Im Portrait: Prof. Reinhard Heinisch

Andere Kulturen, Sprachen und Politik waren immer schon die bestimmenden Themen in Reinhard Heinischs Leben. Seit September 2009 ist er Professor für Österreichische Politik in vergleichender europäischer Perspektive an der Universität Salzburg und neuer Leiter des Fachbereichs Politikwissenschaft. Eigentlich wollte er ja mit Tieren arbeiten, vielleicht Biologe oder Tierforscher werden, aber zurück zum Anfang:
 
Andere Länder, andere Sitten
 
Obwohl man es akustisch heute kaum mehr erkennen kann ist Reinhard Heinisch gebürtiger Kärntner, wuchs dort aber nur teilweise auf. Bedingt durch seinen Vater, der Bergbauingenieur war, lebte die Familie Heinisch auch über längere Zeit in Schottland und Bolivien. „Ich konnte dadurch schon als Kind Englisch und Spanisch“ schildert Heinisch den Einstieg ins Kosmopolitentum. „Das war auch der Grund warum ich mich zuerst für Spanisch und Englisch entschieden habe, als ich zu studieren begann, mit dem Ziel Journalist zu werden.“ Eine andere Erinnerung war die Konfrontation mit der Tatsache, dass in Bolivien Meerschweinchen nicht im Streichelzoo, sondern am Teller landen. „Schmeckt aber gut, von der Essensstellung her praktisch das Pendant zu unserem Wiener Schnitzel“, kann Heinisch aus eigener Erfahrung mit einem hörbaren Lachen sagen. Dass er sich dann für Politikwissenschaften entschieden hat, führt er auf folgende zwei Faktoren zurück: „Mein Vater war immer sehr politikinteressiert. Bei uns liefen immer die Nachrichten im Fernsehen.“ Den entscheidenden Hinweis lieferte schließlich ein Lehrer im Gymnasium in Villach. „Dort habe ich erfahren, dass man Politik sogar studieren kann“, erinnert sich Heinisch. Das tat er dann auch an der Universität Wien.
 
Durch die USA auf dem Tenure Track
 
1986 führte ihn ein Fulbright-Stipendium in die USA, genauer gesagt an die Virginia Tech. Eine sehr prägende Zeit, wie er selbst sagt, und außerdem der erste Kontakt mit dem Arbeitsmedium Computer. Auch sonst waren die Bedingungen an der Virginia Tech nicht mit Wien zu vergleichen. „Politikwissenschaften war an Universität Wien damals eher ein Exotentum ohne klares Berufsbild“, erzählt Heinisch. Ein Bild verdeutlicht seine Erinnerungen: „Später habe ich ein Gebäude, in dem ich noch Vorlesungen besucht hatte, als heruntergekommenen Schauplatz in einem amerikanischen Kriegsfilmes wieder entdeckt. Wie treffend, dachte ich in dem Moment.“ Drei Jahre später folgte ein PhD an der Michigan State University. Nach erfolgreichem Abschluss wollte er eigentlich wieder zurück nach Österreich, als ein Angebot aus den USA auf seinem Tisch landete, für das er sich auch entschieden hatte. In letzter Minute aber hat sich die Sache zerschlagen und für einen Plan B war es eigentlich zu spät. Reinhard Heinisch hatte Glück: Er bekam das Angebot für eine einjährige Vertretungsstelle an der Universität Pittsburgh und nahm an. Aus dem einen Jahr wurde eine Dauerstelle und der weitere Weg führte sechs Jahre lang über den gesamten Tenure Track bis zum Full Professor 2001. Inzwischen erhielt er auch die amerikanische Staatsbürgerschaft. Neben seiner Professur war er auch Director of International Studies am Johnstown Campus nahe Washington D.C. Durch das Pendeln Richtung und nach Washington D.C. kam Heinisch auch wieder in Berührung mit Österreich in Form des Office of Science & Technology, dem Verein ASciNA und später brainpower austria.
 
Ungeplant und unerwartet: die Rückkehr nach Österreich
 
„Meine Frau und ich fühlten uns wirklich rundherum wohl in Pittsburgh. Ich hatte gar nicht vor, dort weg zu gehen, oder überhaupt nach Österreich zurück zu kehren“, so die Ausgangslage. Zufällig erzählte ihm eine Kollege während eines Österreichurlaubs am Badesee von einer Stelle an der Universität Salzburg, die interessant für ihn klang. Inzwischen häuften sich seine Österreichbesuche auch immer mehr. Einerseits waren es wissenschaftliche Beziehungen, die ihn z.B. über einen brainpower austria-Speakers Grant 2008 auch nach Wien führten, andererseits private: „Meine Mutter ist jetzt alleinstehend und muss sich im fortgeschrittenen Alter um ein sehr pflegebedürftiges Anwesen kümmern. Natürlich stellte sich für mich in den Jahren immer wieder die Frage: Was tun?“. Heinisch kam der Einladung, sich auf die Stelle zu bewerben daher nach und nutzte einen brainpower austria-Interview Grant zu persönlichen Gesprächen. Die daraufhin folgenden Verhandlungen verliefen ausgesprochen positiv. Seit September 2009 ist er nun als Professor an der Universität Salzburg tätig und vorerst für ein Jahr von der Universität Pittsburgh frei gestellt. Inzwischen rekrutiert er bereits selbst internationale WissenschaftlerInnen für sein Team und ist in der glücklichen Lage, aktuell eine unbefristete „Lebensstelle“ anbieten zu können.
 
Von Menschenrechten und Neoliberalismus
 
Reinhard Heinischs Forschungsschwerpunkte sind Wirtschafspolitik, Sozial- und Arbeitspolitik und Rechtspopulismus. In seiner Zeit in den USA waren zuerst die Menschenrechte und später die europäische Integration seine Schwerpunktthemen. Dazu verglich Heinisch in seinen Arbeiten verschiedene Wirtschaftsmodelle und untersuchte die europäische Sozialpolitik im breiten Kontext. „In vielen Ländern war die Annäherung an den amerikanischen Neoliberalismuns erkennbar, nicht aber in Österreich. Es war praktisch ein echter Glücksfall, dass Österreich durch diese Trendresistenz für die Forschungscommunity interessant wurde“, erzählt Heinisch schmunzelnd. Das Interesse war auch in den USA groß, speziell unter dem Blickwinkel des aufkommenden Rechtspopulismus in Österreich. Reinhard Heinisch folgte Einladungen zu vielen Internationalen Meetings und fungierte als Konsulent für das US-Außenministerium.
 
Zu Land und zu See
 
Abseits seiner Forschung engagiert er sich seit 2001 für ein Sozialprojekt in Bolivien. Zusammen mit amerikanischen und österreichischen Studierenden errichtete er in einem indigenen Quechua-Dorf eine Schule und ein Waisenhaus. Reinhard Heinisch ist dort nicht nur Lehrender, sondern auch Pate eines Kindes im Dorf und praktisch jeden Sommer dort. Seine Reiseleidenschaft und die Lehre hat er auch früher schon miteinander verbunden: Mit der Initiative „Semester at Sea“ war er vor einigen Jahren einer von rund 20 Lehrenden, die 300 Studierende aus der ganzen Welt ein Semester lang auf einem Schiff betreuten. Sein Thema war der politische Unterricht zu den Ländern, die auf der Route lagen, und diese führte von Ägypten über die Türkei und Israel bis nach Russland.
Dazwischen fand Reinhard Heinisch auch noch Zeit zu Schreiben und veröffentlichte 2002 das Buch "Populism, Proporz and Pariah - Austria Turns Right: Austrian Political Change, Its Causes and Repercussions".

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