MedAustron: Tumore behandeln und Wissen erweitern

Dr. Martin Schima, Geschäftsführer
MedAustron ist als Zentrum für Ionentherapie zur Behandlung von Tumorpatientinnen und -patienten und als Einrichtung zur Spitzenforschung im klinischen und nichtklinischen Bereich geplant.
„Bereits im Jahr 2014 sollen die ersten Patientinnen und Patienten mit Hilfe von Ionenstrahlen behandelt werden“ sagt Geschäftsführer Martin Schima. „Im Vollbetrieb wird MedAustron pro Jahr rund 24.000 Bestrahlungsvorgänge, so genannte Fraktionen durchführen.“ Mit durchschnittlich 20 Fraktionen pro Therapie können bei MedAustron zukünftig 1.200 Patientinnen und Patienten pro Jahr behandelt werden.
Die Errichtungskosten am Civitas Nova-Gelände in Wiener Neustadt betragen etwa 190 Millionen Euro – finanziert und gesichert vor allem durch das Land Niederösterreich aber auch die Republik Österreich und die Stadt Wiener Neustadt.

Im Zentrum: Die Ionentherapie
 
Mit einem Synchrotron (Kreisbeschleuniger) als Teilchenbeschleuniger werden Behandlungs- und Forschungsräume mit Protonen bzw. Kohlenstoffionen beliefert. „Geplant, bestellt und abgenommen wird die Beschleunigeranlage im Rahmen einer Kooperationsvereinbarung von CERN-Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern gemeinsam mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der EBG MedAustron GmbH im europäischen Kernforschungszentrum CERN bei Genf“ erklärt Martin Schima.
Die Behandlung mittels Ionen hat gegenüber konventionellen Therapien große Vorteile. Dazu der Geschäftsführer: „Die Strahlenbelastung des gesunden Gewebes vor dem Tumor kann gesenkt werden. Gleichzeitig bleibt das gesunde Gewebe hinter dem Tumor nahezu unbelastet.“ Wegen dieser ausgezeichneten Schonung des Normalgewebes können mit der Ionentherapie auch höhere Bestrahlungsdosen verabreicht werden.
 
Nationale & internationale Kooperationen
 
Die Planung und Entwicklung der Teilchenbeschleunigeranlage wird in Kooperation mit dem europäischen Kernforschungszentrum CERN, dem größten Institut für Teilchenphysik der Welt, ausgeführt.
Der Detailplan der Behandlungs- und Forschungsräumlichkeiten wird in enger Zusammenarbeit mit Expertinnen und Experten der Strahlentherapie sowie potentiellen künftigen Nutzerinnen und Nutzern der klinischen und nichtklinischen Forschung erstellt. Für die Therapie werden drei Bestrahlungsräume mit entsprechendem medizinischen Equipment eingerichtet, und für die nichtklinische Forschung wird den Wissenschafterinnen und Wissenschaftern ein speziell ausgestatteter Bestrahlungsraum zur Verfügung stehen.

 
Architekturvisualisierung des geplanten Zentrums in Wiener Neustadt (Foto: MedAustron)

Forschung bei MedAustron
 
Mit dem Bau des Zentrums eröffnen sich spannende Themen sowohl in der klinischen, als auch der nichtklinischen Forschung. „Die klinische Forschung von MedAustron wird sich unter anderem mit der Ausweitung klinischer Studien auf neue Tumorarten befassen, der Verbesserung der Behandlungsergebnisse durch Optimierung der Therapiestrategien, der Reduktion der Akut- und Spätnebenwirkungen sowie Verkürzung der Behandlungszeiten durch vielfältige Optimierungen.“ Möglichst viele Patientinnen und Patienten in einer klinischen Studie zu erfassen ist gleichzeitig auch die Basis für die Weiterentwicklung der Ionentherapie.
In Zusammenarbeit mit Universitäten und Fachhochschulen wird MedAustron auch eine wesentliche Bedeutung als Ausbildungszentrum haben. „Für Forscherinnen und Forscher, die Protonen- und Kohlenstoffionenstrahlen nutzen, wird die nötige Infrastruktur zur Verfügung gestellt. Die Forschungsschwerpunkte dabei werden Experimentelle Physik, Medizinische Strahlenphysik und Strahlenbiologie sein.“
 
Aktuelle Stellenangebote
 
In der jetzigen Phase unserer Planung werden speziell hochqualifizierte Technikerinnen und Techniker gesucht. Derzeit sind folgende Stellen ausgeschrieben:
  • IT System/Configuration Engineer (Accelerator Controls and IT Infrastructure)
  • Embedded System Engineer (Beam Instrumentation and Diagnostics) 
  • Electronics Engineer (Beam Instrumentation and Diagnostics)
  • Technical Engineer (Beam Instrumentation and Diagnostics)
  • Medizininformatiker
Details zu den Stellenausschreibungen finden Sie in der brainpower austria-Jobbörse bzw. auf der Webseite der EBG MedAustron GmbH.

(Februar 2010)

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