Im Portrait: Dipl.-Ing. Alexander Zimmerhackl
Von Wien nach Boston – und zurück

Obwohl es Frühling in Wien ist, schwärmt Dipl.-Ing. Alexander Zimmerhackl noch immer vom Herbst. Genauer gesagt vom Herbst in Neu-England. „Das ist wunderschön, der Indian Summer taucht das ganze Land in leuchtend bunte Farben, und in den Wäldern von Maine bis New York lässt es sich dann herrlich wandern und die Natur genießen.“
Bis Ende letzten Jahres arbeitete der Biotechnologe am Dana Farber Cancer Institute der renommierten Harvard Medical School in Boston und konnte so den Indian Summer in vollen Zügen genießen. Und obwohl er sich freut, wieder in seiner österreichischen Heimat zu sein, vermisst er die Landschaft an der amerikanischen Ostküste. „Die Nähe zum Meer war besonders reizvoll, wir haben fast jedes Wochenende dort verbracht“, erzählt er.
Von der BOKU nach Boston
Alexander Zimmerhackl wurde 1978 in Linz geboren und wuchs in Haslach in Oberösterreich auf. Von 1998 bis 2005 studierte er Biotechnologie an der BOKU (Universität für Bodenkultur) in Wien. Nach dem Studium arbeitete er als Prozess-Ingenieur für die Wiener Firma Vogelbusch, die Anlagen für die Biotech- und Pharma-Industrie plant und baut.
Doch Ende 2007 bekam seine Freundin, ebenfalls eine Naturwissenschaftlerin, ein Angebot für eine PostDoc-Stelle an der Harvard Medical School. Boston? Warum nicht, dachte sich Zimmerhackl. Immerhin ist die Stadt im Nordosten der USA einer der attraktivsten Standorte für Biotechnologie auf der Welt. Nicht nur Elite-Universitäten wie Harvard oder das MIT, sondern auch eine große Anzahl an Spitälern und Pharmafirmen finden sich hier.
Mit Antikörpern gegen den Krebs
Und so begann der Biotechnologe nach einem Job zu suchen und wurde „Dank des guten Netzwerks der ÖsterreicherInnen in Nordamerika“, wie er sagt, schnell fündig: Im Februar 2008 trat er als Techniker am Dana Farber Cancer Institute - das Forschungsinstitut und Spital der Harvard Medical School ist und sich in erster Linie mit der Behandlung von KrebspatientInnen und der Krebsforschung beschäftigt - seinen Dienst an. „Am DFCI habe ich in der Gruppe von Klaus Podar, ebenfalls ein Österreicher, an einem monoklonalen Antikörper gearbeitet, der in der Behandlung des Multiplen Myeloms eingesetzt werden soll“, erklärt er seine damalige Forschungsarbeit und ergänzt: „Das Multiple Myelom ist ein sehr aggressiver Tumor von Blutzellen.“
Zusammen mit einer großen Biotechfirma untersuchte die Forschungsgruppe, wie dieser Antikörper das Wachstum der Krebszellen hemmen kann. Alle Versuche wurden im Labor durchgeführt und werden erst später in klinische Phasen kommen. Trotzdem ist Zimmerhackl optimistisch: „Die ersten Ergebnisse sehen vielversprechend aus und können hoffentlich mithelfen, die Lebensqualität der Patienten zu verbessern.“
Mit einem Relocation Grant zurück in die Heimat
Seit Jänner 2010 hat er seine Zelte wieder in Wien aufgeschlagen. Ein Relocation Grant von brainpower austria unterstützte den jungen Forscher beim Umzug. Sein neuer Arbeitgeber, Zeta Biopharma, ist wieder ein Unternehmen, das Anlagen für die Biotech- und Pharma-Industrie baut.
In solchen biotechnologischen Anlagen werden unter anderem Mikroorganismen oder tierische Zellen kultiviert, um pharmazeutische Produkte oder andere Substanzen biologischen Ursprungs herzustellen. Das wohl bekannteste und eines der ältesten biotechnologisch hergestellten Medikamente ist Insulin.
Ein typischer biotechnologischer Herstellungsprozess sieht dabei so aus: In Bioreaktoren (auch Fermenter genannt) werden optimale und sterile Wachstumsbedingungen für Zellen geschaffen. Nach der Kultivierung, also wenn die Zellen genug Wirkstoff produziert haben, muss das Produkt gereinigt und für die spätere Anwendung weiterverarbeitet werden. Für all diese komplexen Herstellungsschritte muss man Wissen aus den Bereichen Biologie, Chemie und Technik kombinieren. „Das macht mir sehr viel Spaß und ist eine abwechslungsreiche Herausforderung“, sagt Zimmerhackl über seinen neuen Job.
Spannende Erfahrung
Für ihn war die Zeit in den USA eine spannende und wertvolle Erfahrung, die er nicht missen möchte. Obwohl die ersten Eindrücke für ihn teilweise sehr verwunderlich waren, z.B. hatte er nicht mit einem derart schlechten Zustand der Infrastruktur gerechnet. Doch viel wichtiger waren die ganzen positiven Eindrücke und die Gastfreundschaft der AmerikanerInnen.
„Das ganze ‚Unternehmen’ war zwar ein großer Aufwand, aber ich kann jedem Interessierten einen Aufenthalt in Boston nur wärmstens empfehlen“, bekräftigt er. „Für immer würde ich aber nicht dort bleiben, weil Österreich halt doch meine Heimat ist.”