Glücksspielgesetz 2026 - Reform, unabhängige Behörde und neue Regulierung in Österreich

Die Konzessionen für Österreichs Lotterien und Online-Glücksspiel laufen am 30. September 2027 aus - und die Politik ringt um eine grundlegende Reform des Glücksspielgesetzes (GSpG). Seit November 2025 liegt ein Gesetzesentwurf vor, der erstmals eine unabhängige Glücksspielbehörde vorsieht und das jahrzehntelange Monopolsystem auf den Prüfstand stellt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Konzessionen für Lotterien und Online-Glücksspiel laufen am 30. September 2027 aus
  • Sechs Casino-Lizenzen (Wien, Linz, Salzburg, Graz, Innsbruck, Bregenz) enden am 31. Dezember 2027
  • Gesetzesentwurf seit November 2025 in Begutachtung
  • Geplant: Unabhängige Glücksspielbehörde statt Finanzministerium
  • Finanzminister Marterbauer (SPÖ) will am Monopol festhalten
  • Umsetzung des neuen Gesetzes bis Mitte 2026 geplant

Warum eine Reform notwendig ist

Das österreichische Glücksspielgesetz stammt aus dem Jahr 1989 und wurde seither nur punktuell angepasst. Während der legale Markt von den Österreichischen Lotterien (mit win2day als einzigem legalem Online-Casino) und den Casinos Austria dominiert wird, hat sich parallel ein florierender Graumarkt entwickelt. Schätzungen zufolge betrug das gesamte Marktvolumen für Online-Glücksspiele in Österreich 2022 rund 410 Millionen Euro - ein Großteil davon fließt an EU-lizenzierte Anbieter ohne österreichische Konzession.

Die Kritik am bestehenden System ist vielfältig: Der Staat ist über die ÖBAG mit rund 33,3 Prozent an der Casinos Austria AG beteiligt, während gleichzeitig das Finanzministerium als Aufsichtsbehörde und Lizenzvergeber fungiert. Dieser offensichtliche Interessenkonflikt war ein zentraler Auslöser für die Reformbestrebungen, die bereits 2021 im Zuge des Ibiza-Skandals angekündigt wurden.

Die geplanten Änderungen im Überblick

Bereich Bisherige Regelung Geplante Änderung
Aufsichtsbehörde Finanzministerium (BMF) Unabhängiger Richtersenat (3 Mitglieder)
Online-Glücksspiel Eine Lizenz (win2day) Monopol bleibt, strengere Durchsetzung
Spielerschutz Dezentrale Sperrsysteme Zentrales Sperrregister
Einzahllimits Vom Anbieter festgelegt Gesetzliche Obergrenzen
Illegale Anbieter Kaum Sanktionsmöglichkeiten Zahlungssperren, IP-Blocking, Strafen
Kleines Glücksspiel 1 Automat je 600 Einwohner 1 Automat je 1.200 Einwohner

Die unabhängige Glücksspielbehörde

Kernstück der Reform ist die Schaffung einer verfassungsrechtlich weisungsfreien Aufsichtsbehörde. Diese soll aus einem dreiköpfigen Richtersenat bestehen, der vom Bundespräsidenten für zunächst sechs Jahre bestellt wird. Die neue Behörde würde folgende Aufgaben übernehmen:

  • Vergabe und Überwachung von Glücksspielkonzessionen
  • Führung des zentralen Spielerschutzregisters
  • Bekämpfung illegaler Glücksspielanbieter
  • Durchsetzung von Spielerschutzmaßnahmen
Praxis-Tipp:
Auch wenn die Reform noch aussteht: Achten Sie schon jetzt auf legale Anbieter. In Österreich ist nur win2day als Online-Casino legal lizenziert. Bei EU-lizenzierten Anbietern besteht zwar keine Strafbarkeit für Spieler, aber auch kein gesicherter Rechtsschutz.

Politischer Streit um Monopol vs. Liberalisierung

Während sich ÖVP, SPÖ und NEOS im November 2025 grundsätzlich auf einen Reformentwurf geeinigt haben, bleibt die Frage der Marktöffnung umstritten. Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) möchte das Monopol im Online-Glücksspiel beibehalten und setzt auf strengere Durchsetzung gegen illegale Anbieter. Branchenvertreter und Teile der ÖVP fordern hingegen ein EU-konformes Lizenzsystem, das mehreren Anbietern den legalen Marktzugang ermöglichen würde.

Die Österreichische Vereinigung für Wetten und Glücksspiel (OVWG) argumentiert, dass ein regulierter Mehrfachlizenzmarkt den Spielerschutz verbessern würde, da legale Anbieter dann unter Aufsicht stünden. Aktuell bieten hunderte EU-lizenzierte Casinos ihre Dienste in Österreich an - faktisch geduldet, aber ohne lokale Aufsicht.

Zeitplan und nächste Schritte

Die Regierung plant, den Gesetzesentwurf in den ersten Monaten 2026 durch das Parlament zu bringen. Die Umsetzung könnte gegen Ende des ersten Halbjahres 2026 erfolgen. Allerdings ist die Ausschreibung der Konzessionen ein aufwändiger Prozess mit einer Frist von mindestens 45 Monaten - daher musste das Finanzministerium bereits den Vergabeprozess nach den alten Regeln starten.

Wichtige Einschränkung:
Sollte sich die Koalition nicht rechtzeitig auf eine Reform einigen, droht eine vorübergehende Verlängerung der bestehenden Lizenzen um bis zu zwei Jahre. Die Österreichischen Lotterien und Casinos Austria haben sich bereits auf alle auslaufenden Konzessionen beworben.

Was bedeutet die Reform für Spieler?

Für Glücksspieler in Österreich bringt die Reform vor allem Verbesserungen beim Spielerschutz: Ein zentrales Sperrregister soll verhindern, dass sich gesperrte Spieler einfach bei anderen Anbietern anmelden. Gesetzliche Einzahllimits würden exzessive Verluste begrenzen - der Verfassungsgerichtshof hatte 2022 kritisiert, dass die bisherigen Limits existenzgefährdend sein können.

Wer legal Lotto oder Euromillionen spielen möchte, ist auch weiterhin bei den Österreichischen Lotterien an der richtigen Adresse. Gewinne aus legalem Glücksspiel bleiben übrigens grundsätzlich steuerfrei - daran ändert auch die Reform nichts.

Rechtlicher Hinweis:
Die endgültige Gestaltung des neuen Glücksspielgesetzes hängt vom Ausgang der parlamentarischen Verhandlungen ab. Der Stand der Informationen entspricht Februar 2026. Für individuelle rechtliche Fragen wenden Sie sich an einen Rechtsanwalt.
Fazit: Die Glücksspielreform 2026 ist überfällig und adressiert zentrale Schwachstellen des österreichischen Systems: Interessenkonflikte bei der Aufsicht, mangelnden Spielerschutz und fehlende Durchsetzung gegen illegale Anbieter. Ob es zu einer echten Marktöffnung kommt, bleibt politisch umkämpft. Klar ist: Bis Ende 2027 müssen die Weichen neu gestellt werden.

Quellen