Im Portrait: Dr. Heinz Huber

 Durch das Rauhe zu den Sternen
 
Die lateinische Redewendung „per aspera ad astra” bedeutet soviel wie „Durch Mühsal gelangt man zu den Sternen“ oder „Durch das Rauhe zu den Sternen“. Und wenn es auf einen Lebenslauf - wörtlich wie bildlich gesehen – genau passt, dann auf den von Dr. Heinz Huber.
„Wenn mir irgend jemand vor zehn Jahren gesagt hätte, was ich heute mache, hätte ich nur laut gelacht. Damals war ich Chemie-Lehrer in Wien, hatte den wunderbaren Ausblick auf ein Jahr Zivildienst vor mir, und eine weniger als halbfertige Dissertation.“
 
Von Meteoriten und Mondgestein
 
Heute arbeitet der gebürtige Wiener, der im Burgenland aufgewachsen ist und in Wien studiert hat, als Geochemiker in den USA, wo er sich u.a. mit der chemischen und mineralogischen Zusammensetzung von Meteoriten beschäftigt hat. „Ich hatte aber auch schon ein Stück Mondgestein in den Händen“, bekräftigt Heinz Huber seine Nähe zu den Sternen. 
Aber der Reihe nach. Zunächst studierte Heinz Huber Chemie und Mathematik auf Lehramt an der TU Wien und trat danach seinen ersten Job als Lehrkraft an. Doch wurde ihm das allein bald so langweilig, dass er in seiner Freizeit anfing, eine Doktorarbeit in Geochemie zu schreiben: „Ich habe mein Doktorat eigentlich als mein Hobby angesehen – ich war Lehrer und geistig schwerst unterbeschäftigt. Mit den Jahren ist es dann mehr und mehr zu einem Beruf geworden.“ Hier begann er sich zum ersten Mal mit Meteoriten, genauer gesagt mit deren Einschlagkratern, zu beschäftigen. 
 
Der Sprung in die USA
 
2002 bot sich Heinz Huber dann die Chance, am Atominstitut der österreichischen Universitäten in Wien als Forschungsassistent zu arbeiten - an einem Projekt zur Datierung der Minoischen Eruption des Vulkans auf der griechischen Insel Santorini. Nach der Promotion im Jahr 2003 war für ihn dann endgültig klar, dass er mit der Wissenschaft weitermachen wollte. Und so wagte er dann den Sprung über den großen Teich nach Amerika: An der University of California in Los Angeles bekam er eine PostDoc-Stelle am Institute of Geophysics and Planetary Physics. Hier analysierte er die chemische und mineralogische Zusammensetzung von Chondriten (steinigen Meteoriten) und Eisenmeteoriten.
 
Warten auf die Green Card
 
Nach dem Auslaufen seiner PostDoc-Stelle Ende 2007 an der Universität und seinem Entschluss, in den USA bleiben zu wollen, wurde es schwierig für Heinz Huber, denn nach der Bewilligung seiner Green Card begann das Warten auf die nächste Arbeitsstelle. Doch er machte das Beste aus der Situation und wandte sich einem anderen „Stern“ zu – nämlich der populären Kaffeehauskette Starbucks: „Ich habe für Monate bei ‚Starbucks’ als Barista gearbeitet, um meine Miete zu bezahlen. Gleichzeitig habe ich Kurse an der California State University am Department of Geological Sciences gegeben“, berichtet er über diese Zeit. Doch seine Hartnäckigkeit zahlte sich aus. Seit April 2008 arbeitet er nun bei einer Atommüll-Sanierungs-Gesellschaft im Bundesstaat Washington. Mittlerweile ist er dort sogar als Senior Scientist fest angestellt. 
 
Senior Scientist in Washington State
 
„Hier wird der radioaktive Müll der Atombombenproduktion der USA aufbereitet“, erklärt Heinz Huber sein neues Tätigkeitsfeld, das ihn diesmal wieder ins Erdinnere führt. Denn die flüssigen Abfälle der Plutoniumproduktion von den vierziger bis in die neunziger Jahre sind in unterirdischen Tanks gelagert. Ein typischer Arbeitstag von Heinz Huber besteht darin, die chemischen Daten von flüssigen oder festen Proben zu interpretieren oder chemische Experimente an den radioaktiven Proben mit Hilfe sogenannter Manipulatoren in den heissen Zellen durchzuführen. „Am besten stellt man sich das so vor, als ob man in der Küche steht und nichts anderes als eine große Pinzette an einem mechanischen Arm zur Verfügung hat.“
Bei seinem Neun-Stunden-Arbeitstag und täglich zwei Stunden Pendeln zwischen Wohnung und Arbeitsort bleibt ihm nicht viel Zeit für seine Frau, die zwei Katzen und seine Hobbys wie Rad fahren und zeichnen. Doch über eine Rückkehr nach Österreich denkt er derzeit nicht nach, sagt er. Allerdings bin ich hier in der Wüste in Washington State partout nicht verwurzelt“, räumt er ein. Also doch irgendwann eine Rückkehr in die Heimat? „Irgendwann schon, doch für wie lange und wann - keine Ahnung.“

Ein Programm desbmvitBundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie        Durchgeführt von derFFG