalerweise um halb acht Uhr in der Früh an und gehen bis halb sieben Uhr abends. In seiner Freizeit liebt er es, indisch zu kochen oder in den Bergen spazieren zu gehen. „Aber nur bei gutem Wetter“, schränkt er ein. 
Das Leben in der österreichischen Universitätsstadt gefällt ihm im Großen und Ganzen. Aber manchmal hat er doch Heimweh: „Ich vermisse die Menschenmengen, die Aufregung, das Chaos und die Rush-Hour in Hyderabad. Hier in Österreich ist das Leben sehr geordnet und geregelt, es gibt keine Unsicherheitsfaktoren.“
Im August wird er zu seiner Familie nach Indien fahren, die er mindestens alle sechs Monate für einige Wochen besucht. Pünktlich zum Herbstsemester ist er wieder in Leoben, soviel ist sicher. Was danach kommt, lässt er gelassen auf sich zukommen: „Vielleicht gehe ich nach der Doktorarbeit zurück nach Indien. Aber ich könnte mir auch vorstellen, in Europa zu arbeiten, denn die Möglichkeiten in meinem Forschungsbereich sind hier größer, weil die strengeren Umweltschutz-Auflagen die Industrie dazu zwingen, nach neuen, innovativen Wegen zu suchen. Aber ehrlich gesagt habe ich noch gar keine Pläne, ich werde schauen was kommt, denn ich liebe Überraschungen.“

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