
Sie war erst zwölf Jahre alt, aber für Dr. Marta Sabou war es Liebe auf den ersten Blick: „Als der Lehrer in der Schule uns zum ersten Mal einen Computer gezeigt hat, war ich sofort völlig fasziniert davon. Und den Sommer, als ich mein erstes eigenes Gerät bekam – damals waren das noch so riesige graue Kästen – verbrachte ich Tag und Nacht mit Programmieren“, erinnert sich die 33-jährige lächelnd.
Stationen in Amsterdam und England
Seit diesem Tag ist sie den Computern treu geblieben, nicht aber ihrer Heimat Rumänien, die ihr während ihrer Studienzeit bald zu eng wurde. Nach mehrjährigen Stationen an der Vrije Universiteit van Amsterdam – wo sie zunächst ein Stipendium bekam und dann ihren Master und ihren PhD machte – und an der Open University in England, lehrt und forscht Marta Sabou jetzt in Wien. Seit Mai 2010 ist sie als Assistant Professor am Institut für Neue Medientechnologie der privaten MODUL University in Wien tätig. Bei ihrer Bewerbung wurde sie von brainpower austria mit einem Interview Grant unterstützt.
Den Maschinen das menschliche Denken beibringen
Ihr Forschungsgebiet ist die „Artificial Intelligence“, oft auch als A.I. abgekürzt. Wer bei „A.I.“ sofort an den Kinofilm von Stanley Kubrick und Steven Spielberg denkt, in dem ein kleiner Roboterjunge verzweifelt versucht, genauso zu denken und zu fühlen wie ein Mensch, liegt gar nicht so falsch. Denn genau das ist es, was Marta Sabou mit ihrer Arbeit versucht: „Programmieren ist letztendlich die Kunst, das komplexe, menschliche Denken in eine simple Maschine zu transformieren“, erklärt sie. Anders ausgedrückt könnte man auch sagen, die A.I. bringt den Maschinen das menschliche Denken bei.
Optimierung von Suchmaschinen
Mit dem „Semantic Web“ beschäftigt sich dabei ihr aktuelles Forschungsprojekt. „Momentan ist ja der gesamte semantische Inhalt des Webs für Menschen geschrieben und ergibt daher für Computer keinen Sinn oder Bedeutung“, erklärt sie. „Beispielsweise führen Suchmaschinen den Suchbefehl ‚Bank’ so aus, dass sie alle Webseiten, in denen das Wort Bank vorkommt, auflisten, egal, ob es sich bei dem gesuchten Begriff um ein Bankhaus oder eine Sitzbank handelt.“ Mit ihrer Forschungsarbeit versucht Marta Sabou, diesen Graben zwischen künstlicher und menschlicher Intelligenz zu schließen.
„Mit der Hardware eines Computers zu arbeiten, hat mich nie interessiert“, sagt sie. „Mich interessiert vielmehr die Software, die mathematische Schönheit von Computerprogrammen und Algorithmen. Dabei geht es nämlich um kognitive Prozesse, also darum, wie der Verstand arbeitet.“
Work-Life-Balance mit Büchern und Kindertänzen
Wie und warum verstehen wir also? Wie gebrauchen wir unsere Logik? Und wie funktioniert eigentlich die soziale Intelligenz? Mit diesen grundlegenden Fragen des Menschseins beschäftigt sich Marta Sabou allerdings nicht nur in ihrem Beruf, sondern auch in ihrer Freizeit, denn sie ist Mutter von zwei kleinen Kindern im Alter von 3 Jahren und 8 Monaten.
Ihre Work-Life-Balance scheint sie dennoch gut im Griff zu haben. Bevor ihre Kinder geboren wurden, schwamm sie regelmäßig, nahm Aerobic- und Salsa-Stunden und interessierte sich für alternative Medizin, besonders für Aroma-Therapien und Reflexzonenmassagen. „Jetzt habe ich natürlich nicht mehr so viel Zeit für mich selbst. Aerobic habe ich gegen das Spielen und Herumtoben mit den Kindern eingetauscht, tanzen tue ich nun nach Kinderliedern, und als Mutter ist man auch so regelmäßig mit neuen, interessanten medizinischen Fragen konfrontiert“, sagt sie mit einem Augenzwinkern. Nur eine Sache ist ihr auch als ‚Working-Mum’ wichtig: Regelmäßig liest sie Bücher in den vier verschiedenen Sprachen, die sie fließend beherrscht (Rumänisch, Ungarisch, Italienisch und Englisch), um in allen auf dem gleichen hohen Level zu bleiben.
Grüß Gott in Transsilvanien
Auf die Frage, wie ihre Zukunftspläne aussehen und ob sie sich auch vorstellen könnte, für länger in Österreich zu bleiben, antwortet sie: „In den Niederlanden habe ich gelernt, dass man als Wissenschaftler möglichst an drei verschiedenen Institutionen in möglichst drei verschiedenen Ländern arbeiten sollte, bevor man sich richtig niederlässt.“ Wenn man ihre rumänische Studienzeit mitzählt, wäre Wien also die vierte Station in ihrem (ForscherInnen-)Leben. Und dann gibt es da auch noch eine Besonderheit in ihrer Familiengeschichte: „Ich habe meine Kindheit in einem kleinen Dorf in Transsilvanien verbracht, das in der Habsburger-Zeit von Familien aus Tirol gegründet wurde. Deswegen kommen mir hier in Wien viele Sachen sehr vertraut vor. Beispielsweise bin ich mit dem ‚Grüß Gott’ aufgewachsen, das meine Großmutter immer sagte, wenn sie ihre Freunde im Dorf traf.“ Keine schlechte Voraussetzung also dafür, dass sich Marta Sabou langfristig in Wien heimisch fühlt.