Glücksspiel-Konzessionen Österreich - Wer darf Casinos und Lotterien betreiben?

Das österreichische Glücksspielwesen ist streng reguliert: Der Staat vergibt nur eine begrenzte Anzahl an Konzessionen für Lotterien, Casinos und Online-Glücksspiel. Die wichtigsten Lizenzen laufen 2027 aus - eine Neuvergabe steht bevor. Dieser Artikel erklärt das Monopolsystem und wer in Österreich legal Glücksspiel anbieten darf.

Das Wichtigste in Kürze

  • Maximal 15 Spielbanken-Konzessionen möglich (12 aktuell vergeben)
  • Nur eine Lizenz für Lotterien und Online-Glücksspiel (win2day)
  • Konzessionsinhaber: Casinos Austria AG und Österreichische Lotterien GmbH
  • Lotterien-Konzession und 6 Casino-Lizenzen laufen am 30.09.2027 aus
  • Weitere 6 Casino-Lizenzen enden am 31.12.2030
  • Vergabeverfahren für 2027 bereits gestartet

Das österreichische Glücksspielmonopol

Das Glücksspielgesetz (GSpG) aus 1989 etabliert ein staatliches Monopol: Das Recht zur Durchführung von Glücksspielen ist grundsätzlich dem Bund vorbehalten (§ 3 GSpG). Der Staat vergibt dieses Recht durch Konzessionen an private Unternehmen - unter strengen Auflagen und zeitlich befristet.

Die Begründung für das Monopol ist ordnungspolitisch: Ein liberalisierter Markt würde zu einem Überangebot führen und Spielerschutzmaßnahmen erschweren. Die Konzentration auf wenige, kontrollierte Anbieter soll illegales Glücksspiel verdrängen und die Spieler schützen.

Übersicht der Konzessionsarten

Konzessionsart Gesetzliche Grundlage Maximale Anzahl Aktueller Inhaber
Lotterien-Konzession §§ 6-12b GSpG 1 Österreichische Lotterien GmbH
Online-Glücksspiel § 14 GSpG 1 (Teil der Lotterien-Konzession) Österreichische Lotterien (win2day)
Spielbanken (Casinos) § 21 GSpG 15 Casinos Austria AG (12 vergeben)
Video Lottery Terminals § 12a GSpG Teil der Lotterien-Konzession Österreichische Lotterien (WINWIN)
Kleines Glücksspiel § 5 GSpG Max. 3 pro Bundesland Verschiedene (z.B. Admiral)

Die Konzessionsinhaber im Detail

Casinos Austria AG

Die Casinos Austria AG betreibt alle 12 österreichischen Spielbanken. Die Eigentümerstruktur:

  • ÖBAG (Republik Österreich): ca. 33,3%
  • Sazka Group (tschechischer Glücksspielkonzern): ca. 55%
  • Kleinaktionäre und andere: ca. 12%

Die Casino-Standorte und ihre Konzessionslaufzeiten:

Standort Konzession bis
Wien, Linz, Salzburg, Graz, Innsbruck, Bregenz 31. Dezember 2027
Baden, Kitzbühel, Kleinwalsertal, Seefeld, Velden, Zell am See 31. Dezember 2030

Österreichische Lotterien GmbH

Die Österreichische Lotterien GmbH ist eine Tochter der Casinos Austria und hält:

  • Die Konzession für alle Lotterieausspielungen (Lotto „6 aus 45“, Euromillionen, Toto, Bingo etc.)
  • Die einzige Lizenz für Online-Glücksspiel (win2day mit Casino-Spielen und Online-Lotto)
  • Die Berechtigung für Video Lottery Terminals (WINWIN-Standorte)

Die Lotterien-Konzession (inklusive Online-Glücksspiel) läuft am 30. September 2027 aus.

Anforderungen für Konzessionsinhaber

Das Glücksspielgesetz stellt hohe Anforderungen an potenzielle Konzessionäre (§ 14 GSpG):

  • Nachweis ausreichender finanzieller Mittel und solider Eigentümerstruktur
  • Unternehmensorganisation die Spielsuchtvorbeugung gewährleistet
  • Konzepte für effektiven Spielerschutz und Geldwäscheprävention
  • Technische Sicherheit der Spielsysteme
  • Erreichte und angestrebte Zertifizierungen (z.B. WLA Responsible Gaming)
  • Keine Verurteilungen wegen Vermögensdelikten bei Eigentümern oder Geschäftsführern
Gut zu wissen:
Die Casinos Austria und Österreichischen Lotterien gehören weltweit zu den ersten Glücksspielanbietern mit Responsible-Gaming-Zertifizierung auf höchstem Standard der World Lottery Association (WLA).

Das Vergabeverfahren 2027

Da die Konzessionen für Lotterien und sechs Casinos 2027 auslaufen, hat das Finanzministerium bereits 2024 den Vergabeprozess gestartet. Der Ablauf:

  1. Veröffentlichung der Ausschreibungsbedingungen
  2. Bewerbungsfrist für interessierte Unternehmen
  3. Prüfung der Bewerbungen durch einen Beirat
  4. Vergabe durch die Glücksspielaufsichtsbehörde

Das Verfahren dauert laut Gesetz bis zu 45 Monate. Die Casinos Austria AG hat bereits angekündigt, sich für alle auslaufenden Konzessionen zu bewerben. Ob es ernstzunehmende Mitbewerber geben wird, ist noch offen - die hohen Eintrittsbarrieren schrecken viele potenzielle Interessenten ab.

Kritik am Monopolsystem

Das österreichische Glücksspielmonopol steht seit Jahren in der Kritik:

  • Interessenkonflikt: Der Staat ist über die ÖBAG Miteigentümer an Casinos Austria und gleichzeitig über das Finanzministerium Aufsichtsbehörde
  • Grauer Markt: EU-lizenzierte Anbieter bedienen de facto den österreichischen Markt, ohne lokale Aufsicht
  • EU-Rechtsfragen: Die Dienstleistungsfreiheit der EU steht dem Monopol potenziell entgegen
  • Fehlende Sperrdatenbank: Der Spielerschutz leidet unter mangelnder Vernetzung

Der Verfassungsgerichtshof (VfGH) hat das Monopol 2016 grundsätzlich als EU-konform bestätigt, kritisierte aber 2022 unzureichende Spielerschutzvorschriften. Die geplante Glücksspielreform soll diese Kritikpunkte adressieren - unter anderem durch eine unabhängige Aufsichtsbehörde.

Landesausspielungen: Das kleine Glücksspiel

Neben den Bundeskonzessionen gibt es das „kleine Glücksspiel“ nach § 5 GSpG. Hier können die Bundesländer bis zu drei Konzessionen für Glücksspielautomaten vergeben. Dieses Segment ist in Wien (seit 2015), Tirol und Vorarlberg verboten. In den anderen Bundesländern sind Betreiber wie Admiral, Jokers oder Panther Gaming aktiv.

Die Regeln variieren je nach Bundesland - Spielgewinne aus dem kleinen Glücksspiel unterliegen denselben steuerlichen Regelungen wie andere Glücksspielgewinne.

Wichtige Einschränkung:
Ausländische Glücksspielanbieter ohne österreichische Konzession verstoßen gegen das GSpG. Spieler bei solchen Anbietern haben zwar keine strafrechtlichen Konsequenzen zu befürchten, aber auch keinen gesicherten Rechtsschutz. Gerichtsurteile ermöglichen in manchen Fällen die Rückforderung von Verlusten.
Fazit: Das österreichische Glücksspielwesen ist durch ein Konzessionssystem mit wenigen Anbietern geprägt. Die Casinos Austria AG und ihre Tochter Österreichische Lotterien dominieren den legalen Markt. Mit dem Auslaufen wichtiger Lizenzen 2027 steht eine Weichenstellung bevor - ob das Monopol bestehen bleibt oder der Markt geöffnet wird, entscheidet die Politik.

Quellen