Im Portrait: DI Dr. Daniel Kolarich
Von der Kunst, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein

„Manche Chancen muss man ergreifen, wenn sie sich bieten.“ Davon ist der Biochemiker und Biotechnologe Dr. Daniel Kolarich überzeugt. In Wien geboren und aufgewachsen, studierte und promovierte er ebenfalls dort und hatte eigentlich gar nicht geplant, so weit weg von Österreich ins Ausland zu gehen. Doch 2007 verschlug es ihn ans andere Ende der Welt: Zusammen mit seiner Frau und der damals erst einjährigen Tochter ging es „Down Under“, nach Australien, zwanzig Flugstunden von seiner Heimat entfernt.
Vorbereitet für Veränderungen
„Australien hat sich zufällig ergeben, es war einfach eine Kombination daraus, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, als ich meine jetzige Chefin auf einem Kongress in Wien im September 2006 kennen lernte“, sagt der 35-jährige. Damals arbeitete er als PostDoc an der BOKU Wien, an der er auch Lebensmittel- und Biotechnologie (LMBT) studiert hatte.
Offen für Veränderungen, wenn sie sich ergeben sollten, war Daniel Kolarich schon von seiner Ausbildung auf der BOKU her: „Ich wollte etwas Naturwissenschaftliches machen, vor allem mit Schwerpunkt Biochemie und Biotechnologie, aber ich wollte mir auch die Option offen halten, dass ich – falls sich herausstellt, dass ich nicht dabei bleiben will – relativ einfach in ein anderes Fachgebiet umwechseln kann. Mit dem Spektrum Chemie, Biochemie, Biotechnologie und Lebensmitteltechnologie, Mikrobiologie, Grundlagen im Maschinenbau und vieles mehr war für mich diese Möglichkeit geboten.“
Wie schützt die Muttermilch das Kind?
Zunächst startete er mit einem Erwin-Schrödinger-Stipendium nach Australien. Heute ist Daniel Kolarich Post Doctoral Research Fellow in Sydney und möchte „keinen einzigen Tag des Aufenthalts missen“. Nicht nur wegen des warmen Wetters und der Nähe zum Meer, sondern auch wegen seiner spannenden Forschungsarbeit: An der Macquarie University beschäftigt er sich mit der Analytik von Glycoproteinen und deren biologischen Funktionen – beispielsweise untersucht er die Rolle, die diese in der Muttermilch beim Schutz des Neugeborenen vor pathogenen Keimen spielen.
Alles immer locker? Die Bürokratie in Australien
Und so setzt sich ein typischer Arbeitsalltag bei Daniel Kolarich zu gleichen Teilen aus Labor- und Schreibtischarbeit zusammen. Denn neben seiner Forschung betreut er auch DoktoratsstudentInnen und DiplomandInnen und organisiert die Labor-Arbeit seiner Gruppe und die Instandhaltung der wichtigsten Geräte, der Massenspektrometer. Dabei fällt ihm wieder ein Gegensatz auf, der so gar nicht zu den „Aussies“ passen will: „Die Leute hier sind generell etwas lockerer als in Österreich, aber innerhalb der Universitätsstruktur ist alles, was nur eine Spur außerhalb der Norm ist und nicht einfach mittels eines vorgeschriebenen Formulars geregelt werden kann, wesentlich komplizierter.“
Ab durchs Gelände
Dafür wird er durch die reichhaltigen Möglichkeiten in seiner Wahlheimat entschädigt, sich draußen in der Natur frei zu fühlen. Wenn er nicht arbeitet, ist Daniel Kolarich natürlich am liebsten mit seiner Frau und seiner Tochter zusammen, aber ein toller Ausgleich zum Forscherleben ist für ihn auch das Fotografieren, Motorradfahren und 4WD Driving. 4WD? Das steht für den Allradantrieb (Four Wheel Drive) von Geländefahrzeugen. „Mit dem Jeep durchs Gelände fahren, das ist etwas, das man in Australien lieben lernen kann“, lacht er. Deutlich spürbar, dass es bei ihm so war.
Australia – Austria: nur bei Scrabble ein Katzensprung
Neues lieben lernen ist das eine – doch auch alte Lieben rosten bekanntlich nicht. Daniel Kolarich, der unterstützt durch einen Speakers Grant von brainpower austria am „11th International Congress on Amino Acids, Peptides and Proteins” im August 2009 in Wien teilgenommen hat, möchte mit seiner Familie gerne wieder nach Österreich zurückkehren. Da seine Gespräche mit einigen Stellen in Wien noch laufen, will er momentan aber noch nicht so viel darüber sagen – er deutet nur an, dass die Rückkehr nicht so leicht zu bewerkstelligen ist. „Es ist einfach ein sehr langer Weg nach Hause, man kommt nicht nur mal fürs Wochenende nach Österreich.“
Aus seiner eigenen Lebenserfahrung weiß Daniel Kolarich, dass für eine erfolgreiche Veränderung immer mehrere Faktoren zusammenspielen müssen. Oder doch zumindest zwei: „Leider ist es auch bei der Rückkehr immer ein wenig so, dass man zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein muss.“ Er zögert kurz. „Und ich hoffe stark, dass mir das gelingt.“