Im Portrait: Dr. Thomas Wallner
Antrieb ohne Alternativen

„Ich habe schon als Kind immer alles zerlegt. Mein Großvater gab mir immer wieder kaputte Elektrogeräte zum Reparieren“, sagt Dr. Thomas Wallner und fügt dann augenzwinkernd dazu: „Allerdings blieb es in den meisten Fällen beim Zerlegen ...“
Doch die frühkindliche Förderung durch den Großvater hat sich für den gebürtigen Grazer ausgezahlt: Thomas Wallner forscht heute im Bereich Kraftfahrzeugtechnik an dem renommierten Argonne National Laboratory, einem der größten staatlichen Forschungslabors der USA in der Nähe von Chicago. Hier wird in enger Zusammenarbeit mit der amerikanischen Autoindustrie an Zukunftsthemen, wie alternativen Antrieben, gearbeitet. Außerdem gibt er sein Fachwissen als Gastdozent an der Michigan Technological University und bei Consulting-Jobs weiter.
Angebote aus den USA schon vor dem Abschluss
1976 geboren, studierte Thomas Wallner nach der Matura im Jahr 1995 Maschinenbau in seiner Heimatstadt Graz. Von 2001 bis 2004 machte er seinen Doktor - ebenfalls in Graz. Seine Dissertation ‘Entwicklung von Brennverfahrenskonzepten für einen PKW-Motor mit Wasserstoffbetrieb’ wurde 2005 von dem Fachverband der Fahrzeugindustrie Österreichs ausgezeichnet. „Ich hatte eigentlich nie Pläne, ins Ausland zu gehen. Aber wie man weiß, kommt es immer anders als erwartet. Schon vor Abschluss meiner Dissertation hatte ich ein paar Angebote aus den USA“, sagt er.
Thomas Wallner entschied sich damals für eine Stelle am Center for Transportation Research des Argonne National Laboratory - und hat die damalige Entscheidung bis heute nicht bereut. Denn mittlerweile ist aus der ursprünglichen Anstellung als Postdoctoral Appointee eine Anstellung als Staff Researcher geworden - und aus Chicago so etwas wie eine zweite Heimat.
Forscher sein: flexibel sein
Thomas Wallners Forschungsthemen beziehen sich derzeit vor allem auf alternative Kraftstoffe (Wasserstoff, Ethanol, Butanol) und Motorenkonzepte. Einen typischen Arbeitstag gibt es dabei nicht, und Thomas Wallner genießt die Möglichkeit, Forschung mit besonders viel Flexibilität zu betreiben. „Das macht die Arbeit interessant“, sagt er. „Ich verbringe einiges an Zeit mit Versuchsplanung, Datenanalyse und der Arbeit an Publikationen. Außerdem habe ich häufig Gelegenheit, an amerikanischen und internationalen Konferenzen teilzunehmen und Vorträge zu halten.“
Gerade war er dazu in Italien und fliegt im August zur World Hydrogen Technology Convention nach Delhi in Indien. „Darüber hinaus arbeiten wir mit führenden Universitäten zusammen, um talentierte Köpfe zu fördern. Außerdem nutze ich meine Kontakte in Europa, um immer wieder Projekte mit europäischen Firmen und Instituten zu starten oder Jungakademikern einen Berufseinstieg hier in USA zu ermöglichen“, erklärt Thomas Wallner seine Tätigkeit weiter.
Lauf- und Chili-Marathon
Ohne alternativen Antrieb geht nichts! Und so sammelt Thomas Wallner in seiner knappen Freizeit neue Kraft beim Laufen. Derzeit trainiert er für seinen ersten Marathon, der am 11. Oktober in Chicago stattfinden soll. Über eine Rückkehr in seine Heimat macht er sich im Moment noch keine Gedanken. Denn: „Chicago ist eine tolle Stadt, die vor allem im Sommer unglaublich viel zu bieten hat.“ Und bei durchschnittlich fünf Reisen nach Österreich pro Jahr bleibt für so etwas wie Heimweh auch gar keine Zeit. „Außerdem treffe ich Österreicher überall – sei es in der Austrian Bakery in Chicago, beim Besuch einer österreichischen Delegation am Argonne National Laboratory oder auf diversen Dienstreisen rund um die Welt,“ ergänzt Thomas Wallner.
Und damit die Freunde und die Familie in Österreich Thomas Wallner nicht vergessen, hat er erfolgreich am letztjährigen Jalapeno-Wettessen in Chicago teilgenommen - über das ein deutscher Fernsehsender eine
Reportage drehte. Ob die scharfen Chili-Schoten allerdings auch als alternativer Kraftstoff einzusetzen sind, ist noch unerforscht.