Casino-Selbstsperre Österreich - So lassen Sie sich vom Glücksspiel sperren

Eine Selbstsperre vom Glücksspiel kann ein wichtiger Schritt sein, wenn das Spielen außer Kontrolle gerät. In Österreich bieten alle legalen Glücksspielanbieter die Möglichkeit zur Selbstsperre - allerdings gibt es keine einheitliche, zentrale Sperrdatenbank. Dieser Ratgeber erklärt, wie Sie sich bei den verschiedenen Anbietern sperren lassen können.

Das Wichtigste in Kürze

  • Selbstsperre ist bei jedem legalen Anbieter einzeln zu beantragen
  • Eine zentrale österreichweite Sperrdatenbank existiert noch nicht
  • Mindestdauer der Sperre: meist 3-12 Monate, auf Wunsch länger
  • Auch Angehörige können eine Fremdsperre beantragen
  • Die Sperre allein reicht oft nicht - professionelle Hilfe ist empfohlen
  • Sperren gelten nur für österreichische Anbieter, nicht für EU-lizenzierte Plattformen

Was ist eine Selbstsperre?

Mit einer Selbstsperre erklären Sie gegenüber einem Glücksspielanbieter, dass Sie dessen Angebot für einen bestimmten Zeitraum nicht mehr nutzen möchten. Der Anbieter ist dann gesetzlich verpflichtet, Ihnen den Zutritt zu verweigern (bei Casinos) bzw. Ihren Account zu sperren (bei Online-Angeboten). Spielbanken, Lotterien und Sportwettenanbieter müssen laut Glücksspielgesetz ein Sperrsystem anbieten.

Neben der vollständigen Sperre gibt es oft auch mildere Formen der Selbstbeschränkung wie Besuchslimitierungen (etwa maximal zwei Casino-Besuche pro Monat) oder Verlustlimits (maximal 200 Euro pro Monat).

Das Problem: Keine zentrale Sperrdatenbank

Obwohl seit der Glücksspielgesetz-Novelle 2011 alle Betreiber zur Teilnahme an einer zentralen Sperrdatenbank verpflichtet wären, existiert diese bis heute nicht. In der Praxis bedeutet das: Wer sich bei Casinos Austria sperren lässt, kann weiterhin bei Admiral, Online-Sportwettenanbietern oder anderen Betreibern spielen - diese wissen von der Sperre nichts.

Wichtige Einschränkung:
Eine Selbstsperre bei einem einzelnen Anbieter ist kein vollständiger Schutz. Spielsüchtige können zu anderen Anbietern ausweichen. Für einen effektiven Schutz müssen Sie sich bei allen von Ihnen genutzten Anbietern separat sperren lassen.

Selbstsperre bei den einzelnen Anbietern

Casinos Austria (12 Standort-Casinos)

Die Casinos Austria AG betreibt alle 12 österreichischen Spielbanken (Wien, Linz, Salzburg, Graz, Innsbruck, Bregenz, Baden, Kitzbühel, Kleinwalsertal, Seefeld, Velden, Zell am See).

Option Details
Vollständige Sperre Zutrittsverbot zu allen 12 Casinos
Besuchslimitierung Begrenzung der Besuchshäufigkeit
Mindestdauer 3 Monate
Kontakt help@casinos.at
Adresse Casinos Austria AG, Rennweg 44, 1038 Wien

Für die Sperre benötigen Sie das ausgefüllte Sperrformular (auf playsponsible.at verfügbar) sowie eine Kopie Ihres gültigen Lichtbildausweises.

win2day (Online-Casino und Lotterien)

Als einziges legales Online-Casino in Österreich bietet win2day verschiedene Spielerschutz-Optionen direkt im Nutzerprofil:

  • Einzahllimits: Täglich, wöchentlich oder monatlich festlegbar
  • Zeitlimits: Maximale Spielzeit pro Tag
  • Vollständige Sperre: Über Spielerschutz-Menü im Profil aktivierbar

WINWIN (Video Lottery Terminals)

Die Österreichischen Lotterien betreiben über 20 WINWIN-Standorte mit rund 850 Automaten. Auch hier ist eine Selbstsperre möglich - separat von der win2day-Sperre.

Admiral und andere Automatenbetreiber

Im Bereich des „kleinen Glücksspiels“ (Landesausspielungen mit Glücksspielautomaten) bieten Anbieter wie Admiral, Jokers und Panther Gaming eigene Sperrmöglichkeiten. Diese gelten jeweils nur für den einzelnen Anbieter.

Sportwettenanbieter

Bei Sportwettenanbietern wie bwin, Interwetten oder bet-at-home finden Sie die Sperrfunktion in der Regel in den Kontoeinstellungen unter „Responsible Gaming“ oder „Spielerschutz“.

Schritt-für-Schritt: So beantragen Sie eine Selbstsperre

Anleitung Casinos Austria:

  1. Sperrformular von playsponsible.at herunterladen
  2. Formular vollständig ausfüllen (Name, Adresse, Sperrdauer)
  3. Unterschreiben Sie das Formular
  4. Kopie Ihres Lichtbildausweises anfertigen
  5. Per Post an Casinos Austria AG, Rennweg 44, 1038 Wien oder per E-Mail an help@casinos.at senden
  6. Die Sperre wird ab Antragstellung, spätestens am nächsten Werktag, wirksam

Fremdsperre: Wenn Angehörige handeln

Auch Lebenspartner, Familienmitglieder oder enge Freunde können eine Fremdsperre beantragen. Der Ablauf:

  1. Schriftlicher Antrag mit Begründung (z.B. Verschuldung, Vernachlässigung der Familie)
  2. Der Betroffene wird kontaktiert und kann Stellung nehmen
  3. Nach Prüfung entscheidet der Anbieter über die Sperre
  4. Bei vorliegenden Attesten oder nachweislicher Verschuldung wird die Sperre leichter durchgesetzt

Achtung: Bei einer Fremdsperre erfährt der Betroffene, wer den Antrag gestellt hat. Dies kann zu Konflikten führen - nutzen Sie diese Option daher nur in Ausnahmefällen oder nach Rücksprache mit einer Beratungsstelle.

Was die Sperre nicht abdeckt

Eine Selbstsperre hat wichtige Grenzen:

  • Nur bei österreichischen Anbietern wirksam: EU-lizenzierte Online-Casinos sind nicht erfasst
  • Keine anbietübergreifende Wirkung: Jede Sperre gilt nur beim jeweiligen Betreiber
  • Illegale Angebote: Hinterzimmer-Poker oder illegale Automaten sind nicht abgedeckt
  • Lotto und Rubellose: Am Kiosk gekaufte Lottoscheine können nicht gesperrt werden

Die Spielersperre des Vereins Spielerhilfe

Der gemeinnützige Verein Spielerhilfe hat 2020 eine eigene Plattform unter spielersperre.at eingerichtet. Dort können Sie eine Selbstsperre beantragen, die an alle österreichischen Glücksspielbetreiber weitergeleitet wird. Der Verein überwacht die Einhaltung und geht Verstößen rechtlich nach.

Ergänzende Maßnahmen

Die Selbstsperre sollte Teil eines umfassenden Plans sein:

  • BetBlocker-App: Sperrt über 78.500 Glücksspiel-Websites auf Ihren Geräten
  • Professionelle Beratung: Die Spielsuchthilfe Wien (Tel. 01/544 13 57) berät kostenlos
  • Finanzielle Absicherung: Übertragen Sie Kreditkarten und Bankzugang vorübergehend an eine Vertrauensperson
  • Therapie: Ambulante oder stationäre Behandlung bei schweren Fällen

Bedenken Sie: Eine Spielsucht betrifft oft nicht nur das Spielverhalten, sondern hat Auswirkungen auf viele Lebensbereiche. Tipps zur Work-Life-Balance und psychischen Gesundheit können Teil der Genesung sein.

Wichtiger Hinweis:
Die Selbstsperre ist ein hilfreiches Instrument, ersetzt aber keine professionelle Behandlung bei manifester Spielsucht. Nutzen Sie zusätzlich die kostenlosen Beratungsangebote in Ihrem Bundesland.
Fazit: Eine Selbstsperre vom Glücksspiel ist in Österreich bei jedem legalen Anbieter möglich, muss aber einzeln beantragt werden. Eine zentrale Sperrdatenbank fehlt leider noch immer. Für einen wirksamen Schutz sollten Sie sich bei allen genutzten Anbietern sperren lassen und ergänzend professionelle Hilfe in Anspruch nehmen.

Quellen