Digital Nomads – Arbeiten wo andere Menschen Urlaub

Dort arbeiten, wo andere Urlaub machen. Hängematte statt Büro, flexible Arbeitszeiten statt 9-to-5-Job. Klingt zu gut, um wahr zu sein? Digitale Nomaden leben diesen Traum und arbeiten überall dort, wo es Internetzugang gibt. Also wirklich fast überall auf der Welt. Ausgerüstet mit Laptop und Fotoapparat ziehen Sie durch Südostasien, Australien oder Neuseeland. Doch was genau arbeiten die digitalen Nomaden eigentlich? Und wie kann ich mein Büro gegen einen Platz an der Sonne tauschen?

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Digital Nomads in Südostasien

Neue digitale Arbeitswelten unter der Sonne

Eine Wissens- und Dienstleistungsgesellschaft, günstige Flüge und Internet – diese Entwicklungen waren die Voraussetzungen für das digitale Nomadentum. Doch wer sind die digitalen Nomaden eigentlich?

  • IT-Branche: App- und Software-Entwickler, Programmierer, IT-Experten
  • Werbefachleute und Online-Marketer: Grafiker, Webdesigner, Fotografen, Blogger, Texter, Content-Redakteure , Übersetzer
  • Forschung: Ph.D-Studenten, Lehrbeauftragte, Wissenschaftler
  • Außerdem: Ingenieure und Architekten, Unternehmer

Kurz gesagt all jene Menschen, die, um ihre Arbeit zu erledigen, nur einen Computer und Internetzugang brauchen. Konferenzen werden per Skype abgehalten und Dokumente über Dropbox geteilt. So ist ein völlig ortsunabhängiges Leben mit flexiblen Arbeitszeiten möglich. Vertreten sind unterschiedlichste Berufe, viele der Nomaden sind jedoch Webseiten- oder Blogbetreiber, arbeiten im Online-Marketing oder im E-Commerce.

Schöner arbeiten:  Co-Working am Strand

Wie viele digitale Nomaden es inzwischen tatsächlich gibt, ist nicht bekannt, da es keine offiziellen Zahlen gibt. Doch überall auf der Welt, in Marokko und in Thailand beispielsweise, eröffnen Unterkünfte, die sich auf die Ansprüche der travel workers  einstellen. Es gibt schnelles W-Lan, Skype-Räume und günstige Appartements.

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In einem Cafe arbeiten.

Auch Coworking-Spaces findet man inzwischen nicht mehr nur in hippen europäischen und amerikanischen Großstädten, sondern auch in Agadir, in Tarifa oder auf in Chiang Mai im Norden Thailands. Dort können sich digitale Nomaden für wenig Geld tage- oder wochenweise in ein Büro einmieten und in Ruhe programmieren, zeichnen, schreiben. Weil die Lebenserhaltungskosten in Entwicklungs- und Schwellenländern niedrig sind, zieht es viele Digitalarbeiter nach Südostasien, Nordafrika oder Südamerika. Idealerweise wird in der Nebensaison geflogen, um die Kosten niedrig zu halten. Sehr beliebt sind auch Anbieter wie etwa Urlaubsguru (https://www.urlaubsguru.at/) , die Schnäppchen zeigen, die nur kurzfristig gebucht werden können, oder unübliche Destinationen anfliegen.

Eine ständig wachsende Community von digitalen Wanderarbeitern gibt es beispielsweise in:

  • Ho-Chi-Minh-City in Vietnam
  • Chiang Mai in Thailand
  • Bali in Indonesien
  • Bangkok in Thailand

Aber auch in Europa gibt es Orte, die Digital Nomads anziehen, etwa:

  • Las Palmas auf den Kanaren
  • Barcelona
  • Tallin in Estland

Auch Berlin ist ein beliebter Hot-Spot, wenn auch vor allem in den Sommermonaten. Einen spannenden Ländervergleich hinsichtlich Kriterien wie flächendeckendes Internet, Community, Lebenserhaltungskosten, Infrastruktur (z.B. Appartements) etc. gibt es auf wirelesslife.de.

Eine sehr umfassende Liste mit Destinationen bietet: https://nomadlist.com/

Wie werde ich digitaler Nomade?

Die Grundvoraussetzung, um als digitaler Wanderarbeiter durch die Welt reisen zu können, ist eine Arbeit, die digital zu möglichst flexiblen Zeiten verrichtet werden kann und Geld einbringt.

Möglich ist dies etwa durch Freelancing – entweder direkt für Kunden, oder aber über Microjobs und Plattformen. Ganz klassisch wird hier Arbeitszeit gegen Geld getauscht bzw. ein Endprodukt gegen Geld getauscht – beispielsweise die grafische Entwicklung eines Logos für eine deutsche Firma oder die Übersetzung von Texten ins Englische.

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Portugal entwickelt sich zu einem Hotspot für Digital Nomaden.

Eine weitere Möglichkeit, die viele Wanderarbeiter nutzen, ist Blogging. Dabei wird ein Blog, z.B. ein Reiseblog, aufgebaut. Der Verdienst entsteht durch Affiliate-Marketing und Werbung bzw. Produktplacement direkt in den Blogartikeln. So empfiehlt der Blogger z.B. ein Hotel – und bekommt dafür einen bestimmten Betrag. Das Gute am Bloggen: Irgendwann verselbständigt sich das Projekt und der Blog wirft Tag und Nacht Geld ab, unabhängig von der Arbeitszeit, z.B. dann, wenn ein Nutzer auf ein Banner klickt. Allerdings ist der Aufbau eines Blogs mit einem hohen Aufwand verbunden und dauert relativ lange.

Eine weitere Möglichkeit, um von unterwegs Geld zu verdienen ist die Produktion von Info-Produkten, etwa von E-Books, Online-Kursen oder Apps.

Wie die Entscheidung auch ausfällt, bevor die Reise losgeht, sollte Folgendes erledigt bzw. geklärt sein:

  • Gewerbeanmeldung
    Je nachdem, wie das Geschäftsmodell genau aussieht, muss eine Gewerbeanmeldung erfolgen.
  • Steuern und Recht
    Steuern müssen dort bezahlt werden, wo der eigene Lebensmittelpunkt ist – bzw. wo man sich mehr als 183 Tage im Jahr aufhält. Doch was, wenn man nirgends solange bleibt? Es empfiehlt sich, im vorne herein mit dem Finanzamt und einem Steuerberater zu sprechen.
  • Telefon & Post
    Verschiedene Dienste bieten digitale Postnachsendung an, etwa Dropscan. Die eingehenden Briefe werden gescannt in die Cloud geladen. Für das Handy empfiehlt sich eine lokale SIM-Karte oder eine Anruferweiterung mit Skype.
  • Digitales Büro
    File-Sharing-Tools, VPN-Verbindung für öffentliches W-Lan, Tools für digitale Unterschriften und zum Scannen etc. machen das Arbeiten von unterwegs einfacher. Dasselbe gilt für mobiles Modem oder Surf-Stick.
  • Krankenversicherung
    Wer nur wenige Monate pro Jahr unterwegs ist und seinen Wohnsitz noch in Österreich bzw. Deutschland hat, bucht einfach eine übliche Reiseversicherung (möglich für bis zu einem Jahr). Wer ohne Wohnsitz ist und die Krankenversicherung im Herkunftsland ausgesetzt hat, kann eine internationale Krankenversicherung abschließen (z.B. Worldnomads https://www.worldnomads.com/).

Tipps für ein erfolgreiches Leben als digitaler Wanderarbeiter

  • Leidenschaft für den Job
    Ohne Leidenschaft für den Job geht auch bei den digitalen Nomaden nichts. Wer tut, was er liebt, macht seine Arbeit gut. Wer sich nicht für Online-Marketing interessiert, sollte nicht in diesem Bereich arbeiten.
  • Erst Business aufbauen, dann starten
    Alte Hasen empfehlen, erst ein Business zu gründen und dann erst zu starten – einfach deshalb, weil es etwas dauert, bis man Kunden und Geschäftsbeziehungen aufbaut und das eigene Tun dann auch Geld abwirft.
  • Realistische Erwartungen
    Alle drei Tage ein neuer Traumstrand? Das ist unrealistisch. Um konzentriert arbeiten zu können, ist es dienlich, etwas länger an einem Ort zu bleiben. Meist arbeiten die Digitalnomaden gleich viele Stunden, wie ein Angestellter in Deutschland – oder gar mehr.
  • Disziplin
    Klar, wer immer unterwegs ist, hat sehr viel Interessantes zu entdecken und zu erleben. Es ist auch eine Herausforderung, ohne feste Strukturen zurechtzukommen und diszipliniert zu arbeiten. Ohne Einsatz geht’s jedoch auch als digitaler Wanderarbeiter nicht.

Wissenswertes über Digitalnomaden

  • Kultbücher zum Thema
    Als Bibel für die digitalen Nomaden gilt Timothy Ferriss Buch „The four hour week“, in welchem der Autor beschreibt, wie jeder Mensch Millionär werden kann, ohne eine Million besitzen zu müssen. Glücklich sei, so Ferriss, wer arbeite, ohne dass es sich nach Arbeit anfühle – und wer wenig, dafür aber produktiv arbeite. (https://fourhourworkweek.com/)
    Ebenfalls empfehlenswert ist die Lektüre „Wir nennen es Arbeit“ von Friebe Holm und Sascha Lobo. (https://wirnennenesarbeit.de/)
  • DNX-Konferenz
    (https://www.dnx-berlin.de/ & https://www.dnxglobal.com/ )
    Die erste deutsche Konferenz für Digitalnomaden fand 2014 in Berlin statt. Inzwischen bietet die Konferenz fünf Tage Programm, zahlreiche Workshops und Vorträge.