Junge österreichische ForscherInnen ein Stück auf ihrem Karriereweg begleiten
Im Rahmen der
14. European Career Fair am MIT, an dem brainpower austria wieder einen Messestand betreute, fand auch das geplante
Kick-Off-Meeting für das ASCINA Mentoring Programm statt, in dem erstmals alle Tandems persönlich aufeinander trafen. Wir haben die drei Mentees an ihren Arbeitsplätzen besucht:
Es ist knapp vor 9 Uhr morgens, ein eisiger Wind weht am MIT Campus. Sandra Morandell kommt trotzdem gut gelaunt zum vereinbarten Treffpunkt. Es ist nur ein kurzer Weg zu ihrem Arbeitsplatz, dem David H. Koch Institute for Integrative Cancer Research. „Ein Gebäude im 60er Jahre Charme“ meint sie schmunzelnd. „Aber im Dezember ziehen wir ins neue Gebäude um“ kommt es gleich hinterher. Mit MIT-Mittel bzw. einem Schrödinger Stipendium im Gepäck arbeitet Sandra Morandell seit rund 9 Monaten als Postdoc hier am Department of Biology. Der Weg Richtung USA war aber eigentlich gar nicht ihr Plan. „Ein Zufall“, lacht sie, wie so oft im Leben. Ihren jetzigen Gruppenleiter hat sie bei einer Konferenz in Seefeld kennen gelernt, die die gebürtige Tirolerin über ihre Stammuniversität Innsbruck öfters besucht und auch mitgestaltet hat. „Sein Vortrag kam damals gleich nach meinem. So haben wir uns kennen gelernt.“ Der Wunsch ins Ausland zu gehen war schon länger in Sandra Morandells Gedanken verankert. „Die USA standen dabei aber eigentlich nicht wirklich zur Debatte“, erzählt sie. „Nordeuropa oder Kanada waren damals meine Zielländer. Natürlich habe ich auch an die Boston Area gedacht, aber aufgrund der harten Konkurrenz, hier einen Job zu bekommen, nie wirklich ernsthaft.“ Sie hat sich dann doch auch hier beworben und die Chemie stimmte von Anfang an, was die Entscheidung leicht machte.
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Arbeitsplatz Nummer 1: das Labor
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Arbeitsplatz Nummer 2: der Schreibtisch
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Ihre Forschung dreht sich um Signalwege, die Schädigungen des Erbguts reparieren bzw. kontrollieren. Die Gruppe, in der sie arbeitet, untersucht Vorgänge im Signalnetzwerk, Unterschiede zwischen gesunden Zellen und Krebszellen und geht der Frage nach, wie man Therapien sensitiver gestalten könnte.
Der Tag der Zellbiologin beginnt zwischen 8 und 9 Uhr früh und dauert im Schnitt 10 bis 12 Stunden. „Forschung ist ein harter Job, der viel Engagement und Einsatz verlangt“ ist sie sich bewusst. Sandra Morandell arbeitet am Mausmodell, und da richtet sich die Arbeitszeit sehr oft nach den umfangreichen Versuchszeiten. „Man arbeitet, wenn man eben muss. Das kann dann auch schon einmal ins Wochenende fallen.“ Die meiste Zeit verbringt sie im Labor bzw. an ihrem Schreibtisch. Ein Stück Heimat ziert die Wand: Tirols Landschaft in Kalenderform, aktuell gerade tief winterlich verschneit.
Keine fünf Gehminuten vom David H. Koch Institut entfernt erreicht man ein deutlich neueres Gebäude, das Stata Center. Dieses, genauer gesagt das Institute for Linguistics and Philosophy, nennt Patrick Grosz derzeit seine akademische Heimat. Patrick Grosz ist Sprachwissenschaftler und momentan im vierten Jahr des voll finanzierten PhD-Programms. „PhD-Programme in den USA sind grundsätzlich anders aufgebaut, als in Europa“, erklärt er. „Im ersten Jahr besucht man hauptsächlich Vorlesungen. Im zweiten und dritten Jahr geht es darum, in zwei verschiedenen Fachbereichen publizierbare Qualifikationspapiere zu schreiben. Diese gilt es dann auch vor einem Komitee zu verteidigen. Erst in den letzten beiden Jahren wird an der eigentlichen Dissertation geschrieben.“
Patrick Grosz fühlt sich wohl im Büro im
siebten Stock
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Die Tafel im Büro, des öfteren Platzhalter für
wissenschaftliche Diskussionen
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Es erscheint vielleicht auf den ersten Blick verwunderlich – was verbindet einen Geisteswissenschaftler mit dem MIT? „Ich treffe immer wieder Leute, die überrascht sind, dass es am MIT ein Institut wie meines gibt, oder auch, dass man als Österreicher hier einen PhD macht“. Zufall? Nicht im Falle von Patrick Grosz. „Boston, und insbesondere das MIT, ist eine großartige Ausgangslage für Sprachwissenschaftler. Gerade von diesem Institut wird oft gesagt, dass es in meinem Forschungsgebiet und Framework bis in die 80er Jahre praktisch das führende Institut weltweit war. Heute ist es immer noch unter den Top-Instituten und zieht Leute aus der ganzen Welt an.“ Derzeit arbeiten rund 15 Fakultätsmitglieder und 35 Grad-Students am Institut. Neben insgesamt drei Österreichern arbeiten hier derzeit WissenschaftlerInnen unter anderem aus Russland, Großbritannien, Kanada, Korea, Slowenien, Israel und Brasilien. Patrick Grosz beschäftigt sich mit der menschlichen Sprache, wie sie funktioniert, wo im Gehirn sie lokalisiert ist, wodurch sie definiert bzw. auch eingeschränkt wird.
Die Türe seines Büros im siebten Stock ziert eine Typologie des österreichischen Kaffees mit Kurzbeschreibungen in Deutsch und Japanisch. Das Zimmer selbst ist sehr ruhig gelegen, hell und geräumig. Letzteres liegt vor allem daran, dass es eigentlich für vier Personen ausgelegt ist, aber derzeit nur von zwei Personen belegt wird, da die Nachfrage für Büros im achten und neunten Stock größer ist, nämlich von Patrick Grosz und seiner Frau Pritty, eine gebürtige Britin und ebenfalls Linguistin. „Wir haben letztes Jahr geheiratet, gleich mit zwei Feiern. Einmal in Pamhagen im Seewinkel, ein zweites Mal in London“ erzählt Patrick Grosz und kommt dabei ins Schmunzeln. Zwei Kulturen, zwei Familien, viele Sprachen – genau die richtige Umgebung für einen Sprachwissenschaftler.
Die dritte Station unseres Weges ist zwar praktisch in Sichtweite, doch trennt der Charles River dazwischen recht überzeugend den Stadtteil Cambridge von Boston. Genau dort treffen wir Eva Fast im Life Science and Engineering Building der Boston University. Wären wir ein paar Jahre früher gekommen, hätten wir sie noch ein Stück weiter südwestlich angetroffen, am Dana Farber Cancer Institute. Eva Fast war nämlich bereits für ihre Diplomarbeit einmal in Boston und kehrte nach dem Studienabschluss auch wieder dorthin zurück. „Von dort aus habe ich mich für verschiedene Doktoratsstellen beworben und war eigentlich von den vielen positiven Rückmeldungen überrascht“ erzählt sie. Die Wahl fiel schließlich auf das Department of Biology an der Boston University. Neben vielen anderen Faktoren hatte sie eine wichtige Entscheidungshilfe: „Ein Freund sagte einmal zu mir: du musst dort hingehen, wo die Doktoranden am glücklichsten aussehen“ sagt sie lachend. Wie auch immer - die Wahl war eine gute. Normalerweise durchläuft man im ersten Jahr des PhD-Programms verschiedene Labors, bis man sich für eines entscheidet. Für Eva Fast war aber bereits in Runde zwei Schluss. „Ich bin einfach hängengeblieben, wusste, dass hier alles passt.“
CO2 betäubt die Fruchtfliegen vor dem Mikroskopiern
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Ein Poster made by Eva Fast
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Derzeit ist die Biotechnologin im dritten Jahr des PhD-Programms. Ihre Forschung dreht sich um Interaktionen zwischen Wirt und Bakterium. Ihre Gruppe hat sich auf das eher unbekannte Bakterium Wolbachia spezialisiert, das hauptsächlich Insekten infiziert. Dieses Bakterium ist prinzipiell für den Wirt unschädlich, ein bestimmter Stamm kann die Lebenserwartung des Wirts reduzieren. Für gewisse Krankheiten, wie z.B. Denguefieber, Gelbfieber oder West-Nil-Fieber, könnte das bedeuten, dass der Wirt in Folge gar nicht mehr in der Lage ist, diese z.B. an den Menschen zu übertragen. „I love fruit flies“ liest man an der Eingangstür zum Labor. Das scheint vielleicht auf den ersten Blick eigenartig. „Unser Versuchstier ist die Fruchtfliege“ klärt Eva Fast aber rasch auf, öffnet die Türe und lässt uns einen Blick durchs Mikroskop werfen. Wolbachia wird aber nicht nur in Fruchtfliegen, sondern auch in Stechmücken untersucht. Diese befinden sich in einem anderen Raum, hinter mehreren Schleusen aus Moskitonetzen. „Sie ernähren sich ausschließlich von Hühnerblut und sollten eigentlich keine Menschen stechen“, meint Eva Fast. Die spontane Ansammlung an Stechmücken auf der Seite des Käfigs, auf der wir stehen, lässt dann aber doch berechtigte Zweifel aufkommen.
Die von brainpower austria gesponserten Tandems: Vlnr: Matthias Scheutz & Patrick Grosz, (Stefan Eichberger,
brainpower austria), Christine Konradi & Sandra Morandell, Michael Rendl & Eva Fast, (Werner Olipitz, ASciNA
und Melanie Csida, brainpower austria)
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Es ist knapp vor 17 Uhr. Die Temperaturen liegen noch immer deutlich unter dem Gefrierpunkt, der Wind hat dafür etwas nachgelassen. Langsam geht die Sonne unter und spiegelt sich in der goldenen Kuppel des State House über dem Beacon Hill. Wir machen uns wieder auf den Weg zurück Richtung Cambridge – der nächste Terminpunkt beginnt in Kürze. Im Gepäck tragen wir viele neue Einblicke, die hoffentlich auch für Sie genauso interessant waren, wie für uns. Unser Dank gilt an dieser Stelle noch einmal allen Mentees für ihre Zeit und ihr großes Engagement.