Seit 1974 ist der Mutter-Kind-Pass ein Erfolgsmodell der österreichischen Gesundheitsvorsorge – die Säuglingssterblichkeit sank nach seiner Einführung um über 60%. Ab Oktober 2026 wird dieses Erfolgskonzept ins digitale Zeitalter geholt: Der Eltern-Kind-Pass wird vollständig elektronisch.
- Ab 1. Oktober 2026 werden neue Schwangerschaften nur noch digital dokumentiert
- Ab 1. März 2027 auch Kinderdaten elektronisch gespeichert
- Befunde werden in ELGA einsehbar
- Kein Verlust des Passes mehr möglich
- Automatische Erinnerungsfunktion für Untersuchungen
- Neue Leistungen: psychosoziale Beratung, zusätzlicher Ultraschall
- Papierversion auf Wunsch weiterhin erhältlich
Der Zeitplan für die Umstellung
Die Einführung des digitalen Eltern-Kind-Passes erfolgt schrittweise:
| Datum | Was passiert |
|---|---|
| Ab 1. Oktober 2026 | Alle neu festgestellten Schwangerschaften werden ausschließlich digital dokumentiert |
| Ab 1. März 2027 | Daten von Kindern, die ab diesem Tag geboren werden, werden elektronisch gespeichert |
| Laufend | Erweiterung des Untersuchungsprogramms |
Der Start des digitalen Passes war ursprünglich für Anfang 2026 vorgesehen. Aufgrund der Komplexität der technischen Umsetzung wurde er auf den 1. Oktober 2026 verschoben – inklusive eines sechsmonatigen Pilotbetriebs.
Was ändert sich für Eltern?
Vorteile der Digitalisierung
- Kein Verlust mehr: Das berühmte „gelbe Heft“ kann nicht mehr verloren gehen oder beschädigt werden
- Einfacher Zugang: Befunde jederzeit über App oder ELGA einsehbar
- Automatische Erinnerungen: Das System erinnert an fällige Untersuchungen
- Mehrsprachigkeit: Informationen in verschiedenen Sprachen verfügbar
- Vernetzung: Einfache Weitergabe zwischen Ärzten, Hebammen und Beratungsstellen
- Datensicherheit: Verschlüsselte Speicherung nach höchsten Standards
Was bleibt gleich
- Kostenfreier Anspruch auf alle Untersuchungen
- Papierversion auf Wunsch weiterhin erhältlich
- Anonyme Geburt bleibt gewährleistet
- Keine Verpflichtung zur Nutzung der App
Neue Leistungen im Eltern-Kind-Pass
Mit der Digitalisierung wird auch das Untersuchungsprogramm erweitert. Diese neuen Leistungen werden aufgenommen:
| Neue Leistung | Beschreibung |
|---|---|
| Psychosoziale Beratung | Zu Beginn der Schwangerschaft |
| Zweite Hebammenberatung | Zusätzlich vor der Geburt (freiwillig) |
| Zusätzlicher Ultraschall | Option für weitere Untersuchung |
| Erweiterte Laboruntersuchungen | Entsprechend fachlicher Empfehlungen |
| Gesundheitsberatung | Für Schwangere |
| Elternberatung | Vereinbarkeit Familie/Beruf, Aufteilung Elternzeit, Teilzeit-Auswirkungen |
Integration in ELGA
Der elektronische Eltern-Kind-Pass wird in die Elektronische Gesundheitsakte (ELGA) integriert. Das bedeutet:
- Befunde werden verschlüsselt in ELGA gespeichert
- Berechtigte Ärzte und Hebammen können darauf zugreifen
- Keine wiederholte Mitnahme von Befunden notwendig
- Verlängerte Speicherfrist: 30 Jahre statt bisher 10 Jahre
Die Verlängerung von 10 auf 30 Jahre ist besonders wichtig für chronische, seltene oder komplexe Erkrankungen, bei denen eine lange Krankengeschichte für die Behandlung relevant sein kann.
Vernetzung mit „Frühe Hilfen“
Ein wichtiger Aspekt des digitalen Passes ist die Vernetzung mit Unterstützungsangeboten wie den „Frühen Hilfen“ – einem Netzwerk für belastete Familien. Durch digitale Schnittstellen wird die Zuweisung zu Beratungsstellen und Hilfsangeboten erleichtert.
Datenschutz und Privatsphäre
Beim digitalen Eltern-Kind-Pass gelten strenge Datenschutzbestimmungen:
- Nur berechtigte Nutzer können auf die Daten zugreifen
- Mütter können die Dateneinsicht sperren lassen
- Familienberatungsstellen sehen nur für sie relevante Daten
- Verschlüsselte Speicherung nach EU-DSGVO
- Anonyme Geburt bleibt weiterhin möglich
Auch ohne Nutzung der digitalen App haben alle Schwangeren und Kinder in Österreich weiterhin kostenfreien Anspruch auf sämtliche Untersuchungen und Beratungen im Rahmen des Eltern-Kind-Passes.
Vom Mutter-Kind-Pass zum Eltern-Kind-Pass
Seit 1. Jänner 2024 heißt der ehemalige „Mutter-Kind-Pass“ offiziell „Eltern-Kind-Pass“. Die Umbenennung soll zum Ausdruck bringen, dass auch Väter Verantwortung für die Gesundheit ihrer Kinder übernehmen.
Die Erfolgsgeschichte seit 1974
Der Mutter-Kind-Pass war eines der erfolgreichsten gesundheitspolitischen Projekte Österreichs:
- Einführung 1974: Österreich hatte damals eine der höchsten Säuglingssterblichkeitsraten
- In den zehn Jahren nach Einführung sank die Säuglingssterblichkeit um über 60%
- Jährlich werden rund 425.000 Kinder und 82.000 Schwangere/Neugeborene erfasst
- Das Untersuchungsprogramm war seit 2014 unverändert – bis jetzt
Änderungen bei der Krankenversicherung
Eine weitere wichtige Neuerung betrifft die Krankenversicherung für Lebensgefährten und Lebensgefährtinnen in Elternkarenz:
Bisher mussten durchgängige zehn Monate eines gemeinsamen Haushalts nachgewiesen werden. Künftig ist dieser Nachweis nicht mehr notwendig, wenn sich der Partner oder die Partnerin der Kindererziehung widmet.
Häufige Fragen zum digitalen Eltern-Kind-Pass
Muss ich die App nutzen?
Nein, die Nutzung ist freiwillig. Sie haben weiterhin Anspruch auf alle Untersuchungen, auch ohne digitale App. Auf Wunsch erhalten Sie auch eine gedruckte Version.
Was passiert bei meinem laufenden Mutter-Kind-Pass?
Bereits laufende Dokumentationen werden nicht automatisch digitalisiert. Die neuen Regelungen gelten für Schwangerschaften ab Oktober 2026.
Kann ich meine Daten löschen lassen?
Sie können die Einsicht in Ihre Daten sperren lassen. Die Löschung erfolgt nach Ablauf der Speicherfrist (30 Jahre).
Ist eine anonyme Geburt noch möglich?
Ja, die anonyme Geburt bleibt auch mit dem digitalen System gewährleistet.