Tamponsteuer abgeschafft 2026 - Periodenprodukte und Verhütungsmittel steuerfrei in Österreich

Rund 500.000 Frauen in Österreich sind von Periodenarmut betroffen - also dem mangelnden Zugang zu notwendigen Hygieneprodukten. Mit 1. Jänner 2026 fällt nun die sogenannte Tamponsteuer vollständig weg: Periodenprodukte und Verhütungsmittel sind ab sofort von der Umsatzsteuer befreit.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ab 1.1.2026 entfällt die Umsatzsteuer auf Periodenprodukte vollständig (vorher 10%)
  • Auch Verhütungsmittel wie Kondome, Pille und Hormonspiralen sind steuerfrei
  • Kondome profitieren am stärksten - sie waren mit 20% USt belegt
  • Studie der WU Wien: Steuersenkungen werden an Konsumentinnen weitergegeben
  • Pilotprojekt für kostenlose Produkte in Schulen geplant
  • Frauen geben im Laufe ihres Lebens ca. 2.500 Euro für Periodenprodukte aus

Diese Produkte sind ab 2026 umsatzsteuerfrei

Die Umsatzsteuerbefreiung gilt ab 1. Jänner 2026 für eine Vielzahl von Produkten, die bisher mit 10% oder sogar 20% besteuert waren. Das Regierungsprogramm der ÖVP-SPÖ-NEOS-Koalition hatte diese Maßnahme zur Bekämpfung der Periodenarmut angekündigt.

Produktkategorie Bisherige USt Ab 2026
Tampons, Binden, Slipeinlagen 10% 0%
Menstruationstassen 10% 0%
Periodenunterwäsche 10% 0%
Kondome 20% 0%
Antibabypille 10% 0%
Hormonspiralen 10% 0%

Die Geschichte der Tamponsteuer in Österreich

Vor der ersten Steuersenkung waren Periodenprodukte in Österreich höher besteuert als Luxusgüter wie Kaviar oder Austern. Ein Umstand, den Kritiker als geschlechtsspezifische Diskriminierung - oft als „Pink Tax“ bezeichnet - anprangerten.

Die Initiative #aufstehn startete 2017 die Kampagne „Runter mit der Tamponsteuer“. Damals wurde das Thema noch belächelt, Menstruation galt als Tabu. Doch die Kampagne zeigte Wirkung: 2021 senkte die türkis-grüne Regierung die Steuer von 20% auf 10%.

Studie bestätigt:
Eine Ende 2023 veröffentlichte Studie der Wirtschaftsuniversität Wien zeigt: Die Steuersenkung von 2021 wurde vollständig an die Konsumentinnen weitergegeben. Die Preise für Periodenprodukte sanken durchschnittlich um 10%. Das gleiche Ergebnis wurde auch in Frankreich, Belgien und Deutschland beobachtet.

Was bedeutet Periodenarmut?

Periodenarmut bezeichnet den mangelnden oder unsicheren Zugang zu notwendigen Hygieneprodukten, vor allem bei einkommensschwachen Personen. In Österreich sind schätzungsweise 500.000 Frauen davon betroffen.

Frauen sind im Laufe ihres Lebens durchschnittlich rund 450-mal auf Periodenprodukte angewiesen. Über viele Jahre summieren sich die Ausgaben auf mindestens 2.500 Euro - eine erhebliche finanzielle Belastung für einkommensschwache Haushalte.

So viel sparen Sie konkret

Produkt (Beispiel) Preis bisher Preis ab 2026 Ersparnis
Tampons (32 Stück) 5,50 € 5,00 € ca. 9%
Kondome (12 Stück) 12,00 € 10,00 € ca. 17%
Antibabypille (3 Monate) 45,00 € 40,90 € ca. 9%

Am stärksten profitieren Käufer von Kondomen, die bisher mit dem vollen Umsatzsteuersatz von 20% belegt waren. Bei Periodenprodukten liegt die Ersparnis bei rund 9-10%.

Wichtig zu wissen:
Beim einzelnen Einkauf wird die Ersparnis wegen der anhaltend hohen Inflation nur begrenzt spürbar sein. Über Jahre hinweg kann sich die Steuerbefreiung jedoch deutlich summieren - bei durchschnittlich 450 Perioden im Leben einer Frau.

Kostenlose Produkte in Schulen geplant

Im Regierungsprogramm ist zusätzlich ein Pilotprojekt für kostenlose Menstruationsprodukte verankert. In Schulen, Universitäten und öffentlichen Gebäuden sollen Tampons und Binden in Kooperation mit Herstellern kostenlos zur Verfügung gestellt werden.

Vorreiter ist hier Schottland: Dort werden Periodenprodukte bereits seit 2020 kostenlos an öffentlichen Orten angeboten. Auch in Irland und Großbritannien sind sie seit 2020 von der Steuer befreit.

Was ist die „Pink Tax“?

Die Pink Tax ist kein offizieller Steuerbegriff, sondern bezeichnet eine geschlechtsspezifische Preisdiskriminierung: Produkte und Dienstleistungen, die speziell für Frauen vermarktet werden, sind oft teurer als vergleichbare Produkte für Männer.

Beispiele für die Pink Tax finden sich bei Rasierern (rosa vs. blau), Deos, Shampoos oder Friseurbesuchen. Die Abschaffung der Tamponsteuer ist ein wichtiger Schritt gegen diese Ungleichbehandlung, auch wenn die Pink Tax in anderen Bereichen weiterhin besteht.

Internationale Vergleiche

Land Tamponsteuer Seit
Kenia 0% 2004
Australien 0% 2019
Großbritannien, Irland 0% 2020
Deutschland 7% (ermäßigt) 2020
Österreich 0% 2026

Kontrolle durch Bundeswettbewerbsbehörde

Ob die Steuersenkung tatsächlich an die Konsumentinnen weitergegeben wird, kann von der Bundeswettbewerbsbehörde überprüft werden. Die Erfahrungen aus der Steuersenkung 2021 stimmen jedoch optimistisch: Damals wurde die Reduktion vollständig an die Kundinnen weitergereicht.

Statement der Frauenministerin:
„Weder Kondome noch Tampons oder Binden sind Luxusartikel. Ihre Leistbarkeit ist ein zentrales gesundheitliches Anliegen, das viel zu lange tabuisiert wurde“, betont Frauenministerin Eva-Maria Holzleitner. Die Umsatzsteuerbefreiung sei ein wichtiger Schritt, um Frauengesundheit stärker in den Mittelpunkt zu rücken.

Weitere Maßnahmen gegen Periodenarmut

Die Studienautoren der WU Wien warnen allerdings davor, die Steuerbefreiung als Allheilmittel zu betrachten. Um Periodenarmut nachhaltig zu bekämpfen, brauche es zusätzliche Maßnahmen:

  • Kostenlose Bereitstellung von Periodenprodukten in Schulen und sozialen Einrichtungen
  • Mehr Aufklärungsarbeit zum Thema Menstruation
  • Abbau von Tabus rund um die Periode
  • Gezielte Unterstützung für einkommensschwache Haushalte
Fazit: Die Abschaffung der Tamponsteuer ab 1. Jänner 2026 ist ein überfälliger Schritt für mehr Gleichstellung und finanzielle Entlastung. Periodenprodukte und Verhütungsmittel sind keine Luxusgüter, sondern Grundbedürfnisse. Die vollständige Steuerbefreiung wird die Produkte günstiger machen - auch wenn die Ersparnis im Einzelkauf begrenzt bleibt, summiert sie sich über die Jahre zu einer spürbaren Entlastung.

Quellen