Österreich gilt in der internationalen Pokerszene als Steuerparadies - und das aus gutem Grund. Während professionelle Pokerspieler in Deutschland ihre Gewinne als Einkommen versteuern müssen, bleiben Pokergewinne in Österreich grundsätzlich steuerfrei. Der Grund liegt in einer besonderen Konstellation des österreichischen Steuerrechts, die der Verwaltungsgerichtshof (VwGH) mehrfach bestätigt hat.
- Pokergewinne sind in Österreich grundsätzlich nicht einkommensteuerpflichtig
- Das gilt sowohl für Hobbyspieler als auch für professionelle Pokerspieler
- Grund: Poker ist laut VwGH ein Glücksspiel, keine gewerbliche Tätigkeit
- Die sieben Einkunftsarten des EStG erfassen Pokergewinne nicht
- Für Anbieter gilt: 40% Steuer auf den Bruttoumsatz (Rake)
- Viele internationale Pokerräume haben Österreich wegen dieser Steuer verlassen
Warum Pokergewinne nicht unter die Einkommensteuer fallen
Das österreichische Einkommensteuergesetz (EStG) kennt sieben Einkunftsarten, die steuerpflichtig sind: Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft, selbstständiger Arbeit, Gewerbebetrieb, nichtselbstständiger Arbeit, Kapitalvermögen, Vermietung und Verpachtung sowie sonstige Einkünfte. Pokergewinne fallen unter keine dieser Kategorien.
| Einkunftsart nach EStG | Poker relevant? |
|---|---|
| Land- und Forstwirtschaft | Nein |
| Selbstständige Arbeit | Nein - kein anerkannter Beruf |
| Gewerbebetrieb | Nein - Glücksspiel, kein Gewerbe |
| Nichtselbstständige Arbeit | Nein |
| Kapitalvermögen | Nein - keine Kapitalerträge |
| Vermietung und Verpachtung | Nein |
| Sonstige Einkünfte (§ 29 EStG) | Nein - kein Spekulationsgeschäft |
Die entscheidenden Urteile: Poker als Glücksspiel
Der Verwaltungsgerichtshof (VwGH) und das Bundesfinanzgericht (BFG) haben in mehreren Entscheidungen klargestellt, dass die Erfolgschancen bei Pokerturnieren vom Zufall geprägt sind. Poker wird daher als Glücksspiel eingestuft - und nicht als gewerbliche Tätigkeit, die der Einkommensteuer unterliegen würde.
Die zentrale Argumentation: Damit eine Tätigkeit als Gewerbebetrieb gilt, muss sie nachhaltig und mit Gewinnerzielungsabsicht betrieben werden. Bei einem Glücksspiel fehlt aber die Planbarkeit der Ergebnisse. Selbst regelmäßige Gewinne basieren letztlich auf Zufall, nicht auf unternehmerischer Leistung.
Diese Rechtslage gilt unabhängig davon, ob Sie gelegentlich Homegames spielen, regelmäßig Online-Poker spielen oder als Profi von Turniergewinnen leben. Entscheidend ist die rechtliche Einordnung von Poker als Glücksspiel, nicht Ihre persönliche Spielhäufigkeit.
Unterschied zu Deutschland: Wo Profis zahlen müssen
In Deutschland hat der Bundesfinanzhof (BFH) 2015 entschieden, dass professionelle Pokerspieler einkommensteuerpflichtig sein können. Die deutsche Argumentation: Wer durch regelmäßiges Spielen nachhaltig Gewinne erzielt, übt eine gewerbliche Tätigkeit aus - unabhängig vom Glücksspielcharakter des Spiels.
| Aspekt | Österreich | Deutschland |
|---|---|---|
| Rechtliche Einordnung | Glücksspiel | Kann als Gewerbe gelten |
| Hobbyspieler | Steuerfrei | Steuerfrei |
| Professionelle Spieler | Steuerfrei | Einkommensteuerpflichtig |
| Höchstgerichtliche Entscheidung | VwGH: Poker = Glücksspiel | BFH: Kann Gewerbe sein |
Diese unterschiedliche Rechtsprechung hat dazu geführt, dass viele professionelle Pokerspieler aus Deutschland nach Österreich gezogen sind - insbesondere nach Wien, das sich zu einem internationalen Poker-Hotspot entwickelt hat.
Keine Gewerbesteuer, keine Sozialversicherung
Da Poker in Österreich nicht als Gewerbebetrieb gilt, fallen auch keine Gewerbesteuer und keine Pflichtbeiträge zur Sozialversicherung der Selbstständigen (SVS) an. Professionelle Pokerspieler müssen sich daher freiwillig versichern, wenn sie Kranken- und Pensionsversicherungsschutz wünschen.
Die Steuerfreiheit gilt nur für Pokergewinne selbst. Wenn Sie Ihre Gewinne in Kapitalanlagen investieren (Aktien, ETFs, Immobilien), unterliegen die daraus entstehenden Erträge den normalen Steuerregeln für Kapitalerträge oder Vermietung.
Die 40%-Steuer für Online-Poker-Anbieter
Während Spieler steuerfrei gewinnen können, sieht es für Anbieter anders aus. Online-Glücksspielanbieter, die in Österreich tätig sind, müssen auf den Bruttoumsatz (beim Poker: den Rake) eine Steuer von 40% an den österreichischen Staat abführen - unabhängig davon, ob sie eine österreichische Lizenz besitzen oder nicht.
Diese hohe Abgabe hat massive Konsequenzen für den Markt: Viele internationale Pokerräume haben Österreich verlassen oder nehmen keine österreichischen Spieler mehr an. Betroffen sind unter anderem:
- Partypoker und Bwin
- Fast alle Skins des iPoker-Netzwerks (Betsson, Betsafe)
- Neuere Anbieter wie WPTGlobal oder JackPoker
Lediglich Offshore-Pokerräume, die sich um österreichische Gesetze nicht kümmern, akzeptieren weiterhin Spieler aus der Alpenrepublik - mit allen damit verbundenen Risiken für den Spielerschutz.
Praktische Fragen und Antworten
Muss ich Pokergewinne dem Finanzamt melden?
Nein, da Pokergewinne keine steuerpflichtigen Einkünfte darstellen, müssen sie auch nicht in der Steuererklärung angegeben werden.
Ab welcher Gewinnsumme wird man zum Berufsspieler?
In Österreich gibt es keine solche Grenze. Da Poker als Glücksspiel gilt, ist die Gewinnsumme irrelevant - selbst Millionengewinne bleiben steuerfrei.
Was ist mit Live-Turniergewinnen im Ausland?
Auch diese Gewinne sind in Österreich steuerfrei. Allerdings können im Ausland Quellensteuern anfallen - informieren Sie sich vor der Teilnahme an ausländischen Turnieren über die lokale Rechtslage.
Kann das Finanzamt mich trotzdem überprüfen?
Ja, bei auffälligen Kontobewegungen kann das Finanzamt Nachweise über die Herkunft der Gelder verlangen. Bewahren Sie daher Belege über Turniergewinne und Cashouts auf.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine steuerliche oder rechtliche Beratung. Bei individuellen Fragen zu Ihrer Steuersituation wenden Sie sich an einen Steuerberater oder Rechtsanwalt.
Ausblick: Könnte sich die Rechtslage ändern?
Mit der geplanten Glücksspielreform 2026/2027 könnte sich auch die steuerliche Behandlung von Pokergewinnen ändern. Bisher gibt es jedoch keine konkreten Hinweise darauf, dass der Gesetzgeber die Steuerfreiheit für Spieler antasten will. Die Diskussion konzentriert sich eher auf Lizenzierung, Spielerschutz und Marktregulierung.
International ist Österreich mit seiner spielerfreundlichen Regelung allerdings ein Sonderfall. Die meisten Länder besteuern zumindest professionelle Pokerspieler. Ob Österreich diesen Sonderstatus langfristig behält, bleibt abzuwarten.