In Österreich sind schätzungsweise 40.000 bis 60.000 Menschen von Glücksspielsucht betroffen, weitere 60.000 gelten beim Online-Glücksspiel als stark gefährdet. Die Dunkelziffer ist hoch, denn Spielsucht wird oft jahrelang verheimlicht. Dieser Artikel erklärt die Warnsignale, bietet einen Selbsttest und listet alle Hilfsangebote in Österreich auf.
- 40.000-60.000 Österreicher sind glücksspielsüchtig (Anton Proksch Institut)
- Jugendliche zwischen 16 und 25 Jahren sind besonders gefährdet
- Spielsucht ist eine anerkannte Krankheit (ICD-10) und behandelbar
- Kostenlose, anonyme Beratung in jedem Bundesland verfügbar
- Die Spielsuchthilfe Wien bietet österreichweite Unterstützung
- Selbsthilfe-Tools wie genuggespielt.at ergänzen professionelle Therapie
Was ist Spielsucht?
Pathologisches Glücksspiel - so der medizinische Fachbegriff - ist eine Impulskontrollstörung. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) klassifiziert Spielsucht unter dem Code ICD-10 als eigenständige Krankheit. Anders als bei stoffgebundenen Süchten wie Alkohol oder Drogen ist Spielsucht eine Verhaltenssucht: Der Körper entwickelt keine physische Abhängigkeit, aber das Gehirn wird auf die Dopaminausschüttung beim Spielen konditioniert.
Spielsucht betrifft nicht nur Casino-Besucher oder Online-Zocker. Auch exzessives Sportwetten, Automatenspiel oder sogar Lotterien können süchtig machen. Entscheidend ist nicht die Art des Spiels, sondern der Kontrollverlust.
Warnsignale und Symptome
Die Entwicklung einer Spielsucht verläuft meist schleichend. Das Diagnostische und Statistische Manual Psychischer Störungen (DSM-V) definiert folgende Kriterien:
| Symptom | Beschreibung |
|---|---|
| Toleranzentwicklung | Immer höhere Einsätze nötig für gleiche Erregung |
| Entzugserscheinungen | Unruhe und Reizbarkeit beim Versuch aufzuhören |
| Kontrollverlust | Wiederholte erfolglose Versuche, das Spielen einzuschränken |
| Gedankliche Einengung | Starke Beschäftigung mit Glücksspiel, Planung der nächsten Spielsession |
| Fluchtverhalten | Spielen zur Bewältigung von Stress oder negativen Gefühlen |
| Verlustjagd | Zurückkehren, um Verluste auszugleichen |
| Lügen | Verheimlichen des Ausmaßes gegenüber Familie und Freunden |
| Gefährdung | Verlust von Beziehungen, Arbeit oder Ausbildungschancen |
| Finanzielle Abhängigkeit | Angewiesenheit auf andere zur Geldbeschaffung |
Mindestens vier dieser Symptome über einen Zeitraum von 12 Monaten deuten laut DSM-V auf pathologisches Spielen hin. Die Nutzungszeit allein ist kein aussagekräftiges Kriterium - entscheidend ist die Beeinträchtigung des täglichen Lebens.
Selbsttest: Bin ich gefährdet?
Beantworten Sie folgende Fragen ehrlich:
- Haben Sie schon mehr Geld verspielt, als Sie sich eigentlich leisten können?
- Haben Sie schon einmal gelogen, um Ihr Spielverhalten zu verbergen?
- Denken Sie auch außerhalb des Spielens häufig an Glücksspiel?
- Spielen Sie, um Probleme zu vergessen oder negative Gefühle zu bewältigen?
- Haben Sie schon versucht, Verluste durch erneutes Spielen auszugleichen?
- Haben Sie erfolglos versucht, weniger zu spielen oder ganz aufzuhören?
- Hat Ihr Spielverhalten schon zu Konflikten in Beziehungen oder am Arbeitsplatz geführt?
- Haben Sie sich wegen des Spielens Geld geliehen oder Wertgegenstände verkauft?
Bereits bei einer Ja-Antwort sollten Sie Ihr Spielverhalten kritisch reflektieren. Bei zwei oder mehr Ja-Antworten könnte eine beginnende Spielsucht vorliegen. Zögern Sie nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen - die Beratung ist kostenlos und kann anonym erfolgen.
Hilfsangebote in Österreich
In jedem Bundesland gibt es spezialisierte Beratungsstellen. Die wichtigsten Anlaufstellen:
Österreichweite Anlaufstellen
- Spielsuchthilfe Wien: Tel. 01/544 13 57, therapie@spielsuchthilfe.at, www.spielsuchthilfe.at
- Anton Proksch Institut: Tel. 01/880 10-0, www.api.or.at
- Spielerschutzstelle BMF: www.bmf.gv.at/themen/gluecksspiel-spielerschutz
Beratungsstellen nach Bundesland
| Bundesland | Einrichtung | Kontakt |
|---|---|---|
| Wien | Spielsuchthilfe | 01/544 13 57 |
| Niederösterreich | Anton Proksch Institut (mehrere Standorte) | 01/880 10 |
| Oberösterreich | Spielsuchtambulanz Linz | 05/76 80 87-39571 |
| Salzburg | Christian Doppler Klinik | 0662/44 83 4603 |
| Steiermark | b.a.s. Steirische Gesellschaft für Suchtfragen | 0316/82 11 99 |
| Kärnten | Landesstelle Suchtprävention | 050/536-51413 |
| Tirol | kontakt+co Suchtprävention | 0512/58 57 30 |
| Vorarlberg | Clean Bregenz | 05574/45 400 |
| Burgenland | PSD Burgenland | 05 09 44 |
Online-Selbsthilfe-Tools
Ergänzend zur professionellen Beratung gibt es digitale Hilfsmittel:
- genuggespielt.at: Online-Selbsthilfetool zur Reduktion oder Beendigung des Glücksspiels
- wette-glueck.at: Informationen speziell zum Thema Sportwetten
- BetBlocker: Kostenlose App zur Sperrung von Glücksspiel-Websites
Hinweise für Angehörige
Als Partner, Familienmitglied oder Freund eines Spielsüchtigen befinden Sie sich oft in einer schwierigen Situation. Einige Empfehlungen:
- Machen Sie keine Vorwürfe - äußern Sie stattdessen Ihre Sorgen sachlich
- Leihen Sie kein Geld - das unterstützt die Sucht, statt zu helfen
- Verheimlichen Sie das Problem nicht vor anderen Familienmitgliedern
- Informieren Sie sich über Beratungsangebote auch für Angehörige
- Schützen Sie Ihre eigenen Finanzen und Ihre psychische Gesundheit
Spielsucht ist eine ernsthafte Erkrankung, aber sie ist behandelbar. Je früher professionelle Hilfe in Anspruch genommen wird, desto besser sind die Heilungschancen. Alle genannten Beratungsstellen arbeiten vertraulich und unterliegen der Schweigepflicht.